von Friedrich Oberkofler
Heutzutage ist "das Böse" allgegenwärtig, aber "der Böse" existiert nicht mehr. Oder doch?
So in etwa las sich auf dem Buchrückentext die Prämisse des Buches. Zudem ist der Autor des Buches Theologe und Pfarrer in München. Ich hatte also ein Buch über das Teufelsbild der katholischen Kirche erwartet. Ist es nicht. Am ehesten ist eine sehr lange Predigt, die zur Umkehr und zur Rückbesinnung auf den wahren christlichen Glauben aufruft, denn die Wiederkehr Christi könnte kurz bevor stehen. Bekannterweise kann niemand den Zeitpunkt vorhersagen, aber einer der Hinweise auf das Kommen des Herrn ist das Auftreten des Antichrist. Und gerade in unserer atheistischen, brutalen Welt ist es nicht abwegig, dass das schon bald eintreten könnte.
Die Teile, die sich mit Quellenstudium beschäftigen, sind sehr interessant. Naturgemäß der Hauptbezug die Offenbarung des Johannes, dazu kommen das Buch Daniel und diverse Evangelien des Neuen Testamentes. Die in den Texten beschworenen Bilder - zum Beispiel das Tier mit den zehn Hörnern - werden gelistet und interpretiert, und es werden diverse Interpretationen durch die Geschichte vorgestellt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Herrschaft des Antichrist genau dreieinhalb Jahre dauern wird, bevor Christus kommen und ihn endgültig besiegen wird. Oder dass die Christus zugeordnete Zahl 888 (drei mal die Perfektion - 7 - plus 1) ist. Dass "das Tier" die zugeordnete Zahl 666 hat, erklärt sich dann damit, dass drei mal nach Perfektion gestrebt und dreimal versagt wurde.
Da gibt es also wirklich spannende Passagen, auch wenn einige Dinge für meinen Geschmack zu oft wiederholt werden.
Auch die Teile, die sich auf die Rückbesinnung auf die wahre Lehre des Christentums beziehen, sind gut. Die Liebe zu Gott über allem und daraus resultierend Nächstenliebe, Demut und Hoffen auf Erlösung nach dem Tod zum ewigen Leben. Grundsätze des katholischen Glaubens eben. Gott als Schöpfer und Herr aller Dinge, dem wir darum Dank und Ehrerbietung schulden. Die grenzenlose, allumfassende Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und uns, seinen Kindern. Alles sehr positiv.
Aber dann kommen wir schon zur vehementen Erinnerung, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist und die Natur dazu da, ihm zu dienen, Naturschutz also an sich lobenswert, aber eher untergeordnet ist. Weiter geht es mit der wiederholten Klarstellung, dass die katholische Kirche die Hüterin der einzigen Wahrheit ist, und dass ihr darum eine Sonderstellung, eine Sonderbehandlung und eine Vormachtstellung in der Welt gebührt, die ihr in unserer konsensorientierten und sekulären Zeit aber verwehrt wird. Noch schlimmer, es wird sich über sie lustig gemacht und Christen werden aktiv verfolgt.
Ich will die Verfolgung von Christen gar nicht bezweifeln, aber bezeichnenderweise verliert das ganze Buch kein Wort darüber, dass auch Katholiken nicht grade Unschuldslämmer sind, was die Behandlung anderer Religionen angeht - schlimmer, als Trägerin der einzigen Wahrheit darf die katholische Kirche nicht einmal einen respektvollen Dialog mit anderen Religionen oder auch nur Konfessionen aufnehmen, denn die sind alle unwahr und darum minderwertig, und alleine das Gespräch mit ihnen daher schon nutzlos. Ich frage mich wirklich, wie die Arroganz, die aus diesen Überzeugungen spricht, mit Demut und Frieden vereinbart werden soll. Ich verstehe, dass jede Religion sich für die einzig wahre hält - sonst würde sie ja auch keinen Sinn machen - aber allen Ungläubigen mit dem Schwert zu begegnen, ist auch keine Lösung. Selbst wenn sie die Göttlichkeit Christi leugnen.
Genauso schlimm sind natürlich all die Gottlosen, die göttliche Ordnung zerstören wollen. Linke, Feministen, Freimaurer und der Antichrist werden tatsächlich so in einem Atemzug genannt. Und auch die Kritik an Diktaturen wie dem Nationalsozialismus erschöpft sich vor allem daran, dass es gottlose Systeme sind, die eben nicht auf den Lehren der katholischen Kirche aufbauen. Das lässt den üblen Nachgeschmack zurück, dass sich der Autor eine katholische Diktatur wünscht, mit allen Repressalien für Andersdenkende und deren Beseitigung, die mit Diktaturen immer einhergehen. Und da soll sich noch wer wundern, wenn jemand die katholische Kirche schief ansieht.
Von den Absätzen über die Unfehlbarkeit der Lehre und dem von Christus selbst ernannten Vertreter, dem Papst, möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Lehre selbst ist sicher unfehlbar, aber leider weiß heute keiner mehr, was eigentlich die Lehre ist - der zur Entstehung des Textes amtierende Papst Benedikt XVI. wahrscheinlich auch nicht, denn er hat abgedankt, und das sollte bei einem von Christus persönlich erwählten Stellvertreter nicht möglich sein. Und was mit Päpsten vor ein paar Jahrhunderten war, wissen wir ja auch alle. Da noch auf Bewahrung der ursprünglichen Lehre zu pochen...
Ich würde an dieser Stelle gerne an ein anderes Bibelwort erinnern: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."
Und an dieses Wort möchte ich mich dann gerne auch selbst halten und die Rezension beenden. Ja, ich bin katholisch. Aber manchmal wird einem das wirklich schwer gemacht - und das nicht einmal von Menschen, die nicht katholisch sind, ganz im Gegenteil.
Heutzutage ist "das Böse" allgegenwärtig, aber "der Böse" existiert nicht mehr. Oder doch?
So in etwa las sich auf dem Buchrückentext die Prämisse des Buches. Zudem ist der Autor des Buches Theologe und Pfarrer in München. Ich hatte also ein Buch über das Teufelsbild der katholischen Kirche erwartet. Ist es nicht. Am ehesten ist eine sehr lange Predigt, die zur Umkehr und zur Rückbesinnung auf den wahren christlichen Glauben aufruft, denn die Wiederkehr Christi könnte kurz bevor stehen. Bekannterweise kann niemand den Zeitpunkt vorhersagen, aber einer der Hinweise auf das Kommen des Herrn ist das Auftreten des Antichrist. Und gerade in unserer atheistischen, brutalen Welt ist es nicht abwegig, dass das schon bald eintreten könnte.
Die Teile, die sich mit Quellenstudium beschäftigen, sind sehr interessant. Naturgemäß der Hauptbezug die Offenbarung des Johannes, dazu kommen das Buch Daniel und diverse Evangelien des Neuen Testamentes. Die in den Texten beschworenen Bilder - zum Beispiel das Tier mit den zehn Hörnern - werden gelistet und interpretiert, und es werden diverse Interpretationen durch die Geschichte vorgestellt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Herrschaft des Antichrist genau dreieinhalb Jahre dauern wird, bevor Christus kommen und ihn endgültig besiegen wird. Oder dass die Christus zugeordnete Zahl 888 (drei mal die Perfektion - 7 - plus 1) ist. Dass "das Tier" die zugeordnete Zahl 666 hat, erklärt sich dann damit, dass drei mal nach Perfektion gestrebt und dreimal versagt wurde.
Da gibt es also wirklich spannende Passagen, auch wenn einige Dinge für meinen Geschmack zu oft wiederholt werden.
Auch die Teile, die sich auf die Rückbesinnung auf die wahre Lehre des Christentums beziehen, sind gut. Die Liebe zu Gott über allem und daraus resultierend Nächstenliebe, Demut und Hoffen auf Erlösung nach dem Tod zum ewigen Leben. Grundsätze des katholischen Glaubens eben. Gott als Schöpfer und Herr aller Dinge, dem wir darum Dank und Ehrerbietung schulden. Die grenzenlose, allumfassende Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und uns, seinen Kindern. Alles sehr positiv.
Aber dann kommen wir schon zur vehementen Erinnerung, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist und die Natur dazu da, ihm zu dienen, Naturschutz also an sich lobenswert, aber eher untergeordnet ist. Weiter geht es mit der wiederholten Klarstellung, dass die katholische Kirche die Hüterin der einzigen Wahrheit ist, und dass ihr darum eine Sonderstellung, eine Sonderbehandlung und eine Vormachtstellung in der Welt gebührt, die ihr in unserer konsensorientierten und sekulären Zeit aber verwehrt wird. Noch schlimmer, es wird sich über sie lustig gemacht und Christen werden aktiv verfolgt.
Ich will die Verfolgung von Christen gar nicht bezweifeln, aber bezeichnenderweise verliert das ganze Buch kein Wort darüber, dass auch Katholiken nicht grade Unschuldslämmer sind, was die Behandlung anderer Religionen angeht - schlimmer, als Trägerin der einzigen Wahrheit darf die katholische Kirche nicht einmal einen respektvollen Dialog mit anderen Religionen oder auch nur Konfessionen aufnehmen, denn die sind alle unwahr und darum minderwertig, und alleine das Gespräch mit ihnen daher schon nutzlos. Ich frage mich wirklich, wie die Arroganz, die aus diesen Überzeugungen spricht, mit Demut und Frieden vereinbart werden soll. Ich verstehe, dass jede Religion sich für die einzig wahre hält - sonst würde sie ja auch keinen Sinn machen - aber allen Ungläubigen mit dem Schwert zu begegnen, ist auch keine Lösung. Selbst wenn sie die Göttlichkeit Christi leugnen.
Genauso schlimm sind natürlich all die Gottlosen, die göttliche Ordnung zerstören wollen. Linke, Feministen, Freimaurer und der Antichrist werden tatsächlich so in einem Atemzug genannt. Und auch die Kritik an Diktaturen wie dem Nationalsozialismus erschöpft sich vor allem daran, dass es gottlose Systeme sind, die eben nicht auf den Lehren der katholischen Kirche aufbauen. Das lässt den üblen Nachgeschmack zurück, dass sich der Autor eine katholische Diktatur wünscht, mit allen Repressalien für Andersdenkende und deren Beseitigung, die mit Diktaturen immer einhergehen. Und da soll sich noch wer wundern, wenn jemand die katholische Kirche schief ansieht.
Von den Absätzen über die Unfehlbarkeit der Lehre und dem von Christus selbst ernannten Vertreter, dem Papst, möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Lehre selbst ist sicher unfehlbar, aber leider weiß heute keiner mehr, was eigentlich die Lehre ist - der zur Entstehung des Textes amtierende Papst Benedikt XVI. wahrscheinlich auch nicht, denn er hat abgedankt, und das sollte bei einem von Christus persönlich erwählten Stellvertreter nicht möglich sein. Und was mit Päpsten vor ein paar Jahrhunderten war, wissen wir ja auch alle. Da noch auf Bewahrung der ursprünglichen Lehre zu pochen...
Ich würde an dieser Stelle gerne an ein anderes Bibelwort erinnern: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."
Und an dieses Wort möchte ich mich dann gerne auch selbst halten und die Rezension beenden. Ja, ich bin katholisch. Aber manchmal wird einem das wirklich schwer gemacht - und das nicht einmal von Menschen, die nicht katholisch sind, ganz im Gegenteil.