European Tour 2017, Station Köln, Musicaldome
Cats kommt in der Nähe vorbei, da muss ich natürlich hin. Zumal es recht erschwinglich war und der Musicaldome nicht so groß ist, so dass man auch in den hinteren Reihen recht nah dran ist. Trotzdem haben wir Reihe 2 gebucht, was in diesem Fall die erste Reihe war.
Und dann haben sie die Reihe wegrationalisiert. Das ist mir in 30 Jahren noch nie passiert, dass ich in ein Theater komme und der Sitzplatz existiert nicht. Aber sie waren sehr nett und sehr professionell - das Problem ist ja nicht einmalig, denn es haben sicher noch andere Leute diese Karten gebucht in den anderen Vorstellungen - und innerhalb von Minuten hatten wir die Wahl zwischen zwei anderen Optionen. Reihe 3 ganz an der Seite oder Reihe 12 Mitte. Wir haben Reihe 12 Mitte genommen. Was rein rechnerisch eine Ersparnis von 23 € ergeben hat, denn Reihe 12 war teurer. Praktisch war's auch gut, die Sicht war prima.
Sie spielen auf Englisch, also haben sie Seittitel. Beim letzten Mal hatten sie da einfach die vollständige Kunze-Übersetzung drauf, aber dieses Mal hat sich wohl jemand gedacht, dass das zu viel Text ist und dass das eh keiner liest. Also haben sie sich für eine Mischung aus beschreibenden Texten und Fragmenten der Kunze-Übersetzung entschieden. Ganz schlechte Idee. Ging das vielleicht bei "Jellicle Songs for Jellicle Cats" noch an, indem sie den ganzen Song mit "Jellicle Katzen haben ganz bestimmte Eigenschaften" und einem abschließenden "Was ist eine Jellicle Katz'?" zusammenfassten, ergab das bei der Gumbie-Katze schon den seltsamen Satz "Munkustrap singt von der Gumbiekatze Jennyanydots." Okay. Ich weiß es zu schätzen, dass jetzt das ganze Publikum sich ableiten kann, wie der große weiß-graue Kater heißt, der da grade singt, aber das ist eigentlich vollkommen unerheblich und für den nicht-Cats-Fans eher verwirrend. Auch sagt der Satz nicht das geringste darüber aus, um was es eigentlich geht, denn wer nicht weiß, was eine Gumbie ist, hat keine Chance, das so zu erfahren, und wer es weiß, dem ist die Einblendung eh egal.
Ich habe versucht, die Einblendungen weitgehend zu ignorieren und nur zur Unterhaltung hin und wieder mal einen Blick drauf geworfen. Dabei habe ich weitere misslungene Dinge gelesen wie "Grizabella ist alt und müde. Ihre Augen sind schwer von Melancholie.", und natürlich dieses unsägliche "Dieser Kater ist der Pate in der Mafia der Cats.". Was sie sich bei diesen Texten gedacht haben... vielleicht will ich's lieber nicht wissen.
Der Musicaldome hat wie erwähnt gute Sicht, dafür aber eine schlechte Akustik. Bei Stücken wie Cats ist das nicht so wichtig, aber es war schon zu hören, darum sind Besuche bei symphonischen Stücken wie "Jekyll & Hyde" eher mit Vorsicht zu genießen. Es hat ab und an gescheppert und aller Sound kam von vorne, aber im Großen und Ganzen war's okay. Nur, dass sie uns am Ende das Orchester nicht gezeigt haben... Haben sie so wenig Leute, dass sie sich schämen?
Auch scheint die Tour ein bisschen in Problemen mit ihrer Cast zu sein, denn Coricopat war weiblich. Das war auch was Neues. Stört mich nicht, ist für die Rolle auch vollkommen egal, und die betreffende Darstellerin hat es toll gemacht. Sie war auch schön synchron mit Tantomile, also, Hut ab. Haben sie gut gemeistert.
Auch an Cats doktort Andrew Llyod Webber seit ein paar Jahren herum, und wie schon vorher bei Starlight Express wünscht man sich, er würde die Finger davon lassen. Immerhin ist Tugger wieder Tugger und nicht mehr Tuggah, denn das war ganz furchtbar und passte überhaupt nicht. Wenigstens etwas.
Der gesamte Growltiger-Block ist jetzt komplett gestrichen. Das macht die Show etwa 15 Minuten kürzer. Ich habe sie ja schon lange im Verdacht, die Show einfach kürzen zu wollen, aber ich hatte erwartet, dass sie die Pekies und Pollicles rausnehmen würden, weil sie da über die Jahre immer wieder Zeilen und Refrains gestrichen haben. Nein, die Nummer ist noch drin, sie wurde in den zweiten Akt verschoben und ersetzt Growtiger, so dass Gus, statt sich zurück in seine Glanzzeiten am Theater zu träumen, jetzt tatsächlich nochmal spielen kann, und zwar Rumpuskatz. Darum singt er auch den halben Song, den haben sie Munkustrap weggenommen, und alleine dafür finde ich die Idee schon ganz furchtbar. Auch haben sie alle Scherze aus dem Song genommen, denn jetzt muss es ja für Gus ordentlich und ernsthaft gemacht werden (Munkustrap durfte man verarschen, Gus nicht). Gefällt mir auch nicht. Okay, es gibt der Rolle von Gus eine andere Bedeutung, aber der interessiert mich jetzt nicht so... Also, man kann's mögen oder auch nicht. Ich mag's nicht.
Was mich aber wirklich nervt, ist das ständige "Macavity"-Gerufe im ersten Akt, der damit gefühlt alle zwei Songs unterbrochen wird. An der Stelle, wo früher die Pekies und Pollicles kamen, machen sie sogar noch länger bedeutungsschwangere Musik und Demeter und Bombalurina singen schonmal vorab eine halbe Strophe aus dem "Macavity"-Song im zweiten Akt. Mit schön viel Hall, damit es auch mystisch klingt. Kann ich gut drauf verzichten.
Auch verzichten kann ich darauf, dass Grizabella ständig zwischendurch mal wo durch den Hintergrund läuft und vor allem darauf, dass sie Passagen des Balls mittanzt. Dass macht ihr überlanges Alleine-Getanze nach dem Ball noch überflüssiger, und widerspricht dem Ausgestoßen-Sein des Charakters.
Jetzt zur Cast. Die war super - tolle Tänzer, die sich von der erstaunlich kleinen Bühne nicht einengen ließen, selbst Munkustrap, und das ist nicht selbstverständlich. Der wurde von Matt Krzan gespielt, dessen Namen ich irgendwoher kenne, aber nicht rausfinden kann, woher. Tolle Stimme, toller Tänzer, super gespielt, hat mir sehr gut gefallen. Gut, er hätte sich ein bisschen mehr für Demeter interessieren können, aber das sind persönliche Kleinigkeiten. Da generell sehr wenig im Hintergrund gemacht wurde - vielleicht, weil sie rumbesetzen mussten, Stichwort weiblicher Coricopat...
Auch Tumblebrutus, der in dieser Inkarnation Bill Baily heißt, war klein, quirlig und süß und ein toller Tänzer. Saltos gab's keine, aber ausreichend Überschläge. Hat Spaß gemacht.
Einzig abgefallen sind ein bisschen Mistoffelees, der mit seinem Solo doch leicht überfordert wirkte, und Grizabella, aber das scheint Teil der Inszenierung zu sein. Das war genau das Gleiche wie damals in London im Palladium mit Kerri Ellis. Sie singt das erste "Memory" und man denkt, dass sie keine Kraft in der Stimme hat, kein Gefühl, und dass die Höhen zu viel für sie sind. Sie singt das zweite, und es ist genau das selbe - und dann richtet sie sich für die letzte Strophe auf, macht den Mund auf, und pustet einen aus dem Sitz. Wow. Warum darf sie das nicht vorher zeigen? Wenigstens ein klitzekleines bisschen? Nur so viel, dass man denkt, die Darstellerin kann es singen, und man ein bisschen mit dem Charakter mitfühlen darf? Ich bin wirklich kein Grizabella-Fan, aber... bitte?
Besondere Erwähnung noch für das Cats-Urgestein Dane Quixall, der diesmal Mungojerrie spielte - will der Mann eigentlich Swing sein? Warum hat der nie eine First Cast? - und damit qualitativ auch aus dieser wirklich guten Cast nochmal als Klasse für sich rausstach. So sicher in allem, was er tanzte, sang und tat, dass er zwischendurch locker die Zeit hatte, extra was zu machen. Das trägt zur Charakterisierung bei und macht die Show lebendiger. Toll.
Cats kommt in der Nähe vorbei, da muss ich natürlich hin. Zumal es recht erschwinglich war und der Musicaldome nicht so groß ist, so dass man auch in den hinteren Reihen recht nah dran ist. Trotzdem haben wir Reihe 2 gebucht, was in diesem Fall die erste Reihe war.
Und dann haben sie die Reihe wegrationalisiert. Das ist mir in 30 Jahren noch nie passiert, dass ich in ein Theater komme und der Sitzplatz existiert nicht. Aber sie waren sehr nett und sehr professionell - das Problem ist ja nicht einmalig, denn es haben sicher noch andere Leute diese Karten gebucht in den anderen Vorstellungen - und innerhalb von Minuten hatten wir die Wahl zwischen zwei anderen Optionen. Reihe 3 ganz an der Seite oder Reihe 12 Mitte. Wir haben Reihe 12 Mitte genommen. Was rein rechnerisch eine Ersparnis von 23 € ergeben hat, denn Reihe 12 war teurer. Praktisch war's auch gut, die Sicht war prima.
Sie spielen auf Englisch, also haben sie Seittitel. Beim letzten Mal hatten sie da einfach die vollständige Kunze-Übersetzung drauf, aber dieses Mal hat sich wohl jemand gedacht, dass das zu viel Text ist und dass das eh keiner liest. Also haben sie sich für eine Mischung aus beschreibenden Texten und Fragmenten der Kunze-Übersetzung entschieden. Ganz schlechte Idee. Ging das vielleicht bei "Jellicle Songs for Jellicle Cats" noch an, indem sie den ganzen Song mit "Jellicle Katzen haben ganz bestimmte Eigenschaften" und einem abschließenden "Was ist eine Jellicle Katz'?" zusammenfassten, ergab das bei der Gumbie-Katze schon den seltsamen Satz "Munkustrap singt von der Gumbiekatze Jennyanydots." Okay. Ich weiß es zu schätzen, dass jetzt das ganze Publikum sich ableiten kann, wie der große weiß-graue Kater heißt, der da grade singt, aber das ist eigentlich vollkommen unerheblich und für den nicht-Cats-Fans eher verwirrend. Auch sagt der Satz nicht das geringste darüber aus, um was es eigentlich geht, denn wer nicht weiß, was eine Gumbie ist, hat keine Chance, das so zu erfahren, und wer es weiß, dem ist die Einblendung eh egal.
Ich habe versucht, die Einblendungen weitgehend zu ignorieren und nur zur Unterhaltung hin und wieder mal einen Blick drauf geworfen. Dabei habe ich weitere misslungene Dinge gelesen wie "Grizabella ist alt und müde. Ihre Augen sind schwer von Melancholie.", und natürlich dieses unsägliche "Dieser Kater ist der Pate in der Mafia der Cats.". Was sie sich bei diesen Texten gedacht haben... vielleicht will ich's lieber nicht wissen.
Der Musicaldome hat wie erwähnt gute Sicht, dafür aber eine schlechte Akustik. Bei Stücken wie Cats ist das nicht so wichtig, aber es war schon zu hören, darum sind Besuche bei symphonischen Stücken wie "Jekyll & Hyde" eher mit Vorsicht zu genießen. Es hat ab und an gescheppert und aller Sound kam von vorne, aber im Großen und Ganzen war's okay. Nur, dass sie uns am Ende das Orchester nicht gezeigt haben... Haben sie so wenig Leute, dass sie sich schämen?
Auch scheint die Tour ein bisschen in Problemen mit ihrer Cast zu sein, denn Coricopat war weiblich. Das war auch was Neues. Stört mich nicht, ist für die Rolle auch vollkommen egal, und die betreffende Darstellerin hat es toll gemacht. Sie war auch schön synchron mit Tantomile, also, Hut ab. Haben sie gut gemeistert.
Auch an Cats doktort Andrew Llyod Webber seit ein paar Jahren herum, und wie schon vorher bei Starlight Express wünscht man sich, er würde die Finger davon lassen. Immerhin ist Tugger wieder Tugger und nicht mehr Tuggah, denn das war ganz furchtbar und passte überhaupt nicht. Wenigstens etwas.
Der gesamte Growltiger-Block ist jetzt komplett gestrichen. Das macht die Show etwa 15 Minuten kürzer. Ich habe sie ja schon lange im Verdacht, die Show einfach kürzen zu wollen, aber ich hatte erwartet, dass sie die Pekies und Pollicles rausnehmen würden, weil sie da über die Jahre immer wieder Zeilen und Refrains gestrichen haben. Nein, die Nummer ist noch drin, sie wurde in den zweiten Akt verschoben und ersetzt Growtiger, so dass Gus, statt sich zurück in seine Glanzzeiten am Theater zu träumen, jetzt tatsächlich nochmal spielen kann, und zwar Rumpuskatz. Darum singt er auch den halben Song, den haben sie Munkustrap weggenommen, und alleine dafür finde ich die Idee schon ganz furchtbar. Auch haben sie alle Scherze aus dem Song genommen, denn jetzt muss es ja für Gus ordentlich und ernsthaft gemacht werden (Munkustrap durfte man verarschen, Gus nicht). Gefällt mir auch nicht. Okay, es gibt der Rolle von Gus eine andere Bedeutung, aber der interessiert mich jetzt nicht so... Also, man kann's mögen oder auch nicht. Ich mag's nicht.
Was mich aber wirklich nervt, ist das ständige "Macavity"-Gerufe im ersten Akt, der damit gefühlt alle zwei Songs unterbrochen wird. An der Stelle, wo früher die Pekies und Pollicles kamen, machen sie sogar noch länger bedeutungsschwangere Musik und Demeter und Bombalurina singen schonmal vorab eine halbe Strophe aus dem "Macavity"-Song im zweiten Akt. Mit schön viel Hall, damit es auch mystisch klingt. Kann ich gut drauf verzichten.
Auch verzichten kann ich darauf, dass Grizabella ständig zwischendurch mal wo durch den Hintergrund läuft und vor allem darauf, dass sie Passagen des Balls mittanzt. Dass macht ihr überlanges Alleine-Getanze nach dem Ball noch überflüssiger, und widerspricht dem Ausgestoßen-Sein des Charakters.
Jetzt zur Cast. Die war super - tolle Tänzer, die sich von der erstaunlich kleinen Bühne nicht einengen ließen, selbst Munkustrap, und das ist nicht selbstverständlich. Der wurde von Matt Krzan gespielt, dessen Namen ich irgendwoher kenne, aber nicht rausfinden kann, woher. Tolle Stimme, toller Tänzer, super gespielt, hat mir sehr gut gefallen. Gut, er hätte sich ein bisschen mehr für Demeter interessieren können, aber das sind persönliche Kleinigkeiten. Da generell sehr wenig im Hintergrund gemacht wurde - vielleicht, weil sie rumbesetzen mussten, Stichwort weiblicher Coricopat...
Auch Tumblebrutus, der in dieser Inkarnation Bill Baily heißt, war klein, quirlig und süß und ein toller Tänzer. Saltos gab's keine, aber ausreichend Überschläge. Hat Spaß gemacht.
Einzig abgefallen sind ein bisschen Mistoffelees, der mit seinem Solo doch leicht überfordert wirkte, und Grizabella, aber das scheint Teil der Inszenierung zu sein. Das war genau das Gleiche wie damals in London im Palladium mit Kerri Ellis. Sie singt das erste "Memory" und man denkt, dass sie keine Kraft in der Stimme hat, kein Gefühl, und dass die Höhen zu viel für sie sind. Sie singt das zweite, und es ist genau das selbe - und dann richtet sie sich für die letzte Strophe auf, macht den Mund auf, und pustet einen aus dem Sitz. Wow. Warum darf sie das nicht vorher zeigen? Wenigstens ein klitzekleines bisschen? Nur so viel, dass man denkt, die Darstellerin kann es singen, und man ein bisschen mit dem Charakter mitfühlen darf? Ich bin wirklich kein Grizabella-Fan, aber... bitte?
Besondere Erwähnung noch für das Cats-Urgestein Dane Quixall, der diesmal Mungojerrie spielte - will der Mann eigentlich Swing sein? Warum hat der nie eine First Cast? - und damit qualitativ auch aus dieser wirklich guten Cast nochmal als Klasse für sich rausstach. So sicher in allem, was er tanzte, sang und tat, dass er zwischendurch locker die Zeit hatte, extra was zu machen. Das trägt zur Charakterisierung bei und macht die Show lebendiger. Toll.