blauerfalke: (Falke)
[personal profile] blauerfalke
Dieses Jahr habe ich nur das zweite Halbfinale vorab gesehen. Also nur die Hälfte aller Bewerber. Schlecht informiert also. ;) Aber im Ganzen war es unterhaltsam und abwechslungsreich, nicht die befürchteten 43 Balladen, die von einzelnen, leicht verschreckt wirkenden Herren auf einer leeren Bühne gesungen werden. Obwohl ich zugeben muss, dass die Siegerballade von letztem Jahr doch ganz hübsch war. Vor allem, wenn man sie im Radio hört.

Sie wurde natürlich auch dieses Jahr wieder gesungen, so ist das beim ESC Brauch, allerdings nicht zum Eingang des Abends, sondern während des Votings im Showblock. Macht aber auch nichts, denn Portugal hat es geschafft, einen Showeinstieg und einen Showteil zu zeigen, die beide gleichermaßen langweilig waren. Kein Wunder, dass sie so lange gebraucht haben, um den ESC mal zu gewinnen.
Auch kommt es mir noch immer so vor, als wäre eine 11 000-Plätze-Halle irgendwie was klein für ein solches Ereignis. Aber das ist nur ein Gefühl und beruht nicht auf irgendwelchen Fakten. Um im Gegensatz zu den letzten Jahren gab es keine Projektionsleinwand. Was dann dazu führte, dass diverse Länder (darunter auch Deutschland) einfach eine kleine, persönliche mitgebracht haben. Estland hat ihre sogar angezogen.

Ein paar Länder haben wie immer lobenswerterweise in ihrer Muttersprache gesungen. Italien und Moldavien haben es damit sogar unter die ersten zehn geschafft. Estland auch, aber Estland hat Italienisch gesungen. Ja, das geht auch. Eine ganz andere Sprache singen, nicht nur die eigene oder Englisch. Es gab ja auch schonmal ein Lied auf Esperanto.
Und wir haben mal wieder gesehen, wie weit die Meinungen von Jury und Publikum so auseinanderliegen. Hätte Dänemark von den Jurys irgendwas gekriegt, hätten die unter Umständen sogar gewonnen.


Motto des Abends: All abroad.

Sieger: Israel

Persönlicher Favorit: Norwegen. Außerdem Moldawien und Tschechien. Alles mit guter Laune und viel Begeisterung vorgetragen.

Modetrend des Jahres: Hosen, die ihren Hintern kurz über den Kniekehlen haben. Damit man noch eine Windel drunter kriegt, sollte man das wollen. Slowenien wollte nicht, die Hosen der anderen waren nicht durchsichtig, da konnte man das nicht sehen.

Bestes Gimmick: Ukraine. Er hat einen Flügel, aus dem er erst darth-vader-vampirartig auferstehen kann. Dann stellt sich heraus, dass man auf diesem Flügel trotzdem noch spielen kann. Und zu guter Letzt beginnt die Treppe zum Flügel hoch zu brennen. Das sind ja drei Wünsche auf einmal!

Beruhigendstes Gimmick: Die Geige von Norwegen. Alles war entsetzt, dass Alexander Rybak ohne Geige auftritt. Aber zur Mitte des Songs ist er sie dann zum Glück doch noch holen gegangen.

Bestes Gesamtkonzept: Schweden. Es sah aus wie ein schlechtes Musikvideo aus den 80ern. Enge Röhre, Lederjacke, Föhnfrisur, Neonröhren, gewollt-sexy-Choreographie.

Beste Idee: Moldawien. Weil mir während ihres gesamten Gute-Laune-Swings mit viel Türen-Gerenne nicht aufgefallen ist, dass sie farblich ihre Nationalflagge darstellen.

Schlechtestes Kostüm: Australien. Pailletten-Dings, das aussah, als wäre die Sängerin in glitzerndes Geschenkpapier gewickelt.

Least Dressed Award: Auch Australien. Kein Kleid war kürzer als ihres.

Sinnlosestes Kostümgimmick: Tschechien. Er hatte einen Lederrucksack dabei. Einfach so, ohne Erklärung.

Look Alike-Contest: Frankreich und Großbritannien, beide sehen aus wie Annie Lennox. Und Deutschland. Alle sagen, er sieht aus wie Ed Sheeran. Ich habe keine Ahnung, wie Ed Sheeran aussieht.

Sound Alike-Contest: Auch Deutschland. Sein Refrain hat die gleichen Musiksprünge wie "The A-Team". Und, Überraschung, der Song ist von Ed Sheeran.
Ehrenvoller Zweiter Platz: Schweden. Aber da weiß ich nicht, wie der Song heißt, nach dem es klingt.

Beste Stimme: Estland. Sehr beeindruckender klassischer Sopran mit enormen Höhen.

Beste Choreographie: Slowenien. Das war nicht mein Musikstil, aber die Choreographie war super und auf den Punkt. Und passte zum Song, das muss ja auch gesondert erwähnt werden.
Ehrenvoller Zweiter Platz: Moldawien. Türen. Jede Menge Türen. Dagegen hatte dann auch Irland mit dem getanzten Date der beiden Jungs keine Chance mehr.

Schlechteste Choreographie: Israel. Ich glaube, der Stil heißt Cramping. Weil es so aussieht, als würden sich die Tänzer in Krämpfen winden.

Größte Überraschung im Vorfeld: Israel. Sie hatten doch letztes Jahr gesagt, sie machen nicht mehr mit? Weil ihr Sender geschlossen wird? Haben sie doch noch einen zweiten?

Größte Überraschung während der Show: Großbritannien. Ein Crasher stürmt auf die Bühne und reißt ihr das Mikro weg. Sie schafft es trotzdem, das Ding zurückzubekommen und den Song zu Ende zu singen. Und dann verzichtet sie darauf, nochmal aufzutreten. Man weiß nicht, ob man sie bedauern soll - sie hat toll gesungen, aber durch den Zwischenfall wird sich keiner dran erinnern - oder sie für die Größe, nicht nochmal aufzutreten, bewundern.

Coolster Teilnehmer: Serbien. Sie haben einen Flötespieler dabei, der aussieht wie Einstein (und wohl auch der Kopf der Truppe ist).

Konfuseste Teilnehmer: Ungarn. Sie haben nichtmal mitbekommen, als sie ins Finale kamen.

Mutigste Songs: Frankreich und Italien. Beide singen über politische Themen - Flüchtlinge und Terrorismus - was beim ESC verboten ist, kommen aber damit durch, weil sie beide Landessprache singen und beide Länder zu den Big Five gehören. Oder so. Da sie beide auch zu mehr Solidarität aufrufen, geht das aber schon in Ordnung.

Kryptischste Textzeile: Zypern. "U got me pelican fly fly flyin’" Wieso ausgerechnet ein Pelikan? Fliegen die besonders gut/hoch/ekstatisch...

Tapferster Auftritt: Litauen. Einzelnes Mädchen mit zitternder Hauchstimme, der man sofort glaubt, dass sie am liebsten davonrennen und sich verstecken möchte.

Frisurentrend des Jahres: Animationsfilme. Slowenien trug einen Elsa-Zopf und Israel Anime-Knubbel-Dutts.

Dass beide auch feministische Lieder sangen, steht auf einem anderen Blatt. Insofern war's gut, dass Israel gewonnen hat, auch wenn Zypern einen mehr oder weniger klassischen Eurovisions-Ethno-Popsong gesungen hat. Die Message ist einfach zeitgemäßer.

Profile

blauerfalke: (Default)
blauerfalke

January 2026

S M T W T F S
     12 3
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Most Popular Tags

Style Credit

Expand Cut Tags

No cut tags
Page generated Jan. 9th, 2026 10:40 am
Powered by Dreamwidth Studios