Musical von Eric Idle, John Du Prez und Neil Innes
Es spielt die Freilichtbühne Tecklenburg
Monty Python-Humor mag man oder nicht. Mag man ihn nicht, hat es keinen Zweck, sich "Spamalot" anzusehen, das auf dem Monty Python-Film "Die Ritter der Kokosnuss" basiert. Mag man ihn, kann man sehr viel Spaß mit der Show haben. Sie ist chaotisch, albern und sich für nichts zu schade. Während sie ihre Charaktere vollkommen ernsthaft und selbstverständlich präsentiert, denn das ist die Voraussetzung dafür, dass es funktioniert.
Die Handlung ist schnell erzählt: König Artus sammelt fähige Männer als seine Ritter der Tafelrunde, sie suchen den Gral und am Ende gibt es natürlich ein Happy End, denn es ist ein Musical. Und in Musicals wird am Ende immer geheiratet. Und unterwegs wird "Always look on the bright Side of Life" gesungen, auch wenn das aus einem anderen Film stammt, denn es ist von Monty Python, und das ist ihr bekanntestes Lied, also wollen die Leute das hören.
"Spamalot" war, obwohl Monty Python eine britische Truppe ist, ursprünglich für den Broadway konzipiert, und damit für ein Publikum, das sich im Genre Musical sehr gut auskennt. Das ist in Deutschland eher schwierig, also hat schon die Kölner Version versucht, das abzumildern, die Gags durch andere zu ersetzen, oder sie zu erklären. Tecklenburg macht da keine Ausnahme, bis auf ein paar Seitenhiebe auf die kulturelle Unterlegenheit des Genres sind die Anspielungen größtenteils raus. Das geht mit Sir Robins "You can't succeed on Broadway"-Song natürlich nicht so einfach, denn der ist eine große Shownummer im zweiten Akt - und da hatten sie eine wirklich gute Idee für die Übersetzung. Anstatt sich mit dem Broadway zu beschäftigen, wird die Anforderung auf "Führe in Tecklenburg ein Musical auf, das vom Broadway kommt." geändert, und der Song beschäftigt sich mit "Denn kommt es nicht vom Broadway, interessiert es keine Sau." - das ist in mehrfacher Hinsicht prima, denn es ist nachvollziehbar, spielt mit der Tatsache, dass es dem kleinen Tecklenburg über die Jahre gelungen ist, die A-Liga der Musicals mit großem Erfolg aufzuführen, und bringt sogar noch ein bisschen Selbstironie mit rein, denn A-Liga bedeutet auch, bewährte Hits zu spielen, keine Experimente zu machen und schon gar nicht innovativ sein. "Kommt es nicht vom Broadway..." eben. Drunter geht Tecklenburg nicht. Wie gesagt, sehr gut gelöst.
Darum, dass das Stück nach Tecklenburg passt, braucht man sich keine Sorgen zu machen (Es kommt ja vom Broadway). Die Burgruine macht sich zu einem Ritterstück natürlich toll, sie haben nur ein paar mehr Mauern als Versatzstücke eingepasst und das war's. Ein Sichtschutz hier, eine Schiebewand da und ein überdimensionierter Gral. Passte super und funktionierte reibungslos.
Genauso reibungslos funktioniert die Inszenierung. Flott, ohne sinnloses Herumgerenne, das Timing stimmt und die Gags sitzen. Die Choreographie ist schmissig und unterhaltsam, und wie immer passt sich Tecklenburgs großartige Statisterie lückenlos ein. Das finde ich immer wieder beeindruckend, wie gut das klappt. Kein steifes Herumgestehe, kein hilfloses Positionen-Suchen - Hut ab. Das machen sie wie immer toll.
Auch wie immer beeindruckend alleine die Tatsache, dass sie 18 Mann im Orchestergraben haben - und so klingt es dann auch. Voller Klang, toll ausgesteuert, sehr klar, alles gut zu hören, da wird manches große Theater neidisch. Und keine Frage, sie spielen auch kraftvoll und mit Begeisterung. Toll.
Was dem Ganzen also noch fehlt, ist eine gute Cast, und auch die hatten sie. Ich hatte mich im Vorfeld kein bisschen informiert, wer spielt, und war eigentlich der Meinung, dass ich niemanden kenne, aber als ich's dann grade nachgelesen habe, habe ich festgestellt, dass ich mich geirrt habe.
Allen voran ist das Femke Soetenga als Fee aus dem See, die schon mehrfach in Tecklenburg auf der Bühne stand, und auch dieses Jahr wieder beweist, was für eine gewaltige Stimme sie hat. Außerdem hat sie sichtlich Spaß in einer Rolle, die ihr das Overacten nicht nur erlaubt, sondern geradezu aufzwingt, und das kostet sie mit großer Hingabe aus. Sie ist die einzige weibliche Rolle des Stücks, was ihre Diva-Auftritte nochmals aufwertet.
Frank Winkels als König Artus muss der Rolle geschuldet bodenständiger und echter bleiben, bietet aber so einen sehr schönen Gegenpol und steht Frau Soetenga in Bühnenpräsenz an nichts nach. Er hat eine schöne, warme Stimme und fährt trotz aller Absurditäten des Stücks die Sympathien des Publikums mühelos ein. Hat mir sehr gut gefallen.
Dann sind da natürlich seine Ritter - Thomas Hohler (Sir Robin), Mathias Meffert (Sir Lancelot), Florian Soyka (Sir Galahad) und Gerben Grimmius (Sir Bedivere). Dem Stück geschuldet fällt Herr Grimmius am wenigsten auf, denn Sir Bedivere hat als einziger der Ritter keinen großen Moment im Rampenlicht. Das ist schade für ihn, denn von dem, was man gesehen und gehört hat, wäre auch das sicher lohnend geworden.
Herrn Hohler habe ich in Tecklenburg auch schon gesehen, und das oben erwähnte Lied im zweiten Akt von Sir Robin kommt als schmissige Shownummer immer gut an. Außerdem ist der feige Ritter, der sich ständig vor Angst in die Hosen macht, auch immer für ein paar Lacher gut und für das Publikum erkennbar und unterhaltsam. Herr Meffert spielt einen bis zur Dummheit tapferen Sir Lancelot und macht sich auch nachher in der Disconummer gut und wirkt cool, ohne unglaubwürdig zu sein. Und Herr Soyka (auch der Name kommt mir bekannt vor) als unglaublich gut aussehender Sir Galahad hat mit dem Duett "Das Lied, das jetzt erklingt" mit Frau Soetenga ohnehin einen der Showstopper des Abends zu singen und zu... nunja... overacten.
Alle vier singen großartig, spielen toll und mit Begeisterung, selbst mit kleinen Nuancen im Hintergrund noch, und sind sich für keinen Gag zu schade. Tolle Besetzungen, auch in ihren diversen anderen kleinen Rollen.
Interessant war die Entscheidung, für Prinz Herbert einen eigenen Darsteller zu engagieren. Nicolai Schwab ist klein und zierlich und extrem androgyn, was der Rolle sehr dient. Er spielt den Großteil seiner Szenen nur mit einem Handtuch bekleidet, was der Entscheidung geschuldet ist, dass er hauptsächlich badet und mit einem Schwamm hantiert - ich hatte den Bezug des Rollennamens zu Herbert in "Tanz der Vampire" noch nicht bewusst gezogen, aber irgendwie haben sie da natürlich schon recht. Ich muss allerdings zugeben, dass mich das Anstimmen von "Wenn Liebe in dir ist" doch eher gestört hat... das war ein bisschen zu sehr mit dem Holzhammer. Aber vielleicht war es auch nur Tecklendburgs Seitenhieb darauf, dass sie "Tanz der Vampire" noch nicht gespielt haben, aber mal spielen wollen.
Sicher ist auf jeden Fall, wenn sie's tun, wird das ein Renner.
Ein großartiger, sehr lustiger Theaterabend. Und nein, ich habe auch diesmal nicht auf dem Gral gesessen.
Es spielt die Freilichtbühne Tecklenburg
Monty Python-Humor mag man oder nicht. Mag man ihn nicht, hat es keinen Zweck, sich "Spamalot" anzusehen, das auf dem Monty Python-Film "Die Ritter der Kokosnuss" basiert. Mag man ihn, kann man sehr viel Spaß mit der Show haben. Sie ist chaotisch, albern und sich für nichts zu schade. Während sie ihre Charaktere vollkommen ernsthaft und selbstverständlich präsentiert, denn das ist die Voraussetzung dafür, dass es funktioniert.
Die Handlung ist schnell erzählt: König Artus sammelt fähige Männer als seine Ritter der Tafelrunde, sie suchen den Gral und am Ende gibt es natürlich ein Happy End, denn es ist ein Musical. Und in Musicals wird am Ende immer geheiratet. Und unterwegs wird "Always look on the bright Side of Life" gesungen, auch wenn das aus einem anderen Film stammt, denn es ist von Monty Python, und das ist ihr bekanntestes Lied, also wollen die Leute das hören.
"Spamalot" war, obwohl Monty Python eine britische Truppe ist, ursprünglich für den Broadway konzipiert, und damit für ein Publikum, das sich im Genre Musical sehr gut auskennt. Das ist in Deutschland eher schwierig, also hat schon die Kölner Version versucht, das abzumildern, die Gags durch andere zu ersetzen, oder sie zu erklären. Tecklenburg macht da keine Ausnahme, bis auf ein paar Seitenhiebe auf die kulturelle Unterlegenheit des Genres sind die Anspielungen größtenteils raus. Das geht mit Sir Robins "You can't succeed on Broadway"-Song natürlich nicht so einfach, denn der ist eine große Shownummer im zweiten Akt - und da hatten sie eine wirklich gute Idee für die Übersetzung. Anstatt sich mit dem Broadway zu beschäftigen, wird die Anforderung auf "Führe in Tecklenburg ein Musical auf, das vom Broadway kommt." geändert, und der Song beschäftigt sich mit "Denn kommt es nicht vom Broadway, interessiert es keine Sau." - das ist in mehrfacher Hinsicht prima, denn es ist nachvollziehbar, spielt mit der Tatsache, dass es dem kleinen Tecklenburg über die Jahre gelungen ist, die A-Liga der Musicals mit großem Erfolg aufzuführen, und bringt sogar noch ein bisschen Selbstironie mit rein, denn A-Liga bedeutet auch, bewährte Hits zu spielen, keine Experimente zu machen und schon gar nicht innovativ sein. "Kommt es nicht vom Broadway..." eben. Drunter geht Tecklenburg nicht. Wie gesagt, sehr gut gelöst.
Darum, dass das Stück nach Tecklenburg passt, braucht man sich keine Sorgen zu machen (Es kommt ja vom Broadway). Die Burgruine macht sich zu einem Ritterstück natürlich toll, sie haben nur ein paar mehr Mauern als Versatzstücke eingepasst und das war's. Ein Sichtschutz hier, eine Schiebewand da und ein überdimensionierter Gral. Passte super und funktionierte reibungslos.
Genauso reibungslos funktioniert die Inszenierung. Flott, ohne sinnloses Herumgerenne, das Timing stimmt und die Gags sitzen. Die Choreographie ist schmissig und unterhaltsam, und wie immer passt sich Tecklenburgs großartige Statisterie lückenlos ein. Das finde ich immer wieder beeindruckend, wie gut das klappt. Kein steifes Herumgestehe, kein hilfloses Positionen-Suchen - Hut ab. Das machen sie wie immer toll.
Auch wie immer beeindruckend alleine die Tatsache, dass sie 18 Mann im Orchestergraben haben - und so klingt es dann auch. Voller Klang, toll ausgesteuert, sehr klar, alles gut zu hören, da wird manches große Theater neidisch. Und keine Frage, sie spielen auch kraftvoll und mit Begeisterung. Toll.
Was dem Ganzen also noch fehlt, ist eine gute Cast, und auch die hatten sie. Ich hatte mich im Vorfeld kein bisschen informiert, wer spielt, und war eigentlich der Meinung, dass ich niemanden kenne, aber als ich's dann grade nachgelesen habe, habe ich festgestellt, dass ich mich geirrt habe.
Allen voran ist das Femke Soetenga als Fee aus dem See, die schon mehrfach in Tecklenburg auf der Bühne stand, und auch dieses Jahr wieder beweist, was für eine gewaltige Stimme sie hat. Außerdem hat sie sichtlich Spaß in einer Rolle, die ihr das Overacten nicht nur erlaubt, sondern geradezu aufzwingt, und das kostet sie mit großer Hingabe aus. Sie ist die einzige weibliche Rolle des Stücks, was ihre Diva-Auftritte nochmals aufwertet.
Frank Winkels als König Artus muss der Rolle geschuldet bodenständiger und echter bleiben, bietet aber so einen sehr schönen Gegenpol und steht Frau Soetenga in Bühnenpräsenz an nichts nach. Er hat eine schöne, warme Stimme und fährt trotz aller Absurditäten des Stücks die Sympathien des Publikums mühelos ein. Hat mir sehr gut gefallen.
Dann sind da natürlich seine Ritter - Thomas Hohler (Sir Robin), Mathias Meffert (Sir Lancelot), Florian Soyka (Sir Galahad) und Gerben Grimmius (Sir Bedivere). Dem Stück geschuldet fällt Herr Grimmius am wenigsten auf, denn Sir Bedivere hat als einziger der Ritter keinen großen Moment im Rampenlicht. Das ist schade für ihn, denn von dem, was man gesehen und gehört hat, wäre auch das sicher lohnend geworden.
Herrn Hohler habe ich in Tecklenburg auch schon gesehen, und das oben erwähnte Lied im zweiten Akt von Sir Robin kommt als schmissige Shownummer immer gut an. Außerdem ist der feige Ritter, der sich ständig vor Angst in die Hosen macht, auch immer für ein paar Lacher gut und für das Publikum erkennbar und unterhaltsam. Herr Meffert spielt einen bis zur Dummheit tapferen Sir Lancelot und macht sich auch nachher in der Disconummer gut und wirkt cool, ohne unglaubwürdig zu sein. Und Herr Soyka (auch der Name kommt mir bekannt vor) als unglaublich gut aussehender Sir Galahad hat mit dem Duett "Das Lied, das jetzt erklingt" mit Frau Soetenga ohnehin einen der Showstopper des Abends zu singen und zu... nunja... overacten.
Alle vier singen großartig, spielen toll und mit Begeisterung, selbst mit kleinen Nuancen im Hintergrund noch, und sind sich für keinen Gag zu schade. Tolle Besetzungen, auch in ihren diversen anderen kleinen Rollen.
Interessant war die Entscheidung, für Prinz Herbert einen eigenen Darsteller zu engagieren. Nicolai Schwab ist klein und zierlich und extrem androgyn, was der Rolle sehr dient. Er spielt den Großteil seiner Szenen nur mit einem Handtuch bekleidet, was der Entscheidung geschuldet ist, dass er hauptsächlich badet und mit einem Schwamm hantiert - ich hatte den Bezug des Rollennamens zu Herbert in "Tanz der Vampire" noch nicht bewusst gezogen, aber irgendwie haben sie da natürlich schon recht. Ich muss allerdings zugeben, dass mich das Anstimmen von "Wenn Liebe in dir ist" doch eher gestört hat... das war ein bisschen zu sehr mit dem Holzhammer. Aber vielleicht war es auch nur Tecklendburgs Seitenhieb darauf, dass sie "Tanz der Vampire" noch nicht gespielt haben, aber mal spielen wollen.
Sicher ist auf jeden Fall, wenn sie's tun, wird das ein Renner.
Ein großartiger, sehr lustiger Theaterabend. Und nein, ich habe auch diesmal nicht auf dem Gral gesessen.