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Film mit Artus-Thematik.


Alex ist zwölf und ein Loser. Nur sein Freund Bedders ist ein noch größerer Loser, also versucht er, den vor den Schul-Bullies Lance und Kaye zu beschützen. Die beiden wollen sich dafür rächen, Alex versteckt sich in einer Baustelle, wo ein Schwert in einem Stein steckt. Er zieht es und nimmt es mit nach Hause. Er zeigt es Bedders, mit Google translate übersetzen sie die Inschrift auf dem Parier - "Schwert von Artus, Sohn von Tintagel" - und weil Alex von seinem Vater vor Jahren mal ein Artus-Buch geschenkt bekommen hat, weiß er nicht nur, was Tintagel ist, sondern auch, dass das Schwert Excalibur heißt. Als Scherz erklärt er sich zum König und schlägt Bedders zum Ritter. Sir Bedi(s)vere.

Am nächsten Tag haben sie einen seltsamen neuen Mitschüler, der sich als Mertin vorstellt und auf die Nachricht, dass es in vier Tagen eine Sonnenfinsternis geben wird, hysterisch reagiert. Nachts wird Alex von einem schwertschwingenden Dämon angegriffen und von Mertin gerettet. Bei dem handelt es sich natürlich um Merlin, wir erfahren, dass Morgana die Sonnenfinsternis dazu nutzen wird, die Welt zu erobern und das alles, was zwischen ihr und ihrem Ziel steht, Alex ist. Denn Excalibur hat ihn als "once and future king" ausgewählt, und das Schwert wählt nie nach Herkunft, sondern nur nach dem Herzen.

Alex und Bedders rekrutieren also ihre Erzfeinde, Lance und Kaye, dann brechen alle gemeinsam nach Tintagel auf, um Alex' Vater zu suchen, weil Alex glaubt, dass der weiter weiß, denn immerhin hat er ihm ja das Artus-Buch geschenkt und das kann kein Zufall gewesen sein. Das stellt sich aber als falsche Fährte heraus, sie müssen weiter nach Glastonbury und bekämpfen Morgana in ihrer Höhle unter dem Tor. Ende gut, alles gut.

Leider nicht, denn ausgerechnet Alex bricht eine der vier Regeln des ritterlichen Codes, also hat Morgana überlebt und greift zur Sonnenfinsternis die Schule an, um sich Excalibur zu holen. Mit sämtlichen Mitschülern als Armee gelingt es Alex und seinen Freunden, Morgana lange genug festzusetzen, dass Merlin einen Vortex öffnen kann, um Morgana zu verbannen. Sicherheitshalber trennt Alex ihr auch noch den Kopf ab. Oh, und Morgana hat sich zu Beginn den Kampfes in einen Drachen verwandelt.

All das klingt unglaublich trashig oder auch nur haarsträubend, und irgendwie ist es das auch. Auf der Ebene ist es also eher ein seltsamer Film. Aber als Artus-Film ist er einfach wunderbar. Weil er der Essenz der Vorlage absolut treu bleibt. Die Tafelrunde ist rund, damit es keine Ehrenplätze gibt. Alle sind gleichwertig. Jeder steht für jeden ein. Man muss nicht immer beste Freunde sein, aber man muss bereit sein, die Eigenheiten und Schwächen der anderen zu akzeptieren. Zu unterstützen und auch mal zu vergeben. Gemeinsam für ein Ziel kämpfen. Sich einen hohen Maßstab zugrunde legen, an dem man sich messen muss. Immer nach dem Ideal streben, auch wenn man es vielleicht nie erreichen kann. Und natürlich Freundschaft. Artus machte seine Feinde zur seinen Verbündeten.

Der Film ist voll von Verweisen und Artus-Anspielungen, und meine Lieblingsszene in dem Bezug ist das, was schon im Trailer war - Alex steht vor der Badewanne in der Wohnung, in der er mit seiner Mutter lebt, und bittet die Lady of the Lake, ihm Excalibur zurück zu geben. Daraufhin schießt ein Arm aus dem Badewasser, der Excalibur hochhält. Großartig. Alle Wasser sind verbunden. Selbst die in der Badewanne. Das toppt selbst die Schlammpfütze in "King Arthur" von Guy Richie.

Außerdem mag ich, dass die drei Ritter tatsächlich Bedivere, Lancelot und Kaye heißen, weil das eben genau die Namen der drei Ritter sind, die Artus am nächsten stehen. Dazu muss es keine den Vorlagen entsprechende Charakterisierung geben und auch das Kaye weiblich ist, stört mich überhaupt nicht. Es heißt einfach, dass sich da jemand in die Materie eingelesen und sich bewusst für die Namen der Ritter entschieden hat, die den engsten Bezug haben. Sonst greifen Filme ja gerne mal auf Tristan oder Percival zurück, weil die Namen bekannter sind. Aber so macht es Sinn und hat eine Bedeutung.

Ich weiß nicht, ob sie an Originalschauplätzen gedreht haben oder ob das alles CGI war - aber Tintagel sieht aus wie Tintagel, St. Michael's Tower sieht aus wie St. Michael's Tower (das Unrealistischste war, dass da zum Sonnenuntergang niemand auf dem Tor war) und auch Stonehenge sieht angenehm unaufgeregt aus. Das Steinportal in Bodmin Moor existiert ziemlich sicher nicht, aber die Szene, in der Merlin an einem English Heritage Guide, der Touristen gerade Stongehenge erklärt, vorbeigeht und sagt "Alles falsch. Es ist ein Portal." ist sehr spaßig.

Überhaupt ist Merlin die Abräumer-Rolle des Films. Und das nicht mal wegen des Dauergags, dass er sich in eine Eule verwandelt und dann gegen Fensterscheiben fliegt, sondern wegen der sturen Selbstverständlichkeit, mit der er seine Mission verfolgt, über den ritterlichen Code philosophiert oder kryptisch daherredet - alles, während er aussieht wie 16 und ein Led Zeppelin-T-Shirt trägt. Angus Imrie macht da einen wirklich guten Job, unterstützt von Patrick Stewart als alter Merlin, falls es mal wirklich bodenständig werden muss. Das hat dann einfach mehr Gewicht, wenn so ein Weltklasse-Schauspieler das macht. Trotzdem ist es Mr. Imries Show, schon alleine durch die extravaganten Handbewegungen, die jeden Zauber begleiten. Toll erdacht, inklusive dem Zusatz, dass Bedders ein Handy-Video davon macht und es dann tatsächlich schafft, den Multiplikationszauber zu erlernen. Nur, weil Merlin ihm die Macht dazu gibt, aber trotzdem.

Aber am allermeisten mag ich den Film dafür, dass er uns mit Alex (Louis Ashbourne Serkis) einen richtig guten Artus gibt. Jemand mit einem guten Herzen, der tut, was richtig ist, der sich bemüht, ein guter Mensch zu sein. Der nicht fragt, was für ihn dabei rausspringt. Der Angst hat und unsicher ist, der das Schicksal aber trotzdem annimmt und weitermacht. Der andere begeistern kann, der sich selbst nie schont und nie verlangt, was er nicht selbst zu geben bereit ist. Der auch mal die Hilfe seiner Freunde braucht, um die nötige Stärke zu finden, der auch nie vergisst, dankbar für diese Freundschaften zu sein. Ein handelnder Artus, ein starker Artus und ein menschlicher Artus. Da sowohl eine Love Story als auch eine Mordred-Inkarnation fehlen, kann sich der Film auf den großen König konzentrieren - auch wenn er zwölf ist und zur Schule geht. Darum geht es nicht. Es geht um das Herz.

Großartig.

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