blauerfalke: (geschichten)
[personal profile] blauerfalke
von Ben Aaronovitch


Novelle aus dem "Rivers of London"-Universum, nur dass es jetzt in Deutschland spielt. In Trier, um genau zu sein. Da fließt die Mosel, die schon lange keinen genius loci mehr hatte, wo aber jetzt ein Kleinkind aufgetaucht ist, die von Kelly, der Göttin des Flusses Kyll, beaufsichtigt wird - "my mother is now my daughter". Nicht zu vergessen hat das deutsche Pendant zum Folly, das übrigens eine Abteilung des Bundeskriminalamtes ist, einen nicht besonders produktiven Kontakt zu den Rheintöchtern (rhine maidens), darum kommen die auch nicht vor.

Ich habe keine Ahnung, warum das Ganze ausgerechnet in Trier spielt. Ob Mr. Aaronovitch persönliche Beziehungen zur Stadt hat, oder ob er nur schon immer was über Wein schreiben wollte. Denn das ist da Hauptthema des Buches. Wein. Immer wieder kommt irgendwer darauf zurück, wie man Wein herstellt, wie man Reben behandeln muss, was man beachten muss... klar, das trägt zum Lokalkolorit bei, aber da es in Deutschland eine sehr große Tradition des Lokal-Krimis gibt (bestimmt auch für die Mosel rund um Trier), macht es das Buch eher überflüssiger als sinnvoller.
Klar, Trier ist schön. Aber dafür, dass Trier schön ist, kommt es an sich doch recht wenig vor, so als Stadt mit Historie und eigenem Charakter. Was Mr. Aaronevitch für London erreicht, schafft er bei Trier nicht. Was mich jetzt nicht besonders überrascht. Um das Gesicht und das Gefühl einer Stadt einzufangen, muss man sie schon sehr gut kennen.

Immerhin hatte der Autor die gute Idee, seinen Protagonisten, Tobias Winter, aus Baden-Württemberg, genauer, aus Mannheim, kommen zu lassen. Das erklärt, warum seine gesamte Sicht auf Trier die eines Touristen ist und sich auch so anfühlt, was wiederum noch einmal zur Distanz beiträgt. Es ist eben nicht "home turf", so wie für Peter Grant in London. Und weil Tobias fürs BKA arbeitet, muss man sich wenigstens auch nicht mit den Feinheiten dessen herumschlagen, dass die Polizei in Deutschland Ländersache ist und darum jedes Bundesland seinen eigenen Kram macht. Es wird darauf verwiesen, aber eher als Anekdote. Was dazu beiträgt, deutlich zu zeigen, dass das Buch eben nicht von einem Deutschen geschrieben ist. Ein paarmal tauchen auch andere Bemerkungen auf, die das ebenso deutlich zeigen. Das ist dem Ursprung geschuldet.

Insgesamt bleiben die Figuren blass und oberflächlich charakterisiert, während ihre Beziehungen den zu erwartenden Lauf nehmen - am Ende des Buches wird der lokale Kontakt von Tobias, Vanesse Sommer (ja, das Schicksal hat Humor), als neue Mitarbeiterin vorgeschlagen. Kennen wir halt schon von Leslie.
Darüber hinaus hat mich das gefühlt ständige Gefahre (ich glaube, es waren nur zwei Mal, aber trotzdem) nach Mainz gestört, und vor allem die ständigen Verweise auf Peter Grant. Dass ein apprentice in Deutschland sich Gedanken über Thomas Nightingale macht, kann ich nachvollziehen, aber dass er sich Gedanken darüber macht, wie er selbst sich gegenüber Peter ausnimmt und was der wohl denken/tun/wasauchimmer würde... sorry. Peter ist keine lebende Legende. Er ist ein Magier unterster Stufe. Wahrscheinlich soll das Buch so enger ins Universum eingebunden werden... für mich funktioniert das nicht.

Positiv möchte ich anmerken, dass die ständig vorkommenden deutschen Begriffe und Übersetzungen alle vollkommen korrekt sind. Korrekt geschrieben und auch grammatikalisch. Da ist das Buch nahezu jedem anderen, das ich kenne, haushoch überlegen. Hut ab, toll recherchiert.
Umso mehr überrascht mich die Entscheidung "Schwebelicht" mit "palm-light" zu übersetzen - alle anderen Übersetzungen waren wie gesagt korrekt und wörtlich. Was das jetzt sollte... immerhin ist Tobias Deutscher und spricht eigentlich deutsch, und darum sollte eine wörtliche Übersetzung auch hier zwingend erforderlich sein.

Das schwächste Buch der der Reihe. Mit großem Abstand. Aber im November kommt Teil 8 von "Rivers of London" und das hat dann hoffentlich wieder die gewohnte Klasse.

Oh, und die Dinger im Heiligenschein der Marienstatue sind keine Steine sondern Glühbirnen. Trier wirbt damit, dass man das Anschalten der Beleuchtung mieten kann. Als persönliches Zeichen.

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