blauerfalke: (geschichten)
[personal profile] blauerfalke
von Philip Reeve
dekoriert von David Wyatt


"Larklight" und "Starcross" sind Teil 1 und Teil 2 von einer (mindestens) Triologie, sind aber beide in sich abgeschlossen, können also auch einzeln gelesen werden. Auch für jemanden, der "Larklight" nicht gelesen hat, ist "Starcross" verständlich, alle Bezüge werden kurz erklärt, man sollte nur in der Lage sein, auftauchende Freunde einfach als solche hinzunehmen. Wer sich für den Hintergrund interessiert, kann dann ja noch immer "Larklight" lesen.

Wir schreiben das Jahr 1850/51. Großbritannien ist eine Weltraummacht und hat sein Empire bis in die Gegenden um Georgium Sidus (das ist Uranus, mit diesem Namen kann man keine ungebührlichen puns mit "your anus" mehr machen) ausgedehnt. Man könnte das Setting Space-Steampunk nennen, aber die Energiequelle ist alchemistisch, also ist es wahrscheinlich Space-Alchemypunk. Das viktorianische Flair ist deutlich, gut ausgedacht und wunderbar stimmig.
Unser Held heißt Art und ist, wie sich das gehört, zwölf. Er hat eine ältere Schwester namens Myrtle, die ihre Zeit damit verbringt, eine wohlerzogene junge Dame zu werden, was Art nervt. Vor allem, weil Myrtle weder besonders hübsch, noch besonders begabt ist, weshalb alle ihre Bemühungen ohnehin nichts bringen werden. Myrtle auf der anderen Seite findet ihren Bruder kindisch und egoistisch, und keiner von beiden lässt eine Chance aus, das dem Leser immer wieder mitzuteilen. Fans der Ägypten-Reihe von Rick Riordan werden also auf ihre Kosten kommen, es ist genau der gleiche Tonfall.

Im ersten Band bekommen es Art und Myrtle mit den First Ones zu tun, den Lebenwesen, die als erste unser Sonnensystem besiedelten, bevor es überhaupt unser Sonnensystem wurde, und die es zurückerobern wollen, im zweiten Band mit den Last Ones aus ferner Zukunft, denen es in einer sterbenden Welt nicht gefällt und die darum die Vergangenheit erobern wollen.
Beide Male wird der Kampf mit Hilfe des berüchtigten Weltraumpiraten Jack Havock und seiner Crew ausgetragen, der im zweiten Band aber schon kein Pirat mehr ist, sondern ein Secret Service Agent. Außerdem ist er auch erst in etwa fünfzehn und es dauert keine fünf Seiten, bis er und Myrtle sich ohne jede Erklärung, jeden Dialog oder sonstige nennenswerte Interaktion ineinander verlieben.

Ich hasse überflüssige Love Stories und diese dient nur dazu, um den Streitigkeiten zwischen Myrtle und Art einen Inhalt zu geben. Generell haben beide Bücher einen deutlich herablassenden Ton gegenüber Myrtle, die ihr Leben nach traditionellen femininen Werten ausrichtet - ich verstehe, dass heute emanzipierte Charaktere propagiert werden müssen, und die gibt es auch tatsächlich, aber ich hasse es, wenn man, um das eine besser aussehen zu lassen das andere runtermachen muss. Feminismus bedeutet, dass ich die Wahl habe, mein Leben zu gestalten. Und wenn ich es damit verbringen will, sehnsuchtsvolle Posen auf meinem Balkon einzunehmen, dann habe ich ein Recht dazu! Und sich darüber lustig zu machen ist genauso albern, wie sich über einen männlichen Charakter lustig zu machen, der gerne strickt!

Okay, es ist ein Jugendbuch. Okay, ich bin nicht die Zielgruppe. Nein, ich glaube nicht, dass die Zielgruppe nur diese Art von Runtermach-Humor versteht und die darum gerechtfertigt ist. Ich glaube allerdings auch nicht, dass die Zielgruppe die Seitenhiebe und Verweise versteht, die Herr Reeve immer mal wieder einflicht. Die sind auf Erwachsenen-Niveau, und auch wenn sie tatsächlich amüsant sind, dann hinterlässt es ein bisschen die Frage, was die Absicht dahinter war. Die vorlesenden Eltern zu unterhalten? Das Buch ist für ein Alter geschrieben, in dem die Zielgruppe selbst lesen können sollte. Oder ist es ein Versuch, ein "ageless" Buch zu schreiben? Da wären weniger platte Charaktere die bessere Idee gewesen... Leider glaube ich auch nicht, dass Herrn Reeves deutlich ironischer Hurrah-Patriotismus der Helden so verstanden wird, wie er sich das gewünscht hat... Ich bin sicher, es lag nicht in der Absicht, aber so hinterlässt es auf mehr als eine Weise einen schalen Beigeschmack von Arroganz, die der Leser dann auch noch gut finden soll.

Abgesehen davon ist die Welt gut erfunden, voller interessanter und spaßiger Details und Nebeninformationen, und auch der Stil ist unterhaltsam. Herrn Wyatts Dekorationen (ich kann nichts dafür, auf dem Buch steht "decorated thoughout") sind schwarz-weiß, treffend und erinnern mich im weitesten Sinne an die von Chris Riddell.

Aber warum müssen alle (Piraten)Kapitäne immer Jack heißen? Oder ist das auch wieder ein augenzwinkernder Pop-Kultur-Verweis?

Band 3 werde ich nicht mehr lesen. Die Beigeschmäcker sind mir zu nervig.

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