blauerfalke: (geschichten)
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"The Amulet of Samarkand", "The Golem's Eye" und "Ptolemy's Gate" von Jonathan Stroud

Das ist auch so eine Buchreihe, die man mir gefühlt seit 20 Jahren empfiehlt, zu der ich mich aber nie aufraffen konnte. Schon alleine, weil es eben eine Trilogie ist, und ich in den letzten Jahren von allem, was mehr als einen Band hat, eher abgeschreckt werde.
Jetzt lagen sie im Weg rum, kann man ja mal mit anfangen... 20 Jahre kommt auch nicht ganz hin. Band 1 ist von 2003.


Das Ganze spielt vor allem in Großbritannien, in einer alternativen Realität. Rechnerisch ergibt sich irgendwas um das Jahr 2000, auch wenn keine Jahreszahl genannt wird. Es scheint kein Königshaus zu geben, denn in drei Büchern wird kein einziges Mal ein Monarch erwähnt. Dafür ist der Premierminister allmächtig, unterstützt von einem Kabinett von sechs oder sieben Ministern. Alle diese Regierungsmitglieder, so wie überhaupt jeder, der Macht und Bedeutung hat, ist ein Magier. In diesem Fall bedeutet das, sie sind in der Lage, Dämonen verschiedener Art aus dem Other Place zu beschwören, die dann ihre Aufträge ausführen. Lernen kann das im Prinzip jeder, wie wir in Band 3 erfahren, man muss halt nur all die Symbole und Inkantationen beherrschen. Trotzdem gibt es begabtere und weniger begabtere Menschen.
Während die Magier ein bequemes Leben führen, machen die Commoners - die Nicht-Magier - all die Arbeit. Und natürlich die versklavten Dämonen.
Vom Gefühl her ist das Ganze ein bisschen viktorianisch. Auch wenn es Laptops gibt und Amerika gerade um seine Unabhängigkeit kämpft. Das Empire ist noch intakt - oder besser, Großbritannien herrscht über weite Teile der Welt, nachdem es vor 150 Jahren Prag, die bis dahin stärkste Kraft, in Schutt und Asche gelegt hat.

Der titelgebende Bartimaeus ist ein Dämon, korrekter, ein Djinn, was die dritthöchste Stufe ist. Er ist knapp 5000 Jahre alt, hat Herrschern jeder Art und Nationalität gedient, Paläste gebaut, Armeen vernichtet und ganze Landstriche verändert. Sprich, er ist keine kleine Nummer. Darum ist er auch nicht besonders begeistert, als ein magerer 12jähriger ihn beschwört und ihm befiehlt, ein mächtiges Artefakt zu stehlen. Natürlich wird dabei eine groß angelegte Verschwörung enttarnt und am Ende verhindert, und ich halte Herrn Stroud zugute, dass man Band 1 tatsächlich als stand alone lesen kann. Am Ende ist alles soweit gelöst, dass man zufrieden sein kann und die anderen beiden nicht mehr lesen muss, wenn man nicht will. Falls doch, lernt man, dass da eine noch größere Verschwörung am Werk ist. Nicht überraschend, aber gut gemacht.

Das trifft es eigentlich sehr gut. Die Reihe ist extrem gut gemacht. Bartimaeus ist genau die richtige Mischung aus fremdartig und menschlich, unverschämt, respektlos und nicht zu mächtig, aber voller Anekdoten und Erfahrung, um interessant zu sein. Sympathisch wäre zu viel gesagt, aber man lernt doch recht schnell, ihn zu mögen.

Besagter 12jähriger, Nathaniel, ist in Band 2 14 und in Band 3 17, und da schon seit zwei Jahren Minister. Was eigentlich schon das Wichtigste aussagt: Wer mit 15 Minister wird, ist ein Karrieremensch und extrem talentiert. Typischer Magier. Alles dreht sich um persönliche Macht, sich selbst produzieren, sich wichtig nehmen, Rache nehmen, beleidigte Ehre und verletzten Stolz. Er ist nicht sympathisch, und Herr Stroud wendet sehr viel Zeit auf, das auch immer wieder zu zeigen und deutlich zu machen.

Der dritte Perspektivträger heißt Kitty und tritt ab Band 2 auf, sie ist ein Commoner, die versucht, im Untergrund gegen die Herrschaft der Magier zu kämpfen. Sie ist resolut, schlagfertig, furchtlos, kann improvisieren und hat Ideale, sprich, sie ist der ideale Protagonist.

Nathaniel, um zu zeigen, wie die Welt funktioniert und wie die Magier sie sehen, Kitty für die Identifikation und für die Läuterung von Nathaniel und Bartimaeus, damit die Leserschaft was hat, was sie bei der Stange hält. Oder für's Weltenflair, denn das steht und fällt natürlich mit den Dämonen. Dazu ständige Wortgefechte zwischen allen dreien, hier und da ein bisschen Magietheorie und eingestreute Anekdoten und Rückblenden aus Baritmaeus' Leben. Und am Ende die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Denn das hat es auch noch, ein Plädoyer für mehr Zusammenarbeit und gegen Unterdrückung und Sklaverei, egal auf welcher Ebene.

Wie gesagt, sehr gut gemacht. Lässt sich sehr gut lesen.

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