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von Michael Dylan Foster

Ich besitze schon ein Buch von Herrn Foster, "Pandemonium and Parade", das sich mit dem gleichen Thema beschäftigt. Um ehrlich zu sein, wäre mir bewusst gewesen, dass es der gleiche Autor ist, hätte ich "The Book of Yokai" nicht gelesen, denn an "Pandemonium and Parade" bin ich gescheitert, weil ich das Gefühl hatte, nichts zu verstehen. Zum Glück bin ich aber sehr schlecht darin, mich an die Namen von Autoren zu erinnern, und daran, welche Bücher sie geschrieben haben.

Yokai sind - sehr grob gesagt - das japanische Pendant zu dem, was wir hier in Europa "Feenwesen" nennen. Irgendwo zwischen Monster, alter Gottheit, Dämon, gutem Geist, Schreckgespenst, Urgewalt... was auch immer. Yokai kommen in sehr vielen verschiedenen Formen und sehr vielen verschiedenen Graden von Gefährlichkeit, Bösartigkeit und Intelligenz. Sie sind ein fester Bestanteil der Japanischen Kultur, sowohl der traditionellen als auch der modernen, da auch gerne als Werbefigur oder in Massenmedien. In Anime zum Beispiel - wer schon mal einen Film von Ghibli gesehen hat, hat auch schon mal einen yokai gesehen - wobei die wichtigsten Anime über yokai außerhalb von Japan eher nur einem begrenzten Publikum bekannt sind.

Herr Foster beginnt sein Buch mit einer kulturellen Geschichte der yokai, so weit sie sich zurückverfolgen lässt - und das ist bis ins 8.Jahrhundert. Seitdem haben Menschen von yokai erzählt und yokai gezeichnet (wahrscheinlich auch schon vorher, aber da gibt es keine schriftlichen Quellen). Es gibt ganze Kataloge mit nichts anderem als yokai darin, in frühen Werken dargestellt auf Schriftrollen, eben den "parades" des anderen Buches. Das japanische Wort ist hyakkiyagyo ("nächtliche Prozession von einhundert oni"). Herr Foster nimmt sich sehr viel Zeit, grundlegende Fragen zu klären - Was ist ein yokai? Warum ist ein yokai? - und die wichtigen Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, über yokai zu schreiben, und deren Werk vorzustellen. Das ist sehr spannend und sehr gut gemacht und liefert sehr interessante Einblicke in Japans Geschichte und Kultur.

Dahinter folgt eine kurze Enzyklopädie einiger yokai - die Prominenz wie kitsune, tanuki, kappa und tengu ebenso wie weniger bekannte und sogar sehr obskure yokai, von denen kaum mehr bekannt ist als ihr Name und die Gegend, in der sie gesehen worden sind. Das ist kurz, verständlich und unterhaltsam, und nimmt immer wieder Bezug auf den größeren Kontext, was ich sehr angenehm finde, aber trotzdem würde ich sagen, dass der erste Teil des Buches der bessere ist. Kreaturen-Kataloge gibt es viele, aber ein Buch, dass sich so viel Mühe mit dem "setting" macht und die Bewegungen und Entwicklungen über die Jahrhunderte so aufzeigt, ist selten. Als Einführung in das Thema kann man es nur schwerlich besser machen.

Ich werde es mit "Pandemonium und Parade" jetzt definitiv noch mal versuchen.

PS: "Mono" bedeutet Ding, Sache, "ke" bezeichnet etwas mysteriöses, unheimliches, etwas, was einen unruhig macht. "No" ist ein bezugsetzendes Wort. Daher "mono-no-ke".

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