Das Urteil

Apr. 19th, 2021 02:51 pm
blauerfalke: (geschichten)
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von Franz Kafka

Das Buch enthält eine Mischung von Novellen und Kurzgeschichten. Allen voran natürlich das titelgebende "Das Urteil", aber der Grund, aus dem ich es in die Hand genommen habe, war "Die Verwandlung". Mein Vater und ich habe darüber gesprochen, dass das Kafkas berühmtester Text ist und dass ich mich nicht mehr erinnern kann, ob wir den in der Schule nur besprochen oder auch gelesen haben. Kann man mal eben lesen. Es ist eine Novelle, keine Kurzgeschichte, aber auch das dauert ja nicht ewig. Das ganze Buch hat nur ca 140 Seiten, da kann man auch den Rest mal lesen.

Ich versuche, Spoiler zu vermeiden.

Ich kann noch immer nicht sagen, ob ich "Die Verwandlung" nun in der Schule gelesen habe oder nicht. Spielt auch keine Rolle. Es ist ein erstaunlich zugänglicher Text, auch wenn die Prämisse natürlich etwas schräg ist, sind die Reaktionen der Beteiligten menschlich nachvollziehbar und logisch. Es ist eine düstere Atmosphäre und ein eher kaltes Beziehungsgeflecht, aber gut, Protagonisten müssen nicht sympatisch sein. Auch ist "Die Verwandlung" nach heutigen Maßstäben ziemlich langatmig. Weniger Details wäre auch okay gewesen.

"Das Urteil" habe ich zwar in den Details begriffen, aber in seinem Verlauf nicht verstanden. Wer jetzt wen warum wie gut kennt, betrogen hat oder auch nicht und warum das Urteil gesprochen wird... keine Ahnung. Darum lässt der Text mich vollkommen kalt und kann auch kein weiteres Interesse in mir wecken. Das ist was für den Deutschunterricht. Lesen, diskutieren, Theorien vergleichen. Irgendein kluger Mensch hat sicher mal was darüber gesgat, was er glaubt, was Kafka damit sagen wollte. Oder mehrere, denn Kafka ist ja Hochkultur. Solche Diskussionen können auch Spaß machen, aber zum so lesen ist es eher mühselig.

Auch den Text über den Arzt habe ich nicht begriffen. Fing spannenden an, wurde dann sehr surreal, und wie er ausgegangen ist, ist mir auch nicht klar.

"Ein Bericht für eine Akademie" kannte ich, das habe ich definitiv schon mal gelesen, und auch "Vor dem Gesetz" ist ein sehr bekannter Text (von dem ich aus irgendwelchen Gründen glaube, dass der mit "Der Prozess" zusammenhängt, auch wenn ich den mit Sicherheit nie gelesen habe). Beide haben mir auf ihre Art gut gefallen. Auch "Die Strafkolonie" ist zugänglich, wenn auch sehr brutal und stellenweise echt widerlich. Halt nicht meine Art von Kurzgeschichte, aber empfehlbar.
"Elf Söhne" fand ich zu beliebig... Und was sonst noch in dem Buch war, habe ich schon wieder vergessen. Oder es fällt mir gerade im Moment nicht ein. Mindestens zwei waren es noch, eher mehr.

Im Ganzen gesehen war es sehr viel besser als erwartet. Auch sehr viel interessanter als erwartet. Oft sehr düster und depressiv, oder eklig, aber das gehört sicher auch zum Stil und Trend der Zeit. Damals war es sicher auch sehr viel verstörender als heute, wo man gerade als Fantasy-Leser und da gerade im Kurzgeschichten-Bereich sehr daran gewöhnt ist, vieles einfach hinzunehmen. Darum kommt es für heutige Leser mehr auf die menschlichen Aspekte der Texte an, denn die sind zeitlos. Und gerade das macht "Die Verwandlung" eher langweilig (wenn auch mit stimmigen Charakterisierungen), und andere Texte sehr viel spannender.

Deutlich positive Überraschung.

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