blauerfalke: (geschichten)
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von Heinrich von Kleist

Das Buch enthält "Die Marquise von O", "Das Erdbeben von Chili", "Die Verlobung in St. Domingo", "Michael Kohlhaas" und "Das Bettelweib von Locarno".

Der einzige spanndende, locker zu lesende Text ist "Das Bettelweib von Locarno", bei dem es sich wahrscheinlich um die Nacherzählung einer Lokalsage handelt. Der Text ist etwas über drei Seiten lang, birgt keine Überraschungen und ist gradlinig das, was man erwartet. Geistergeschichte als Bestrafung für jemanden, der eine Bettlerin grundlos schlecht behandelt.

Die anderen vier sind langatmig und anstrengend. Herrn von Kleists Stil ist ausschweifend und schwer zu lesen, mit sehr langen Sätzen voller eingeschobener Nebensätze, die sich oft ewig hinziehen. Und er ist voller indirekter Rede. Texte voller indirekter Rede verleiten mich dazu, immer schneller zu lesen, bis ich nichts mehr mitbekomme. Für mich ist das hektisch und unpersönlich und weckt das Gefühl, dass sich nicht einmal der Autor wirklich für seine Personen interessiert - weshalb ich mich dann frage, warum ich mich dafür interessieren sollte. Gerade bei "Michael Kohlhaas" kommt das stark zum Tragen, weil das genau die Art von Charakter ist, für die ich mich normalerweise immer interessiere. Tue ich aber nicht. Die Geschichte hat 116 Seiten und schon nach 50 habe ich gehofft, dass wir bald fertig sind.

Bei den ersten zwei kommt noch dazu, dass sie sich mit weiblicher Tugend und deren unglaublich wichtigem Wert in der Gesellschaft beschäftigen. Die dritte nicht, aber auch da wird sich spontan in ewiger Liebe verlobt (was bei dem Titel schon abzusehen war, aber gut...). Es wird geweint, Unschuld beteuert, sich vor Müttern, Vätern oder anderen hochrangingen Personen flehend auf die Knie geworfen... Wenigstens bleibt die titelgebende Marquise sich selbst treu (auch wenn sie dann doch noch lernt, den Mann, der sie verraten hat, zu lieben, aber gut...). Man muss das im Kontext der Zeit lesen. Gerade die dritte, wegen ihrer rassistischen Problematik.

Um ehrlich zu sein, ich tue mir schwer damit, zu sagen, was Herr von Kleist mit seinen Geschichten eigentlich will. Gesellschaftskonventionen anprangern? Tugend anpreisen? Rechtssysteme verteidigen? Vielleicht sogar eine göttliche Ordnung beschwören? Ich könnte ich mir mal den Wikipedia-Artikel über ihn durchlesen, vielleicht hilft das.

Ich glaub, "Der zerbrochene Krug" ist ein Schauspiel, oder? Das könnte ich dann vielleicht nochmal versuchen, aber sicher keine Erzählung mehr.

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