blauerfalke: (geschichten)
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MCU


Okay. Nachdem sie uns jahrelang haben warten lassen, mussten wir dann noch mal länger warten wegen der Pandemie, aber jetzt doch noch. Und auch wenn nichts daran der Film ist, den ich gerne gehabt hätte, bleibt doch irgendwo das Gefühl, dass es gut ist, ihn zu haben. Weil halt. Weil Natasha damit einen eigenen Film hat. Nachdem sie sie in "Endgame" getötet haben, sowas wie ein nachträglicher Abgesang. Eine Art Denkmal. Und auf gewisse Weise ist es genau das Denkmal, was zu erwarten war. Was nicht unbedingt ein Kompliment darstellt. Weil sie mehr ist als nur eine Widow. Sogar mehr als eine Widow unter vielen - auch wenn Marvel mit ihr nicht immer gut umgegangen ist, sie war ihr erster eigenständiger weiblicher Charakter, der mehr war als nur Stichwortgeber, Eyecandy oder love interest. Ihre erste Superheldin im eigenen Recht, und also solche hat sie sich Respekt verdient.

Das Ganze ist ein Interquel - ist das das korrekte Wort? Ein Film, der zwischen zwei Filmen spielt, die beide vorher veröffentlich wurden. Er spielt nach "Civil War" und vor "Infinity War". Falls sich jemand nicht erinnert, Natasha war Team Tony, hat aber während der Konfrontation Steve und Bucky laufen lassen, wurde darum von Tony zur Rede gestellt und verschwand danach spurlos aus dem Universum, bis sie in "Infinity War" an Steves Seite aus einem Jet stieg. Dieser Film erklärt, was dazwischen passiert ist.

Wobei sich Marvel größte Mühe gegeben hat, uns alle erstmal total zu verwirren, indem sie den Film im Jahr 1995 in Ohio beginnen lassen. Wieso Ohio? Wir dachten doch alle, sie ist Russin...
Es klärt sich umgehend, unsere Protagonisten-Familie entpuppt sich als russische Schläfer, die S.H.I.E.L.D. eine Diskette klauen und dann flüchten. Die Mutter wird lebensgefährlich angeschossen, die beiden Töchter mittels Spritzen ausgeknockt und der Vater streicht den Ruhm ein. Schnitt.

Eine Gruppe Kämpferinnen jagt in Marocco eine junge Frau. Eine davon stellt sie, ersticht die junge Frau, die ihr mit letzter Kraft etwas Rotes ins Gesicht schleudert. Wir wir lernen, handelt sich es sich um ein Antidot gegen Gedankenkontrolle, besagte Kämpferin schneidet sich als erste Handlung eine Bombe aus dem Oberschenkel, dann flieht sie mit den anderen Ampullen des roten Zeugs (das übrigens luminesziert, so dass man es auch in dunklen Laboren immer gut wiederfinden kann).

Besagte jetzt nicht mehr kontrollierte Kämpferin heißt übrigens Yelena und ist das jüngere Mädchen aus der Familie zu Anfang. Das ältere ist Natasha. Sie sind nicht verwandt, auch die "Eltern" sind nichts weiter als Spione, sie haben die Familie nur gespielt. Der Großteil dieser Familie behauptet auch, dass es nur gespielt war, nur Yelena sagt die ganze Zeit über "It was real to me." - für den Rest auch, keine Sorge. Sonst könnten wir uns den ganzen Film sparen. Es geht ja um Familie.

Yelena schickt also die leuchtenden Ampullen an Natasha, die international gesucht wird und darum auf der Flucht ist, und direkt um den Besitz dieser Ampullen angegriffen wird, bevor sie überhaupt weiß, dass sie sie hat. Was sie da hat erfährt sie erst, nachdem sie ihre Schwester in Budapest aufgesucht hat, wo die beiden dann prompt von weiteren Kämpferinnen angegriffen werden und flüchten müssen.

Budapest. Wir erfahren also doch etwas darüber, was damals in Budapest passiert ist. Zumindest, was Natasha damals da wollte: Den Chef des Red Room töten. Dazu haben sie und Clint einen ganzen Häuserblock zerlegt und den Mann und seine Tochter darunter begraben, jetzt muss Natasha feststellen, dass es nichts genutzt hat. Sprich, der Red Room existiert noch immer, und all diese vollkommen kontrollierten Kämpferinnen sind auch alle Black Widows. Eben die Elite, die das Training überlebt hat. Je eine aus zwanzig (oder so). Aber, wie der Bösewicht später im Film so schön sagt: "The only ressource the world has in abundance: girls." Es gibt immer mehr Mädchen, als jemand haben will. Billige Ware, billig zu bekommen.

Ab da ist das Ziel des Films klar: Den Typ töten, den Red Room vernichten, die Widows befreien. Dazu holen wir erstmal Daddy aus einem Gefängnis in Sibirien (oder so, jedenfalls viel Schnee) und besuchen dann Mommy auf ihrer Farm bei St. Petersburg, wo sie Experimente an Schweinen macht, um die Effizienz der Gedankenkontrolle zu verbessern. Es wird reminesziert, gestritten und verraten, man rauft sich zusammen und irgendwie sind sie doch eine Familie. Und es wäre kein Marvel, wenn das Ziel nicht nach entsprechenden Zweikämpfen, Explosionen und Special Effects sowas wie erreicht wäre. Also, die Basis ist gesprengt, und der Hubschrauber, wo der Bösewicht drin war, auch, aber wir haben wieder keine Leiche. Wer weiß also, ob der tot ist.

Im Grunde ist er gut gemacht. Wir erfahren etwas über Natashas Vergangenheit, wenn auch nicht unbedingt das, was wir wissen wollten. Denn wir erfahren nichts über das eigentliche Training im Red Room - es werden nur Dinge gesagt, die wir schon wussten - und schon gar nicht erfahren wir, was hinter auch nur einer der Anspielungen auf Budapest steckt, die im Laufe der Avengers-Filme gefallen sind. Dafür aber, dass Natashas leibliche Mutter sie zwar an den Red Room verkauft hat, sie aber trotzdem so lange gesucht hat, bis die Verantwortlichen sie umgebracht haben, weil sie ein zu großes Risiko darstellte. Und wir erfahren das, weil das natürlich eine große Gemeinsamkeit zwischen Natasha und ihrer leiblichen Mutter ist: Sie gibt nie auf. Sie macht einen Plan und sie zieht ihn durch. Ohne Rücksicht auf Verluste. Versagen ist keine Option.
Das ist es, auf das der Film sich über weite Strecken konzentriert: Natashas Härte, ihre Brillianz. Sie kann seit gut 20 Filmen neben einer Gruppe Leute bestehen, die alle (außer einem) irgendwelche Superkräfte haben, und sie kann trotzdem mithalten. Auch das betonen sie mal wieder. Eben die Kampfmaschine. Die brilliante Spionin, immer Herrin der Lage. Dazu die Familienbande und die Rache, um zu beweisen, dass sie ein Herz hat. Genug Herz, dass sie sich bei der Tochter des Bösewichts für das, was sie ihr damals als Kollateralschaden angetan hat, entschuldigt.
Wie gesagt, es hätte schlimmer kommen können.

Auch seine zweite Funktion erfüllt der Film ausgezeichnet, wenn nicht sogar noch besser: Er führt Yelena ein. Yelena ist mindestens genauso brilliant und tötlich wie Natasha, sie hat eine große Klappe und große Gefühle. Black Widow 2.0 sozusagen, und sie mussten sie einführen, weil sie die Protagonistin der Marvel-Serie "Hawkeye" werden wird. Sagen die Leute, die die Comics lesen... die wissen das aufgrund der Endcredit-Scene. Ob sie Recht haben... ich werd es irgendwann lesen. Sehen eher nicht. Ich bin kein Serien-Gucker und ich will keinen Natasha-Ersatz. Schon gar nicht im Duell/Duett mit Clint. Das hat den Beigeschmack davon, das Natasha austauschbar ist, und was wäre diese Freundschaft dann noch wert? Auch wenn Clint Yelena in dem Moment, in dem er erfährt, dass sie Natashas kleine Schwester ist, sofort adoptieren wird. Kein Zweifel möglich.
Ich hätte da trotzdem lieber was Anderes gehabt.

Also, gut geplant, Zweck erfüllt. Zu viele Kämpfe, vor allem mit Messern, denn die empfinde ich immer als besonders brutal. Gesellschaftskritik, die Familie ist gut konstruiert und mit Yelena gibt es den Übergang in die nächste Phase. Ich hätte gerne einen ganz anderen Film gehabt, aber dass es den nicht geben würde, war schon lange klar. Und er ist in jedem Falle sehr viel besser als erwartet.

Sicher nichts, was ich häufiger gucken werde, aber die DVD werde ich noch zur Sammlung dazustellen. Falls sie eine machen, das weiß man ja heutzutage ja auch nie so genau.

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