blauerfalke: (geschichten)
[personal profile] blauerfalke
von Michael J. Sullivan

Es handelt sich um eine Reihe von sechs Büchern, die es wiederum in drei Bänden zu je zwei Büchern zu kaufen gibt.

Theft of Swords ("The Crown Conspiracy" and "Avempartha")
Rise of Empire ("Nyphron Rising" and "The Emerald Storm")
Heir of Novron ("Wintertide" and "Percepliquis")


Es ist klassische Fantasy, aber zeitgenössisch geschrieben. Da merkt man schon stark dem Unterschied zu Dingen wie "Freistatt", was ich letztes Jahr gelesen habe. Es ist weniger drastisch brutal, Frauen müssen nicht strahlend schön, sexy und Meisterinnen ihres jeweiligen Fachs sein. Es wird nicht onscreen vergewaltigt - überhaupt wird onscreen gar kein Sex gehabt, das wäre damals auch gar nicht gegangen. Schon gar nicht über sechs Bücher hinweg.

Das Setting ist nicht innovativ, aber das wollte der Autor auch nicht. Seine Begründung ist, dass er, wenn er Wörter wie "Kirche", "Elfen", "Zwerge" etc. genau so besetzt, wie die Mehrheit der Leser das gewohnt ist, er sich eine Menge Erklärungen sparen kann, und dann mehr Zeit für seine Geschichte und seine Figuren hat. Ein guter Plan, der auch aufgeht. Man findet sich schnell zurecht, kann sich ein Bild von der Welt machen und darum viele Dinge einfach extrapolieren, so dass mehr Zeit für den wichtigen Rest bleibt. Selbst dann noch, wenn man, wie ich, die natürlich beigefügten Karten der Welt ignoriert. Ich bin geographisch nicht verloren gegangen - mit der vergangenen Zeit hatte ich in den Büchern ein paar Mal Schwierigkeiten, aber auch die waren nur minimal.

Im Grunde sind es zwei Handlungszyklen. Wie das oft ist, der Autor schreibt erst ein Buch, das eigentlich auch für sich alleine stehen könnte, und dann fügt er mehrere Bände an, die an den ersten anschließen und eine größere Geschichte darstellen, von der Band eins nur ein kleiner Teil ist. So auch diesmal, und auch das klappt gut. Wer sich also nicht wirklich für Band eins begeistern kann, kann den Rest getrost weglassen und hat trotzdem eine stimmige Geschichte. Nach Band 2 geht das nicht mehr.

Wichtigster Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind Hadrian und Royce, die mich spontan an die Protagonisten von "Schwerter von Lankhmar" erinnert haben. Darum habe ich auch sehr gelacht, als der Autor im Nachwort erwähnt, dass immer alle glauben, er sei ein großer Fan davon - aber er hat das nie gelesen. Um ehrlich zu sein, das muss man auch heute nicht mehr lesen. Aber egal.

Royce ist genau der Typ Charakter, auf den immer alle abfahren, der mich aber vollkommen kalt lässt. Hadrian ist der Typ Charakter, auf den ich immer abfahre. Naturgemäß ist darum Royce der, der zuerst mehr Zeit und Beleuchtung, gerne in From von Andeutungen über seine Vergangenheit, bekommt, während Hadrian sich auf den Idealisten, treuen Freund und toll kämpfenden Sidekick beschränkt. Erst in Band vier wurde es besser, und in Band fünf waren wir dann da, wo ich hin wollte. Gegen Ende der Serie war dann auch über ihn genug da, um zu verstehen, wie und warum diese Freundschaft funktioniert. Warum die beiden befreundet sind. Anfangs habe ich mich doch gefragt, warum Royce Hadrian eigentlich seit über einer Dekade mit sich herumschleppt. Als Bodyguard? (Ja, ich habe mich das tatsächlich gefragt, und das wurde dann gegen Ende noch mal sehr lustig.) Denn auch wenn es viele schöne Dialoge gibt, so war es für mich gefühlt doch nie eine Freundschaft auf Augenhöhe. Im Grunde genommen muss das nicht sein, auch ich schreibe Dinge, wo Freundschaften nicht auf Augenhöhe sind und mich trotzdem intressieren, aber natürlich finde ich es immer nett, wenn es so ist. Aber es braucht hat eine Qualität, die wichtig genug für den Überlegenen ist, den Sidekick bei sich zu behalten, und das kam erst durch, als Hadrians Charakter mehr Tiefe bekam - wobei ich sagen muss, dass ich das vielleicht in Band zwei auch einfach noch nicht ernst genug genommen habe.

Also, wir haben zwei auf ihren Gebieten ulta-kompetente Protagonisten mit einer etwas wackeligen Freundschafts-Dynamik (ich hätte mir wirklich mehr Szene wie die zu Beginn des ersten Bandes gewünscht), und die müssen erst ein Königreich und dann die gesamte Menschheit retten, zusammen mit ein paar anderen nach und nach eingeführten und auch durch die Bank wirklich gut ausgearbeiteten anderen Charakteren. Nicht alle überleben die Sache, aber am Ende ist die Menschheit natürlich nicht ausgelöscht. Wie gesagt, klassische Fantasy. Da geht die Sache gut aus. Mehr oder weniger, aber es gibt zumindest Hoffnung.

Auch der Weg dahin ist gut geschrieben, gut ausgedacht und glaubwürdig - nur bei "Emerald Storm" habe ich mich doch streckenweise gefragt, ob es wirklich keine weniger elaborierte Möglichkeit gab, das Ziel zu erreichen als diese monatelange Schiffsfahrt und die Arena. Das wirkte auf mich etwas konstruiert. Vielleicht wollte Mr. Sullivan einfach ein Buch schreiben, das auf einem Schiff spielt?

Es ist selbst dann noch gut und spannend zu lesen, wenn man, wie ich, von nichts, was passiert oder enthüllt wird, wirklich überrascht wird. Okay, ich gebe zu, ich hatte vergessen, mir eine wichtige Frage zu stellen, darum hatte ich da auch keine Antwort für parat, aber mit ein bisschen nachdenken... Es bleiben auch diverse Fragen offen, einige werden nur oberflächlich beantwortet und werfen mit etwas Nachdenken neue auf. Bei ein paar Dingen habe ich gedacht "Musste das sein?", aber es das sind nur Kleinigkeiten. Und ich mochte die hartnäckige Erwähnung des Theaterstücks "The Crown Conspiracy", das auf den Ereignissen des ersten Bandes basiert und offenbar ein großer Renner ist, denn es wird in jedem weiteren Band irgendwo aufgeführt.

Oh, und ich mochte Alric. Ich hatte mir Hoffnungen gemacht, dass ers überlebt, weil er eigentlich zu unsympatisch und auch niemand Wichtiges bester Freund war, aber leider war er nunmal König und sein Überleben hätte es erschwert, sein Land dem Empire zuzueignen. Darum war es plottechisch ein politischer Mord, auch wenn es inworld keiner war.

Lohnende Reihe. Sehr gut gemacht. Würde sich sicher auch lohnen, die mit dem Wissen der hinteren Bände noch mal zu lesen.

Und es gibt ja noch genug anderes Material, um da mal zu forschen, ob doch noch die ein oder andere Frage beantwortet wird.

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