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Channel 5 (2021)


Es beginnt altmodisch genug. Hier ist Stonehenge, es ist großartig, seht euch diese riesigen Sarsensteine an, zur Sommersonnwende kommen Massen von Menschen... das Übliche. Dann finden sie heraus, wo die Sarsensteine herkommen. Auch nichts Neues. Und dann berichten sie, dass sie etwa 3 km weiter östlich einen Bogen aus 10 Löchern gefunden haben.

Diese Löcher sind längst mit Erde gefüllt, aber mit moderner Technologie kann man sie nicht nur finden, sondern auch eine 3D-Darstellerung davon machen, ohne einen Spatenstich machen zu müssen. Während das gemacht wird, berichten sie von einem weiteren Bogen weiter nördlich, dessen Löcher der Archäologe, der vor vier Jahren die Gegend direkt daneben für ein geplantes Wohngebiet untersucht hat, für sinkholes hält. Auf der animierten Karte, die wir von jetzt ab alle 5 Minuten zu sehen zu bekommen, kann man erkennen, dass der obere Bogen mit dem unteren zusammen einen Halbkreis bildet.

Die Löcher im unteren Bogen sind auf der 3D-Darstellung auch für den Laien sofort auf den ersten Blick erkennbar viel zu regelmäßig, um natürlich zu sein. Jedes hat oben einen Durchmesser von ca 15 m, unten 10, und alle sind in etwa 5 m tief. Dass die im oberen Bogen genauso aussehen, sagen sie nie, aber spätestens, wenn sie auch aus denen Bohrkerne entnehmen, wird klar, dass sie wohl doch keine sinkholes sind.
Eine Experimentalarchäologin erklärt, wie man mit steinzeitlichen Werkzeugen solche Löcher graben könnte und unser Moderator ist natürlich begeistert davon, das mal ausprobieren zu dürfen.

Dann kommt der Hammer: Die animierte Karte wird mal wieder gezeigt und diesmal zeichnen sie Durrington Walls ein. Wenn man die beiden Bögen, die ja einen Halbkreis bilden, weiterzeichnen würde, liegt Durrington Walls exakt im Mittelpunkt dieses Kreises.

Wo Durrington Wall besprochen werden soll, braucht man Mike Parker Pearson, also holen sie den jetzt dazu, und er fasst noch einmal seine Erkenntnisse von der Ausgrabung damals kurz zusammen (die aufzulisten würde jetzt zu weit führen). Mitterweile scheinen sie sich einig, dass die Rillen im Boden vor Stonehenge natürlichen Ursprungs sind (da gingen ja damals die Meinungen der beteiligten Experten auseinander) und eine Archäologin von English Heritage erklärt uns, dass diese Line nicht nur auf den Sommersonnwende-Sonnenaufgang weist, sondern auch auf den Wintersonnwende-Sonnenuntergang. Und dass der sogenannte Prozessionsweg vom Avon genau auf diesen Sonnenuntergang zuläuft, was wiederum mit den Daten der Feiern in Durrington Walls übereinstimmt. Wie Mike Parker Pearson so nett sagt: "This was Party City."

Während wir auf die Datierungsergebnisse der Bohrkerne warten, erläutern sie noch einmal die damals entstandene Theorie der Verbindungen zwischen Durrington Walls und Stonehenge, erklären, dass man jetzt nicht nur weiß, dass die Bluestones aus Wales sind, sondern auch, dass sie zumindest bei einem den Ursprungsort in Preseli auf den Meter genau lokalisiert haben - Mike Parker Pearson zeigt uns die Lücke in der Felsformation - und erinnern daran, dass man, wenn man auf den Salisbury Plaines gräbt, immer auf Kalk stösst, der Auswurf rund um das Loch also strahlend weiß ist.

Am Ende stellt sich heraus, ja, die riesigen Löcher sind neolitischen Ursprungs. Aber sie sind jünger als Stonehenge und Durrington Walls, vom Ende der Steinzeit. Das bedeutet, sie haben den Ring um Durrington Walls, von dem da wahrscheinlich auch nur noch der Henge stand, herumgebaut, mit dem Henge im Zentrum. Alle Beteiligten nennen es einen Abgesang auf die alte Kultur, die vom Metallzeitalter überrannt wurde, einer sogar einen Schutzwall, der anzeigt: "Das hier ist wichtig."

Was sie nicht sagen ist, ob irgendwer nach der anderen Hälfte des Kreises gesucht hat, und wenn ja, ob sie was gefunden haben und was. Niemand stellt die Frage, warum der gigantische Ring aus gigantischen Löchern - jedes Loch reicht, um ein kleines Haus darin zu versenken, und der Ring selbst hätte einen Durchmesser von 3 Meilen (wenn ich das richtig verstanden habe) und wäre damit das größte jemals entdeckte neolitische Monument der Welt - mit Durrington Walls als Zentrum gebaut wurde und nicht mit Stonehenge. Stonehenge liegt nur an der Peripherie, wie ein Nebengebäude. Was an sich schon wieder fast lustig ist, denn Durrington Walls war bis zu besagter Ausgrabung das unwichtigste aller Salisbury Plain-Monumente. So unwichtig, dass heute eine Straße quer durchläuft.

Und natürlich müsste man mal eins dieser großen Löcher ausgraben, um sich das genauer anzusehen. Aber das kostet Zeit und Geld.

Sehr gut gemacht, wenn auch ein bisschen zu sehr auf der Spannung-und-Mystery-Schiene, um wirklich sachlich zu sein. Dafür sind die Experten gut ausgewählt, es wird gut erklärt, was sie machen und warum, aber am Ende finde ich die Behauptung, dass sie ein Rätsel gelöst haben, übertrieben. Eher noch mehr Rätsel gefunden, aber das ist ja auch schon mal was.
Ein paar Bilder weniger von Stonehenge hätten es auch getan, aber gut, von Durrington Walls ist nicht besonders viel zu sehen, was sich auf Film toll macht, das ist also schon irgendwie verständlich. Und die Bilder von Stonehenge sind super, das muss man ihnen lassen.

Ist dieser Weg entlang des Avon eigentich ein public footpath? Ich meine, ich hätte einen Stile im Hintergrund gesehen, das könnte man sich mal vormerken...

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