Stonehenge - Die Spur der Steine
Jan. 16th, 2022 05:31 pmarte und BBC (2021)
Diese Doku erklärt uns, warum Mike Parker Pearson auf eine Spalte in den Preseli Mountains zeigen und sagen konnte: "Hier kommt der Stein her."
Offenbar hat er vor zehn Jahren entschieden, dass er sich jetzt vor allem für die Bluestones interessiert. Das sind die kleineren Steine, die in Stonehenge zwischen den großen Sarsensteinen stehen. In der aktuellen Inkarnation, denn die Bluestones sind schon viel länger da als die Sarsensteine. Zu Beginn war Stonehenge nämlich erstmal ein Henge mit einem Ring aus eben diesen Bluestones.
Seit etwa 100 Jahren weiß man, dass diese Bluestones aus Wales stammen, aus den Preseli Mountains. Diverse Wissenschaftler haben versucht, die Steinbrüche genauer zu lokalisieren. Der allgemeine Konsens war, dass sie irgendwo auf der Südflanke sind, weil dann der Zugang zum Meer einfacher ist und die Steine über den Bristol Channel verschifft werden konnten. Immerhin wiegen sie zwischen einer und vier Tonnen und es sind 250 km zwischen den Preselis und Stonehenge.
Heutzutage kann man Steine sehr genau lokalisieren, denn jeder Felsen ist anders zusammengesetzt. Zusammen mit Experten von anderen Unis - überhaupt haben beide Dokus Experten von einer erstaunlichen Menge verschiedener Unis - aus Aberystwyth und Oxford findet Mr. Parker Pearson heraus, dass die Steinbrüche an der Nordseite der Preselis sein müssen. Es gelingt ihm, den genauen Ort zu finden, wie eben schon in der anderen Doku nebenbei erwähnt.
Bei den Ausgrabungen dort findet er aber noch etwas, und zwar Reste einer Mahlzeit, und deren Datierung ergibt, dass die Steinbrüche 400 Jahre vor Stonehenge 1 in Betrieb waren. Und auch wenn es eine Weile dauert, die Bluestones über den Landweg nach Wiltshire zu bringen, so sind 400 Jahre doch ein bisschen sehr lang.
Eine alte Legende erzählt, dass Stonehenge von Merlin geraubt und an den jetzigen Standort versetzt wurde. Ursprünglich hieß der Steinkreis "Der Tanz der Riesen" und stand in Irland. Mr. Parker Pearson findet zwar, dass man sich als Archäologe möglichst weit von Legenden fernhalten sollte, aber was, wenn doch was dran wäre? Irland, Wales, früher war das alles das Gleiche. Weit im Westen eben. Was also, wenn die Bluestones vor Stonehenge einen anderen Steinkreis gebildet hätten? In Wales?
Wie er auch gleich sagt, einen Steinkreis zu finden, ist schon schwierig, aber einen ehemaligen Steinkreis zu finden... das ist die berühmte Nadel im Heuhaufen.
Um es kurz zu machen, sie schaffen es. Nach diversen Rückschlägen machen sie Ausgrabungen an einem Ort in den Preselis, wo es natürlich immer windet und meistens auch regnet, so dass die ganze Grabung sehr anstrengend wird, und finden tatsächlich einen Kreis mit Steinlöchern, der genau den gleichen Durchmesser hat wie Stonehenge 1. Mehr noch, eins dieser Steinlöcher hat eine beinahe fünfeckige Form, und ein 3D-Scan von diesem Loch und einem Bluestone von Stonehenge ergeben, dass er hineinpasst.
Außerdem hat der Steinkreis genau die gleiche Sonnenausrichtung wie Stonehenge. (Wie man das mit Steinen erreicht, die in etwa alle gleich groß sind? Man dreht zwei davon um 90 Grad, so dass sie als Markierung eine Art Tor bilden.) Und eine Gruppe Experimentalarchäologen beweist mit Hilfe eines Steins, einer selbstgebauten Holzschlittenkonstruktion und einer Schulklasse aus 13jährigen, dass man die Bluestones durchaus über Land hätte ziehen können.
Das letzte Problem ist jetzt, zu beweisen, dass der ehemalige Steinkreis vom Alter her passt - aber dafür haben wir den Experten der Uni St. Andrews, der auch schon die Bohrkerne aus der anderen Doku datiert hat. Und siehe, es passt. Legenden enthalten immer ein Körnchen Wahrheit.
Eigentlich könnte die Doku da aufhören, aber Mr. Parker Pearson ist ein Wissenschaftler, der immer gerne nochmal "Warum?" fragt, wenn andere schon glauben, fertig zu sein. Warum baut jemand einen Steinkreis, und jemand anders baut ihn 400 Jahre später ab, nur um ihn in Wiltshire wieder aufzubauen, 250 km weiter östlich? Ohne die Hilfe von jemandem wie Merlin, wohlgemerkt.
Es gibt Begräbnisse in Stonehenge, aus den Zeit von Stonehenge 1, von Brandbestattungen von Männern, Frauen und Kindern. Genug Knochen, um diverse Untersuchungen zu machen, und heutzutage ist es möglich, anhand der Mineralverteilung in den Knochen zu bestimmen, wo jemand aufgewachsen ist. Ergebnis: Die meisten der in Stonehenge begrabenen Person stammen aus Wales. Sie haben die Steine - ihren Steinkreis - vermutlich einfach mitgebracht.
Das alleine wäre schon interessant, aber dazu kommt noch, dass die Datierung diesen ehemaligen Steinkreis in den Preselis zum ältesten bekannten Steinkreis in Großbritannien gemacht hat. Was wiederum bedeutet, dass die "Mode", Steinkreise zu bauen, sich von Westen nach Osten ausbreitete. Und alle anderen bekannten Steinkreise bestehen aus lokalem Stein. Auch die Sarsen von Stonehenge sind lokal. Nur eben die Bluestones nicht.
Am Ende versichert uns ein sichtbar zufriedener Mike Parker Pearson, dass er sicher ist, dass es in den Preselis noch viele andere interessante Dinge zum Ausgraben und Erforschen gibt, man muss sie halt nur finden. Und bei dem wunderbaren Wetter freut er sich schon jetzt darauf, zurück zu kommen.
Großartig. Gut gemacht, unterhaltsam, informativ, sachlich, kaum repetitiv und tolle Aufnahmen von Wales.
Diese Doku erklärt uns, warum Mike Parker Pearson auf eine Spalte in den Preseli Mountains zeigen und sagen konnte: "Hier kommt der Stein her."
Offenbar hat er vor zehn Jahren entschieden, dass er sich jetzt vor allem für die Bluestones interessiert. Das sind die kleineren Steine, die in Stonehenge zwischen den großen Sarsensteinen stehen. In der aktuellen Inkarnation, denn die Bluestones sind schon viel länger da als die Sarsensteine. Zu Beginn war Stonehenge nämlich erstmal ein Henge mit einem Ring aus eben diesen Bluestones.
Seit etwa 100 Jahren weiß man, dass diese Bluestones aus Wales stammen, aus den Preseli Mountains. Diverse Wissenschaftler haben versucht, die Steinbrüche genauer zu lokalisieren. Der allgemeine Konsens war, dass sie irgendwo auf der Südflanke sind, weil dann der Zugang zum Meer einfacher ist und die Steine über den Bristol Channel verschifft werden konnten. Immerhin wiegen sie zwischen einer und vier Tonnen und es sind 250 km zwischen den Preselis und Stonehenge.
Heutzutage kann man Steine sehr genau lokalisieren, denn jeder Felsen ist anders zusammengesetzt. Zusammen mit Experten von anderen Unis - überhaupt haben beide Dokus Experten von einer erstaunlichen Menge verschiedener Unis - aus Aberystwyth und Oxford findet Mr. Parker Pearson heraus, dass die Steinbrüche an der Nordseite der Preselis sein müssen. Es gelingt ihm, den genauen Ort zu finden, wie eben schon in der anderen Doku nebenbei erwähnt.
Bei den Ausgrabungen dort findet er aber noch etwas, und zwar Reste einer Mahlzeit, und deren Datierung ergibt, dass die Steinbrüche 400 Jahre vor Stonehenge 1 in Betrieb waren. Und auch wenn es eine Weile dauert, die Bluestones über den Landweg nach Wiltshire zu bringen, so sind 400 Jahre doch ein bisschen sehr lang.
Eine alte Legende erzählt, dass Stonehenge von Merlin geraubt und an den jetzigen Standort versetzt wurde. Ursprünglich hieß der Steinkreis "Der Tanz der Riesen" und stand in Irland. Mr. Parker Pearson findet zwar, dass man sich als Archäologe möglichst weit von Legenden fernhalten sollte, aber was, wenn doch was dran wäre? Irland, Wales, früher war das alles das Gleiche. Weit im Westen eben. Was also, wenn die Bluestones vor Stonehenge einen anderen Steinkreis gebildet hätten? In Wales?
Wie er auch gleich sagt, einen Steinkreis zu finden, ist schon schwierig, aber einen ehemaligen Steinkreis zu finden... das ist die berühmte Nadel im Heuhaufen.
Um es kurz zu machen, sie schaffen es. Nach diversen Rückschlägen machen sie Ausgrabungen an einem Ort in den Preselis, wo es natürlich immer windet und meistens auch regnet, so dass die ganze Grabung sehr anstrengend wird, und finden tatsächlich einen Kreis mit Steinlöchern, der genau den gleichen Durchmesser hat wie Stonehenge 1. Mehr noch, eins dieser Steinlöcher hat eine beinahe fünfeckige Form, und ein 3D-Scan von diesem Loch und einem Bluestone von Stonehenge ergeben, dass er hineinpasst.
Außerdem hat der Steinkreis genau die gleiche Sonnenausrichtung wie Stonehenge. (Wie man das mit Steinen erreicht, die in etwa alle gleich groß sind? Man dreht zwei davon um 90 Grad, so dass sie als Markierung eine Art Tor bilden.) Und eine Gruppe Experimentalarchäologen beweist mit Hilfe eines Steins, einer selbstgebauten Holzschlittenkonstruktion und einer Schulklasse aus 13jährigen, dass man die Bluestones durchaus über Land hätte ziehen können.
Das letzte Problem ist jetzt, zu beweisen, dass der ehemalige Steinkreis vom Alter her passt - aber dafür haben wir den Experten der Uni St. Andrews, der auch schon die Bohrkerne aus der anderen Doku datiert hat. Und siehe, es passt. Legenden enthalten immer ein Körnchen Wahrheit.
Eigentlich könnte die Doku da aufhören, aber Mr. Parker Pearson ist ein Wissenschaftler, der immer gerne nochmal "Warum?" fragt, wenn andere schon glauben, fertig zu sein. Warum baut jemand einen Steinkreis, und jemand anders baut ihn 400 Jahre später ab, nur um ihn in Wiltshire wieder aufzubauen, 250 km weiter östlich? Ohne die Hilfe von jemandem wie Merlin, wohlgemerkt.
Es gibt Begräbnisse in Stonehenge, aus den Zeit von Stonehenge 1, von Brandbestattungen von Männern, Frauen und Kindern. Genug Knochen, um diverse Untersuchungen zu machen, und heutzutage ist es möglich, anhand der Mineralverteilung in den Knochen zu bestimmen, wo jemand aufgewachsen ist. Ergebnis: Die meisten der in Stonehenge begrabenen Person stammen aus Wales. Sie haben die Steine - ihren Steinkreis - vermutlich einfach mitgebracht.
Das alleine wäre schon interessant, aber dazu kommt noch, dass die Datierung diesen ehemaligen Steinkreis in den Preselis zum ältesten bekannten Steinkreis in Großbritannien gemacht hat. Was wiederum bedeutet, dass die "Mode", Steinkreise zu bauen, sich von Westen nach Osten ausbreitete. Und alle anderen bekannten Steinkreise bestehen aus lokalem Stein. Auch die Sarsen von Stonehenge sind lokal. Nur eben die Bluestones nicht.
Am Ende versichert uns ein sichtbar zufriedener Mike Parker Pearson, dass er sicher ist, dass es in den Preselis noch viele andere interessante Dinge zum Ausgraben und Erforschen gibt, man muss sie halt nur finden. Und bei dem wunderbaren Wetter freut er sich schon jetzt darauf, zurück zu kommen.
Großartig. Gut gemacht, unterhaltsam, informativ, sachlich, kaum repetitiv und tolle Aufnahmen von Wales.