Eine Stadt und ein Museum: Halle (Saale)
Dec. 22nd, 2022 12:21 pmHalle an der Saale ist, wie der Name schon sagt, eine Stadt an der Saale. Sie liegt in Sachsen-Anhalt und ist eine kreisfreie Stadt. Halle hat ca. 250 000 Einwohner und ist damit die größte Stadt in Sachsen-Anhalt. Das hat mich überrascht, denn ich dachte, Magdeburg wäre die größte Stadt im Bundesland... Aber es ist kleiner, wenn auch nur wenig. Halle fühlt sich einfach weniger nach einer großen Großstadt an, und damit haben wir auch schon Halles größtes Problem: Es liegt direkt neben Leipzig. Und auch wenn Leipzig in einem anderen Bundesland liegt - nämlich Sachsen - so bilden die beiden Städte doch einen gemeinsamen Kultur-, Wirtschafts- und Ballungsraum, und da schneidet Halle in der Wahrnehmung der Bevölkerung eher schlecht ab. Leipzig kennt jeder, aber wer war schonmal in Halle?
Dabei ist das nicht besonders fair, denn Halle ist sehr viel hübscher, als ich es erwartet hatte. Ja, okay, die Innenstadt ist zum Großteil betonig und eckig, wie das bei den meisten Städten ist, auf die Bomben gefallen sind. Aber Halle hatte Glück, es handelt sich dabei eben vor allem um die Innenstadt und den Bereich im Süden um den Bahnhof (es hatte auch Pech, weil das halt das ist, was die meisten Touristen zuerst zu sehen bekommen). Außerhalb dieser Bereiche hat die Stadt erstaunlich viel schöne Bausubstanz zu bieten, von tollen alten Villen im Norden über schicke Stadthäuser in Innenstadtnähe, von einer Menge Kirchen über diverse Burgen bis hin zu einer beachtlichen Anzahl kleiner Parks und dem sehr schönen Stadtgottesacker, der die besterhaltene Camposanto-Anlage nördlich der Alpen ist. Ja, Halle hat auch Platte und Hochhäuser, vor allem in Neustadt, aber welche Stadt hat das nicht?
Darüber hinaus hat Halle einen sehr guten ÖPNV mit gut verständlichem Ticketsystem, bei dem eine Tageskarte für zwei Persoen mit knapp 10 Euro auch nicht einmal teuer ist.
Wie der Name ebenfalls schon sagt, ist Halle durch Salz groß geworden. Darum ist es auch eine beliebte Theorie, dass das Stadtwappen mit dem ligenden Halbmond und den beiden Sternen eine Siedepfanne mit Salzkristallen darstellen soll.
Halles Autokennzeichen ist HAL, der Stadtslogan scheint "Die Händelstadt" zu sein, und keiner der berühmten Kirchtürme am Marktplatz gehört zum Dom, den der ist erstens ganz woanders und zweitens hat er keine Türme.
Auch hat Halle (unter anderem) eine Städtepartnerschaft mit Karlsruhe, ist die Heimat von Halloren, Deutschlands älterster Schokoladenfabrik (die auch heute noch vor Ort produziert) und hat mit hallisch, hallorisch und hallensich eine Vielfalt von Adjektiven, deren nuancierte Bedeutung man erst einmal erlernen muss.
Halloren waren übrigens die Salzarbeiter am heutigen Hallmarkt. Und nur, wer in Halle geboren ist, darf sich Hallenser nennen.
Halle hat auch eine Menge interessanter Museen, und das Prunkstück dieser Sammlung ist das Landesmuseum für Vorgeschichte. Das hat mehrere Gründe.
Grund 1: Sie haben die Himmelsscheibe von Nebra. Auch Nebra - und der Mittelsberg in der Gemarkung Ziegelroda, der zu Nebra gehört - liegt in Sachsen-Anhalt. Zwar hat es sich der Ort nicht nehmen lassen, ein eigenes Museum in die Nähe des Fundortes zu stellen, aber dort haben sie nur eine (sehr gute) Kopie, das Original ist in Halle. Das ist schon aus Sicherheitsgründen eine gute Idee, denn die Arche Nebra steht mitten auf freiem Feld und die Himmelsscheibe kann man in Halle sicher sehr viel besser schützen und konservieren. Sie hat einen eigenen Raum mit einem sich bewegenden Sternenhimmel an der Decke und einen Vorraum, in dem ihre Bedeutung erklärt wird. Außerdem wird in ganz Halle quasi ständig darauf hingewiesen, dass sie da ist. Auch das Band der Straßenbahn weist darauf hin, dass in dem Museum an der Haltestelle Landesmuseum für Vorgeschichte die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt wird.
Grund 2: Es ist ein sehr schönes Museum. Der Bau ist von Wilhelm Kreis und von der Trierer Porta Nigra inspiriert. Als solches ist es massig, aber übersichtlich, mit einem sehr schönen Lichthof in der Mitte, der ihm eine gewisse Offenheit verleiht. Es hat Säulen, großzügige Räume und die Dauerausstellung ist nachvollziehbar und ohne Verirrungen ansehbar. Sie geben sich Mühe, alles modern zu präsentieren, nicht überladen, um mit ihren Massen von Exponaten anzugeben, sondern kompakt und informativ. Es ist ein bisschen überraschend, dass ein Museum für Vorgeschichte bis über die Zeit der Römer hinaus ausstellt, aber auch der Bereich ist sehr gut aufgebaut, sehr hübsch und sogar mit Humor. Auch wenn das Prunkstück natürlich die obere Etage mit den ganz alten Funden bleibt. Sie haben ja nicht nur die Himmelsscheibe, sondern auch andere spektakuläre Funde wie die Schamanin von Bad Dürrenberg. Sie sind dabei, das Museum generalzuüberholen, weil der aktuelle Direktor wohl das perfekte Museum hinterlassen will, und ich würde sagen, sie sind auf einem sehr guten Weg dazu.
Und sie haben eine Straßenbahnhaltestelle direkt vor der Tür.
Gund 3: Sie machen jeden Sonntagmorgen eine kostenlose Führung. Sie nennt sich "Museum für Ausgeschlafene" und führte am Besuchstag durch eben diese obere Etage. Zwei Stunden lang. Und das war die beste Führung, die ich in meinem ganzen Leben jemals in egal welchem Museum mitgemacht habe. Modern, unterhaltsam, fundiert. So, dass man wirklich was versteht und behält. Keine Sekunde langweilig. Ehrlich, kritisch und mit Hinweisen darauf, wo Exponate und Darstellungen falsch oder nicht mehr zeitgemäßig ausgestellt werden. Toll.
Wir haben nach der Führung im Museumscafé etwas gegessen und uns dann die mittlere Etage angesehen. Im Ganzen waren wir sicher gut fünf Stunden da und es hat sich sehr gelohnt.
Dabei ist das nicht besonders fair, denn Halle ist sehr viel hübscher, als ich es erwartet hatte. Ja, okay, die Innenstadt ist zum Großteil betonig und eckig, wie das bei den meisten Städten ist, auf die Bomben gefallen sind. Aber Halle hatte Glück, es handelt sich dabei eben vor allem um die Innenstadt und den Bereich im Süden um den Bahnhof (es hatte auch Pech, weil das halt das ist, was die meisten Touristen zuerst zu sehen bekommen). Außerhalb dieser Bereiche hat die Stadt erstaunlich viel schöne Bausubstanz zu bieten, von tollen alten Villen im Norden über schicke Stadthäuser in Innenstadtnähe, von einer Menge Kirchen über diverse Burgen bis hin zu einer beachtlichen Anzahl kleiner Parks und dem sehr schönen Stadtgottesacker, der die besterhaltene Camposanto-Anlage nördlich der Alpen ist. Ja, Halle hat auch Platte und Hochhäuser, vor allem in Neustadt, aber welche Stadt hat das nicht?
Darüber hinaus hat Halle einen sehr guten ÖPNV mit gut verständlichem Ticketsystem, bei dem eine Tageskarte für zwei Persoen mit knapp 10 Euro auch nicht einmal teuer ist.
Wie der Name ebenfalls schon sagt, ist Halle durch Salz groß geworden. Darum ist es auch eine beliebte Theorie, dass das Stadtwappen mit dem ligenden Halbmond und den beiden Sternen eine Siedepfanne mit Salzkristallen darstellen soll.
Halles Autokennzeichen ist HAL, der Stadtslogan scheint "Die Händelstadt" zu sein, und keiner der berühmten Kirchtürme am Marktplatz gehört zum Dom, den der ist erstens ganz woanders und zweitens hat er keine Türme.
Auch hat Halle (unter anderem) eine Städtepartnerschaft mit Karlsruhe, ist die Heimat von Halloren, Deutschlands älterster Schokoladenfabrik (die auch heute noch vor Ort produziert) und hat mit hallisch, hallorisch und hallensich eine Vielfalt von Adjektiven, deren nuancierte Bedeutung man erst einmal erlernen muss.
Halloren waren übrigens die Salzarbeiter am heutigen Hallmarkt. Und nur, wer in Halle geboren ist, darf sich Hallenser nennen.
Halle hat auch eine Menge interessanter Museen, und das Prunkstück dieser Sammlung ist das Landesmuseum für Vorgeschichte. Das hat mehrere Gründe.
Grund 1: Sie haben die Himmelsscheibe von Nebra. Auch Nebra - und der Mittelsberg in der Gemarkung Ziegelroda, der zu Nebra gehört - liegt in Sachsen-Anhalt. Zwar hat es sich der Ort nicht nehmen lassen, ein eigenes Museum in die Nähe des Fundortes zu stellen, aber dort haben sie nur eine (sehr gute) Kopie, das Original ist in Halle. Das ist schon aus Sicherheitsgründen eine gute Idee, denn die Arche Nebra steht mitten auf freiem Feld und die Himmelsscheibe kann man in Halle sicher sehr viel besser schützen und konservieren. Sie hat einen eigenen Raum mit einem sich bewegenden Sternenhimmel an der Decke und einen Vorraum, in dem ihre Bedeutung erklärt wird. Außerdem wird in ganz Halle quasi ständig darauf hingewiesen, dass sie da ist. Auch das Band der Straßenbahn weist darauf hin, dass in dem Museum an der Haltestelle Landesmuseum für Vorgeschichte die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt wird.
Grund 2: Es ist ein sehr schönes Museum. Der Bau ist von Wilhelm Kreis und von der Trierer Porta Nigra inspiriert. Als solches ist es massig, aber übersichtlich, mit einem sehr schönen Lichthof in der Mitte, der ihm eine gewisse Offenheit verleiht. Es hat Säulen, großzügige Räume und die Dauerausstellung ist nachvollziehbar und ohne Verirrungen ansehbar. Sie geben sich Mühe, alles modern zu präsentieren, nicht überladen, um mit ihren Massen von Exponaten anzugeben, sondern kompakt und informativ. Es ist ein bisschen überraschend, dass ein Museum für Vorgeschichte bis über die Zeit der Römer hinaus ausstellt, aber auch der Bereich ist sehr gut aufgebaut, sehr hübsch und sogar mit Humor. Auch wenn das Prunkstück natürlich die obere Etage mit den ganz alten Funden bleibt. Sie haben ja nicht nur die Himmelsscheibe, sondern auch andere spektakuläre Funde wie die Schamanin von Bad Dürrenberg. Sie sind dabei, das Museum generalzuüberholen, weil der aktuelle Direktor wohl das perfekte Museum hinterlassen will, und ich würde sagen, sie sind auf einem sehr guten Weg dazu.
Und sie haben eine Straßenbahnhaltestelle direkt vor der Tür.
Gund 3: Sie machen jeden Sonntagmorgen eine kostenlose Führung. Sie nennt sich "Museum für Ausgeschlafene" und führte am Besuchstag durch eben diese obere Etage. Zwei Stunden lang. Und das war die beste Führung, die ich in meinem ganzen Leben jemals in egal welchem Museum mitgemacht habe. Modern, unterhaltsam, fundiert. So, dass man wirklich was versteht und behält. Keine Sekunde langweilig. Ehrlich, kritisch und mit Hinweisen darauf, wo Exponate und Darstellungen falsch oder nicht mehr zeitgemäßig ausgestellt werden. Toll.
Wir haben nach der Führung im Museumscafé etwas gegessen und uns dann die mittlere Etage angesehen. Im Ganzen waren wir sicher gut fünf Stunden da und es hat sich sehr gelohnt.