Zuerst fahren wir mal nach Brüssel.
Schon gute zwei Wochen vorher schickt mir die Bahn eine Mail, die mir mitteilt, dass mein Rückzug eine halbe Stunde früher fahren wird als gebucht. Okay. Kein Problem. Ich übernachte eh direkt gegenüber vom Bahnhof, da kommt es darauf nicht an.
Am Tag danach schickt die Bahn mir eine Mail, dass mein Hinzug nicht mehr nach Brüssel Süd fahren wird, sondern nur noch nach Brüssel Nord. Sie rät mir auch, auf der Homepage nach Alternativen zu suchen. Mache ich, finde aber, dass es am stressfreisten ist, einfach nach Brüssel Nord zu fahren und von da zu Fuss nach Brüssel Süd zu gehen. Oder, sollte das Wetter ganz furchtbar sein, einen der zahlreichen Züg zu nehmen, die zwischen den beiden Bahnhöfen verkehren.
So weit, so gut. Bis zum Fahrttermin schickt mir die Bahn jeden Tag eine weitere Mail, um auf das Problem hinzuweisen. Nur für die Hinfahrt, wohlgemerkt. Für die Rückfahrt kommt nur die eine.
Am Tag vor der Fahrt gibt es dann eine Ankündigung für einen Generalstreik im Fernverkehr. Der beginnt erst am Abend des Tages meiner Rückfahrt, wird aber die Hinfahrt meiner Reise nach Dresden betreffen, die ich zwei Tage später antreten will.
Ich lerne also, dass man auch per Nahverkehr nach Dresden fahren kann. Wenn der gesamte Nahverkehr fährt, dauert das so zwischen 12 und 13 Stunden. An einem Tag wäre das mit Stress zu schaffen, an zwei Tagen aber recht problemlos. Leider wird der Streik auch den Nahverkehr beeinträchtigen, also bereite ich mich darauf vor, innerhalb von drei Tagen nach Dresden zu fahren. Ohne zu wissen, wie weit ich an den einzelnen Tagen kommen werde, also mit der Prämisse, mir am Nachmittag spontan an dem Ort, an dem ich gelandet bin, eine Hotel suchen zu müssen. Gar nicht meins... Ich versuche, mir zu sagen, dass es ein Abenteuer ist und schon klappen wird.
Das größte Problem stellt übrigens wie immer auf der Ost-West-Route durch Deutschland der Mittelteil dar. Bis Kassel oder Hannover komme ich problemlos. Auch die Gegend um Frankfurt ist gut erreichbar. Aber von einem dieser Punkte dann in Richtung Halle oder Leipzig zu kommen... bin ich in einer der beiden Städte, bin ich auch schon fast in Dresden. Aber eben hinkommen...
Okay. Brüssel. Da meine Zugbindung aufgehoben ist, entscheide ich, einfach den Zug zwei Stunden vorher zu nehmen. Der fährt zwar auch nur nach Brüssel Nord, aber dann habe ich wenigstens Zeit, gemütlich durch die Stadt zu wandern und vielleicht ein bisschen was davon zu sehen. Schließlich war ich noch nie in Brüssel, vielleicht ist es ganz nett da. (Spoiler: Ist es.)
Die Bahn-Homepage indes rät mir, in Leuven auszusteigen, innerhalb von vier Minuten umzusteigen und einen anderen Zug nach Brüssel Süd zu nehmen. Viel zu stressig. In vier Minuten Umsteigen mache ich nur, wenn ich den Bahnhof gut kenne, und auch in Leuven war ich noch nie.
Der ICE namens Arnhem von Frankfurt nach Brüssel hat Verspätung. Nicht viel, nur 15 Minuten. Da es nicht meiner ist, habe ich keine Sitzplatzreservierung mehr, bekomme aber trotzdem einen Platz, und zwar einen sehr guten. In der Lok, direkt hinter der Fahrerkabine. Die Milchglasscheibe ist nicht ganz auf undurchsichtig gestellt, ich kann also sogar ein bisschen vorne rausgucken. Das Wetter ist auch super, getrübt wird das Ganze nur von einer elektronischen Stimme aus der Fahrerkabine, die sehr penetrant "Störung! Störung!" meldet. Nicht durchgängig, aber immer mal wieder.
Dann stellt sicher heraus, dass der Zug gar nicht in Leuven halten wird. Offenbar regulär nicht. Ich frage mich, wieso mir die Homepage dann vorgeschlagen hat, da umzusteigen. Da ich da aber wie gesagt nicht umsteigen will, stört es mich auch nicht weiter - und dann halten wir doch in Leuven. Offenbar ungeplant, denn sofort kommt eine Durchsage, dass das nicht unser Halt ist und dass wir die Türen bitte geschlossen halten sollen. Ich frage mich, warum sie die Türen überhaupt aktivieren, oder ob das vielleicht automatisch passiert, wenn der Zug an einem Bahnsteig steht... Es steigen aber natürlich trotzdem Leute aus, die wieder eingefangen werden müssen. Obwohl sie alle Durchsagen immer in vier Sprachen machen, die alle vier geleich deutlich und eloquent sind. Sehr beeindruckend.
Nachdem alle wieder an Bord sind, fahren wir weiter nach Brüssel Nord. Der Bahnhof ist eine einzige Baustelle und ich brauche beinahe 10 Minuten, um nach draußen zu finden. Aber ich bin bequem mit ordentlich Zeit in Brüssel und das Wetter ist wie gesagt gut. Was will man mehr?
Am nächsten Morgen geht es von Brüssel Süd zurück. Ich habe mir den Bahnhof am Vorabend in Ruhe angesehen, denn er ist groß und unübersichtlich, trotzdem muss ich ein bisschen suchen, um das Gleis zu finden. Auch wenn Belgien offenbar genau wie Deutschland feste Gleise für Züge vergibt, unterstützt von einer Bildschirmanzeige an quasi jeder Ecke des Bahnhofs plus einer riesigen Leuchtanzeige in der Zentralhalle (die man auch super findet, wenn man den richtigen Eingang dazu gefunden hat und nicht einfach irgendeinen nimmt).
Der Zug startet in Brüssel, aber erstmal tut sich nichts. Dann erscheint die Anzeige "Abfahrt muss noch bestätigt werden" (in drei Sprachen). Ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll. Der Bahnstreik ist mittlerweile abgesagt und außerdem sollte er erst am Abend beginnen, damit sollte es also nichts zu tun haben... Irgendwann verschwindet die Anzeige wieder, und irgendwann kommt auch der Zug, der ICE Rhein-Maas-Region. Wir fahren zu genau der Abfahrtszeit ab, zu der ich ursprünglich gebucht hatte und die sie dann vorverlegt haben, also sind wir auch genau zu der ursprünglich geplanten Zeit in Aachen, wo ich dann innerhalb von 5 Minuten meinen Anschluss bekomme.
Alle anderen Anschlüsse an den beiden Tagen waren übirgens perfekt pünktlich. In beide Richtungen. Ich muss ja auch erstmal immer nach Aachen hinkommen.
Da der Streik wie gesagt abgewendet werden konnte, mache ich mir Hoffnungen, dass mein Zug nach Dresden fahren wird. Ich habe mir im Gegensatz zu den beiden ICEs über Frankfurt, die ich sonst immer nehme, den IC über Hannover gebucht, denn der fährt durch und ich muss nicht umsteigen. Er soll auch fahren - aber am Tag selbst meldet die App mir, dass mein Wagen nicht dabei sein wird. Sprich, ich habe keine Reservierung mehr. Für eine so lange Strecke ist das eher unangenehm, ich kann weder in der App noch auf der Homepage die Reservierung auf einen anderen Platz ändern, also fahre ich mit dem nächsten Zug nach Köln, um da im Reisezentrum mal zu fragen, ob sie was tun können.
Meine Anschlüsse nach Köln sind pünktlich, als ich aus dem RE steige und in Richtung einer Treppe gehe, sehe ich den Anschlag auf dem Nebengleis "Dresden Neustadt 9 Uhr 09". Vielleicht kann ich auf den umbuchen, wenn ich nett frage. Dann muss ich nicht noch zwei Stunden in Köln herumsitzen... vorausgesetzt, im Reisezentrum ist wenig los, denn es ist bereits 8 Uhr 45. Weiß man ja auch nie.
Es hält sich aber in Grenzen. Um kurz nach neun habe ich eine neue Reservierung - wenn auch unten und an einem Vierertisch, was ich mir nie aussuchen würde, aber hey, es ist ein Sitzplatz - und der nette Herr von der Bahn hat tatsächlich meine Zugbindung aufgehoben. Hätte er nicht müssen. Es hätte in meinem normalen Zug noch Sitzplätze gegeben, das war also reine Kulanz.
Als ich am Gleis ankomme, steht dran, dass der Zug 20 Minuten Verspätung haben wird. Macht nichts. Für mich ist das ja noch immer anderthalb Stunden zu früh. Und das Herumstehen am Gleis beschert mir die Sicht auf einen IC nach Gera. Es gibt einen IC von Köln nach Gera? Warum ausgerechnet nach Gera? Nicht, dass ich mich beschweren will... Ich muss mir mal genauer ansehen, wo der so langfährt. Könnte vielleicht mal nützlich sein.
Zug kommt. Da er ein IC ist und kein ICE, hat er keinen Namen. Zug sagt, er fährt nach Dresden Hbf. Bahnsteig sagt, Zug fährt nach Dresden-Neustadt. Mir ist beides Recht, Hauptsache Dresden. Zugdurchsage sagt, dass wir keinen Lokführer haben, er aber bald kommen wird. Ich sitze alleine an meinem Vierer und auch der Rest vom Zug ist recht leer. Mit 30 Minuten Verspätung gehts los, also schätze ich mal, dass der Lokführer irgendwann aufgetaucht ist. Die Zugbegleiterin nimmt meine Sammlung aus gestempeltem Ticket und zusätzlicher Reservierung problemlos an, und zu dem Zeitpunkt, zu dem ich eigentlich hätte losfahren sollen, bin ich schon in Hamm.
Der Zug bleibt insgesamt erstaunlich leer. Wahrscheinlich haben im Vorfeld mit dem Streik viele Leute umgebucht. In Hannover setzt sich jemand mir gegenüber an den Tisch des Vierers. Daraufhin setze ich meine Maske auf - und er steht wieder auf und setzt sich wo anders hin. Okay... Mehr Platz für mich.
Ab Leipzig wird es dann doch noch voll. Keine Überraschung, das ist immer so. Da wir in Leipzig reguläre Standzeit hatten, haben wir jetzt auch keine Verspätung mehr. Und in Magdeburg haben wir auch die Richtung gewechselt. War das schon immer so? Und ich meine, beim letzten Mal, als ich die Strecke gefahren bin, wären wir über Dessau gefahren... aber das kann falsch sein. Ist ja schon eine Weile her.
Ich bin also zwei Stunden früher in Dresden als geplant (in Hbf übrigens). Fehlende Waggons können auch praktisch sein.
Rückfahrt über Frankfurt. Der erste ICE heißt Kaiserslautern und fährt nach Wiesbaden und ich will in Flughafen aussteigen. Warum ich einen Umstieg in Flughafen gebucht habe, ist mir nicht klar. Eigentlich vermeide ich das, weil da immer irgendwas ist... aber gut, ich habe ja 48 Minuten Zeit.
Die ich dann auch vollständig habe, denn wir sind pünktlich. Nach den neuen Regeln der Bahn darf ich dann einen früheren Zug nehmen, wenn da einer kommt. Und wir reden hier von Frankfurt nach Köln, also fahren da sogar noch zwei. Ich steige also einfach mal in den ersten dieser beiden ein - selbst wenn ich etwas falsch verstanden haben sollte, der nächste Halt des Zuges ist Köln, also werden sie schon nicht extra anhalten, um mich vorher rauszuwerfen. Das macht den Fahrplan erstrecht kaputt.
Aber auch hier kein Problem, der Zugbegleiter akzeptiert meine Karte und sagt nicht einmal etwas dazu, dass ich in einem Bereich sitze, der eigentlich für Vielfahrer reserviert ist, die im Comfort-Programm sind. Aber es gibt noch genug freie Plätze, darum schätze ich, ist es okay. Sonst wäre ich aber auch aufgestanden. Die Stunde bis Köln...
Und dann halten wir außerplanmäßig in Siegburg. Die Durchsage erklärt, dass die Strecke vor uns gesperrt ist. Ich gucke in die App, die sagt "Tiere auf den Gleisen". Dann kommt eine weitere Durchsage, die sagt, dass es gleich weitergeht, weil der Pudel, der auf der Hohenzollernbrücke herumgelaufen ist, wieder eingefangen wurde. Hörbare Erheiterung im Waggon. Pudel auf den Gleisen, das ist was Neues.
Wir haben jetzt 15 Minuten Verspärtung wegen besagten Pudels. Alle meine Anschlüsse haben laut App auch Verspätung, was kein Wunder ist, denn die müssen auch alle über diese Brücke, die wegen des Pudels gesperrt war. Die Frage ist nur, in welcher Reihenfolge sie durchgelassen werden, denn in Köln HBF ist jetzt verständlicherweise extrem viel los. Die Brücke ist direkt daneben und die Hälfte aller Züge fahren da drüber.
Ich entscheide mich für den RE 1, der jetzt 15 Minuten Verspätung hat. Während ich warte, fährt am Nebenbahnsteig die S19 ein, die laut App auch erst in 15 Minuten kommen sollte, aber seltsamerweise pünktlich ist. Hätte ich mich für die S-Bahn entschieden, hätte ich also weniger in Köln rumgestanden, aber im Grunde ist es egal, denn keiner der Anschlüsse wird so schnell in Düren sein, dass ich da die Rurtalbahn noch kriegen kann. Auch wenn unser Lokführer sich direkt nach der Abfahrt in Köln meldet und verspricht, dass er versuchen wird, die Verspätung bis Aachen wieder reinzufahren: "Also halten Sie sich fest, das wird holprig!"
Ich warte also eine halbe Stund in Düren und nehme dann die Rurtalbahn, auf die ich ursprünglich geplant war und die ich jetzt noch bekomme, weil ich in Frankfurt eben den früheren Zug nehmen konnte. Gute Regelung für die Bahn also.
Im Ganzen also alles okay, und vom Service her sogar noch besser. Man ist halt nach den Jahren Pause nur halt nichts mehr gewöhnt...
Schon gute zwei Wochen vorher schickt mir die Bahn eine Mail, die mir mitteilt, dass mein Rückzug eine halbe Stunde früher fahren wird als gebucht. Okay. Kein Problem. Ich übernachte eh direkt gegenüber vom Bahnhof, da kommt es darauf nicht an.
Am Tag danach schickt die Bahn mir eine Mail, dass mein Hinzug nicht mehr nach Brüssel Süd fahren wird, sondern nur noch nach Brüssel Nord. Sie rät mir auch, auf der Homepage nach Alternativen zu suchen. Mache ich, finde aber, dass es am stressfreisten ist, einfach nach Brüssel Nord zu fahren und von da zu Fuss nach Brüssel Süd zu gehen. Oder, sollte das Wetter ganz furchtbar sein, einen der zahlreichen Züg zu nehmen, die zwischen den beiden Bahnhöfen verkehren.
So weit, so gut. Bis zum Fahrttermin schickt mir die Bahn jeden Tag eine weitere Mail, um auf das Problem hinzuweisen. Nur für die Hinfahrt, wohlgemerkt. Für die Rückfahrt kommt nur die eine.
Am Tag vor der Fahrt gibt es dann eine Ankündigung für einen Generalstreik im Fernverkehr. Der beginnt erst am Abend des Tages meiner Rückfahrt, wird aber die Hinfahrt meiner Reise nach Dresden betreffen, die ich zwei Tage später antreten will.
Ich lerne also, dass man auch per Nahverkehr nach Dresden fahren kann. Wenn der gesamte Nahverkehr fährt, dauert das so zwischen 12 und 13 Stunden. An einem Tag wäre das mit Stress zu schaffen, an zwei Tagen aber recht problemlos. Leider wird der Streik auch den Nahverkehr beeinträchtigen, also bereite ich mich darauf vor, innerhalb von drei Tagen nach Dresden zu fahren. Ohne zu wissen, wie weit ich an den einzelnen Tagen kommen werde, also mit der Prämisse, mir am Nachmittag spontan an dem Ort, an dem ich gelandet bin, eine Hotel suchen zu müssen. Gar nicht meins... Ich versuche, mir zu sagen, dass es ein Abenteuer ist und schon klappen wird.
Das größte Problem stellt übrigens wie immer auf der Ost-West-Route durch Deutschland der Mittelteil dar. Bis Kassel oder Hannover komme ich problemlos. Auch die Gegend um Frankfurt ist gut erreichbar. Aber von einem dieser Punkte dann in Richtung Halle oder Leipzig zu kommen... bin ich in einer der beiden Städte, bin ich auch schon fast in Dresden. Aber eben hinkommen...
Okay. Brüssel. Da meine Zugbindung aufgehoben ist, entscheide ich, einfach den Zug zwei Stunden vorher zu nehmen. Der fährt zwar auch nur nach Brüssel Nord, aber dann habe ich wenigstens Zeit, gemütlich durch die Stadt zu wandern und vielleicht ein bisschen was davon zu sehen. Schließlich war ich noch nie in Brüssel, vielleicht ist es ganz nett da. (Spoiler: Ist es.)
Die Bahn-Homepage indes rät mir, in Leuven auszusteigen, innerhalb von vier Minuten umzusteigen und einen anderen Zug nach Brüssel Süd zu nehmen. Viel zu stressig. In vier Minuten Umsteigen mache ich nur, wenn ich den Bahnhof gut kenne, und auch in Leuven war ich noch nie.
Der ICE namens Arnhem von Frankfurt nach Brüssel hat Verspätung. Nicht viel, nur 15 Minuten. Da es nicht meiner ist, habe ich keine Sitzplatzreservierung mehr, bekomme aber trotzdem einen Platz, und zwar einen sehr guten. In der Lok, direkt hinter der Fahrerkabine. Die Milchglasscheibe ist nicht ganz auf undurchsichtig gestellt, ich kann also sogar ein bisschen vorne rausgucken. Das Wetter ist auch super, getrübt wird das Ganze nur von einer elektronischen Stimme aus der Fahrerkabine, die sehr penetrant "Störung! Störung!" meldet. Nicht durchgängig, aber immer mal wieder.
Dann stellt sicher heraus, dass der Zug gar nicht in Leuven halten wird. Offenbar regulär nicht. Ich frage mich, wieso mir die Homepage dann vorgeschlagen hat, da umzusteigen. Da ich da aber wie gesagt nicht umsteigen will, stört es mich auch nicht weiter - und dann halten wir doch in Leuven. Offenbar ungeplant, denn sofort kommt eine Durchsage, dass das nicht unser Halt ist und dass wir die Türen bitte geschlossen halten sollen. Ich frage mich, warum sie die Türen überhaupt aktivieren, oder ob das vielleicht automatisch passiert, wenn der Zug an einem Bahnsteig steht... Es steigen aber natürlich trotzdem Leute aus, die wieder eingefangen werden müssen. Obwohl sie alle Durchsagen immer in vier Sprachen machen, die alle vier geleich deutlich und eloquent sind. Sehr beeindruckend.
Nachdem alle wieder an Bord sind, fahren wir weiter nach Brüssel Nord. Der Bahnhof ist eine einzige Baustelle und ich brauche beinahe 10 Minuten, um nach draußen zu finden. Aber ich bin bequem mit ordentlich Zeit in Brüssel und das Wetter ist wie gesagt gut. Was will man mehr?
Am nächsten Morgen geht es von Brüssel Süd zurück. Ich habe mir den Bahnhof am Vorabend in Ruhe angesehen, denn er ist groß und unübersichtlich, trotzdem muss ich ein bisschen suchen, um das Gleis zu finden. Auch wenn Belgien offenbar genau wie Deutschland feste Gleise für Züge vergibt, unterstützt von einer Bildschirmanzeige an quasi jeder Ecke des Bahnhofs plus einer riesigen Leuchtanzeige in der Zentralhalle (die man auch super findet, wenn man den richtigen Eingang dazu gefunden hat und nicht einfach irgendeinen nimmt).
Der Zug startet in Brüssel, aber erstmal tut sich nichts. Dann erscheint die Anzeige "Abfahrt muss noch bestätigt werden" (in drei Sprachen). Ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll. Der Bahnstreik ist mittlerweile abgesagt und außerdem sollte er erst am Abend beginnen, damit sollte es also nichts zu tun haben... Irgendwann verschwindet die Anzeige wieder, und irgendwann kommt auch der Zug, der ICE Rhein-Maas-Region. Wir fahren zu genau der Abfahrtszeit ab, zu der ich ursprünglich gebucht hatte und die sie dann vorverlegt haben, also sind wir auch genau zu der ursprünglich geplanten Zeit in Aachen, wo ich dann innerhalb von 5 Minuten meinen Anschluss bekomme.
Alle anderen Anschlüsse an den beiden Tagen waren übirgens perfekt pünktlich. In beide Richtungen. Ich muss ja auch erstmal immer nach Aachen hinkommen.
Da der Streik wie gesagt abgewendet werden konnte, mache ich mir Hoffnungen, dass mein Zug nach Dresden fahren wird. Ich habe mir im Gegensatz zu den beiden ICEs über Frankfurt, die ich sonst immer nehme, den IC über Hannover gebucht, denn der fährt durch und ich muss nicht umsteigen. Er soll auch fahren - aber am Tag selbst meldet die App mir, dass mein Wagen nicht dabei sein wird. Sprich, ich habe keine Reservierung mehr. Für eine so lange Strecke ist das eher unangenehm, ich kann weder in der App noch auf der Homepage die Reservierung auf einen anderen Platz ändern, also fahre ich mit dem nächsten Zug nach Köln, um da im Reisezentrum mal zu fragen, ob sie was tun können.
Meine Anschlüsse nach Köln sind pünktlich, als ich aus dem RE steige und in Richtung einer Treppe gehe, sehe ich den Anschlag auf dem Nebengleis "Dresden Neustadt 9 Uhr 09". Vielleicht kann ich auf den umbuchen, wenn ich nett frage. Dann muss ich nicht noch zwei Stunden in Köln herumsitzen... vorausgesetzt, im Reisezentrum ist wenig los, denn es ist bereits 8 Uhr 45. Weiß man ja auch nie.
Es hält sich aber in Grenzen. Um kurz nach neun habe ich eine neue Reservierung - wenn auch unten und an einem Vierertisch, was ich mir nie aussuchen würde, aber hey, es ist ein Sitzplatz - und der nette Herr von der Bahn hat tatsächlich meine Zugbindung aufgehoben. Hätte er nicht müssen. Es hätte in meinem normalen Zug noch Sitzplätze gegeben, das war also reine Kulanz.
Als ich am Gleis ankomme, steht dran, dass der Zug 20 Minuten Verspätung haben wird. Macht nichts. Für mich ist das ja noch immer anderthalb Stunden zu früh. Und das Herumstehen am Gleis beschert mir die Sicht auf einen IC nach Gera. Es gibt einen IC von Köln nach Gera? Warum ausgerechnet nach Gera? Nicht, dass ich mich beschweren will... Ich muss mir mal genauer ansehen, wo der so langfährt. Könnte vielleicht mal nützlich sein.
Zug kommt. Da er ein IC ist und kein ICE, hat er keinen Namen. Zug sagt, er fährt nach Dresden Hbf. Bahnsteig sagt, Zug fährt nach Dresden-Neustadt. Mir ist beides Recht, Hauptsache Dresden. Zugdurchsage sagt, dass wir keinen Lokführer haben, er aber bald kommen wird. Ich sitze alleine an meinem Vierer und auch der Rest vom Zug ist recht leer. Mit 30 Minuten Verspätung gehts los, also schätze ich mal, dass der Lokführer irgendwann aufgetaucht ist. Die Zugbegleiterin nimmt meine Sammlung aus gestempeltem Ticket und zusätzlicher Reservierung problemlos an, und zu dem Zeitpunkt, zu dem ich eigentlich hätte losfahren sollen, bin ich schon in Hamm.
Der Zug bleibt insgesamt erstaunlich leer. Wahrscheinlich haben im Vorfeld mit dem Streik viele Leute umgebucht. In Hannover setzt sich jemand mir gegenüber an den Tisch des Vierers. Daraufhin setze ich meine Maske auf - und er steht wieder auf und setzt sich wo anders hin. Okay... Mehr Platz für mich.
Ab Leipzig wird es dann doch noch voll. Keine Überraschung, das ist immer so. Da wir in Leipzig reguläre Standzeit hatten, haben wir jetzt auch keine Verspätung mehr. Und in Magdeburg haben wir auch die Richtung gewechselt. War das schon immer so? Und ich meine, beim letzten Mal, als ich die Strecke gefahren bin, wären wir über Dessau gefahren... aber das kann falsch sein. Ist ja schon eine Weile her.
Ich bin also zwei Stunden früher in Dresden als geplant (in Hbf übrigens). Fehlende Waggons können auch praktisch sein.
Rückfahrt über Frankfurt. Der erste ICE heißt Kaiserslautern und fährt nach Wiesbaden und ich will in Flughafen aussteigen. Warum ich einen Umstieg in Flughafen gebucht habe, ist mir nicht klar. Eigentlich vermeide ich das, weil da immer irgendwas ist... aber gut, ich habe ja 48 Minuten Zeit.
Die ich dann auch vollständig habe, denn wir sind pünktlich. Nach den neuen Regeln der Bahn darf ich dann einen früheren Zug nehmen, wenn da einer kommt. Und wir reden hier von Frankfurt nach Köln, also fahren da sogar noch zwei. Ich steige also einfach mal in den ersten dieser beiden ein - selbst wenn ich etwas falsch verstanden haben sollte, der nächste Halt des Zuges ist Köln, also werden sie schon nicht extra anhalten, um mich vorher rauszuwerfen. Das macht den Fahrplan erstrecht kaputt.
Aber auch hier kein Problem, der Zugbegleiter akzeptiert meine Karte und sagt nicht einmal etwas dazu, dass ich in einem Bereich sitze, der eigentlich für Vielfahrer reserviert ist, die im Comfort-Programm sind. Aber es gibt noch genug freie Plätze, darum schätze ich, ist es okay. Sonst wäre ich aber auch aufgestanden. Die Stunde bis Köln...
Und dann halten wir außerplanmäßig in Siegburg. Die Durchsage erklärt, dass die Strecke vor uns gesperrt ist. Ich gucke in die App, die sagt "Tiere auf den Gleisen". Dann kommt eine weitere Durchsage, die sagt, dass es gleich weitergeht, weil der Pudel, der auf der Hohenzollernbrücke herumgelaufen ist, wieder eingefangen wurde. Hörbare Erheiterung im Waggon. Pudel auf den Gleisen, das ist was Neues.
Wir haben jetzt 15 Minuten Verspärtung wegen besagten Pudels. Alle meine Anschlüsse haben laut App auch Verspätung, was kein Wunder ist, denn die müssen auch alle über diese Brücke, die wegen des Pudels gesperrt war. Die Frage ist nur, in welcher Reihenfolge sie durchgelassen werden, denn in Köln HBF ist jetzt verständlicherweise extrem viel los. Die Brücke ist direkt daneben und die Hälfte aller Züge fahren da drüber.
Ich entscheide mich für den RE 1, der jetzt 15 Minuten Verspätung hat. Während ich warte, fährt am Nebenbahnsteig die S19 ein, die laut App auch erst in 15 Minuten kommen sollte, aber seltsamerweise pünktlich ist. Hätte ich mich für die S-Bahn entschieden, hätte ich also weniger in Köln rumgestanden, aber im Grunde ist es egal, denn keiner der Anschlüsse wird so schnell in Düren sein, dass ich da die Rurtalbahn noch kriegen kann. Auch wenn unser Lokführer sich direkt nach der Abfahrt in Köln meldet und verspricht, dass er versuchen wird, die Verspätung bis Aachen wieder reinzufahren: "Also halten Sie sich fest, das wird holprig!"
Ich warte also eine halbe Stund in Düren und nehme dann die Rurtalbahn, auf die ich ursprünglich geplant war und die ich jetzt noch bekomme, weil ich in Frankfurt eben den früheren Zug nehmen konnte. Gute Regelung für die Bahn also.
Im Ganzen also alles okay, und vom Service her sogar noch besser. Man ist halt nach den Jahren Pause nur halt nichts mehr gewöhnt...