Schottland: Die Reisemittel-Übersicht
Aug. 14th, 2023 09:45 pmVom Hotel zum Flughafen fiel dann gleich mal die angepeilte S-Bahn wegen Personalmangel aus. Das war ein bisschen nervig, aber nicht wirklich schlimm. Die nächste kam eine halbe Stunde später. Wir waren locker 3 Stunden vor Abflug am Flughafen.
Und es war gut, dass wir das waren, denn da war nicht viel los und die Technik funktionierte. Wir hatten in nicht ganz einer halben Stunde eingecheckt, Koffer abgegeben und waren durch die Sicherheitskontrolle. Mich haben sie natürlich wieder rausgezogen, weil irgendwas gepiepst hat. Mein Gürter wahrscheinlich und die Schuhe... auf dem Monitor war auch eine Meldung auf Höhe meiner Knie zu erkennen. Keine Ahnung, was das gewesen sein könnte. Falte in der Jeans?
Das Boarding begann verspätet und wurde dadurch verzögert, dass UK und damit auch Schottland nicht mehr in der EU sind. Darum gibt es seltsame neue Passvorschriften, die besagen, dass nach der Passkontrolle am check-in und nach der der Polizei am Gate noch eine stattfinden muss. Darum mussten wir erst einmal wieder alle aus dem abgesperrten Bereich des Gates nochmal raus, damit unsere Pässe kontrolliert werden konnten. Dann mussten am anderen Ende des Bereiches, wo es nach draußen ging, nochmal unsere Bordpässe kontrolliert werden. Da für beides nur eine Eurowings-Angestellte zur Verfügung stand, musste sie zwischen den beiden Stationen immer wechseln, was die Sache noch zusätzlich verzögert hat. Und dann war auch noch irgendwas anderes, was dazu geführt hat, dass die Leute, die sie schon aufs Rollfeld geschickt hatte, um einzusteigen, alle wieder zurückgetrieben werden mussten.
Aber all das hatte eh keine Bedeutung, denn als wir dann alle im Flieger drin waren, kam die Nachricht, dass nicht klar ist, wann wir fliegen, weil uns noch 42 Passagieren fehlen, auf die wir noch warten müssen.
Mir war neu, dass auf Passagiere gewartet wird, wenn die nicht rechtzeitig da sind. Ich dachte immer, wer nach all den Aufrufen nicht auftaucht, dessen Koffer holen sie wieder raus und gut ist. War wohl falsch.
Im Nachhinein klang es so, als sei irgendwas mit der Technik des Flughafens beim Check in nicht in Ordnung gewesen (oder bei der Sicherheitskontrolle?), so dass die Passagiere keine Schuld traf, und was dann schon irgendwie erklären würde, warum wir gewartet haben...
Ich hätte es nett gefunden, wenn sie uns einen Countdown gezählt hätten. So alle 10 Minuten, "noch 38 Passagiere fehlen", "noch 25 fehlende Passagiere"... das wäre unterhaltsam gewesen und man hätte das Gefühl gehabt, dass sich immerhin irgendwas tut. So haben wir alle nur ratlos rumgesessen und gewartet, bis es dann irgendwann "boarding completed" hieß. Man konnte den ganzen Flieger aufatmen hören und dann gabs Applaus. Das war auch lustig. Und den Leuten, die voller Unverständnis darüber waren, wie es so viele Leute rechtzeitig hatten schaffen können, vielleicht auch etwas peinlich. Dass man jetzt drei Stunden vorher am Flughafen sein soll, scheint einigen Leuten tatsächlich immer noch neu zu sein.
Nachdem wir dann aber alle Passagiere hatten, waren wir zügig weg. Türen zu, Sicherheitsballett, los gings. Wir waren mit etwa einer Stunde Verspätung in Edinburgh.
Edinburgh hat jetzt eine schicke neue Tramlinie, die in etwa alle 10 Minuten ins Zentrum fährt. Dabei kommt sie an diversen Bahnhöfen vorbei, und wir sind damit nach Haymarket gefahren. Wir hätten auch bis Waverley fahren können, aber warum sollte man in einem vollen Großbahnhof umsteigen wollen, wenn man das auch in einem leeren Kleinbahnhof tun kann? Haymarket ist klein, übersichtlich und war zum Glück auch recht leer. Etwa eine halbe Stunde nach unserer Abfahrt sollte sich das schlagartig geändert haben, denn im Stadion um die Ecke spielte Schottland gegen Italien Rugby (ich glaube, Schottland hat gewonnen), und die Fans wollen ja auch wieder nach Hause. Die Bahnangstellten waren jedenfalls damit beschäftigt, Massen von Metallabsperrungen aufzubauen, um da den reibungslosen Ablauf zu gewährtleisten, das war schon ein bisschen schräg.
Wie jede Gegend in Großbritannien hat auch Schottland eine Eisenbahngestellschaft, die sie als Hauptanbieter bedient. Im Falle von Schottland ist das ScotRail (Scotland's Railway), deren Züge entweder blau mit weißen Andreaskreuzen sind oder silbern und mit Schattenrissen der berühmtesten Sehenswürdigkeiten bedruckt. Wir hatten alle Karten vorab gekauft, so dass wir die an Edinburgh Airport nur noch aus dem Automaten holen mussen (nachdem wir den gefunden hatten, lief das dann auch gewohnt einfach und problemlos), und weil wir das mit der Verspätung des Flugszeugs schon befürchtet hatten, haben wir anytime-Tickets gekauft. Das hat den Vorteil, dass man am entsprechenden Tag jeden Zug nehmen kann, der die Strecke bedient, egal wann und auf welcher Route, und den Nachteil, dass man dann keinen reservierten Sitzplatz bekommen kann. Da wir jetzt aber eine Stunde später unterwegs waren als geplant, war es in jedem Fall die richtige Entscheidung.
Der Zug nach Aberdeen kam von Waverley, war also nicht leer, als er einfuhr, aber es gab noch Platz für die Koffer in der Ablage und wir haben Sitzplätze in Sichtweite bekommen, um drauf aufzupassen. War also sehr entspannt und problemlos. Der Zug war pünktlich, aber es war dann halt doch schon so spät, dass wir direkt abendessen gegangen sind und nachher nur noch eine Runde um den Block gegangen sind, um nicht nur den ganzen Tag zu sitzen.
Der Bahnhof von Aberdeen ist übrigens sehr hübsch. Schöne Mischung aus viktorianischer Nostalgie und modernen Anbauten. Zumindest von innen. Von außen ist er eher unscheinbar.
Das nächste Verkehrsmittel war die Fähre nach Lerwick, mit Halt auf der Strecke in Kirkwall. Bedient wird die Strecke von Northlink Ferries (Onward, Voyager, to Orkney and Shetland), mit den Schwesterschiffen MV Hjaltland und MV Hrossey, die im Pendelverkehr immer hin und her fahren (und immer über Nacht). In unserem Fall war es die MV Hjaltland, die um 17 Uhr von Aberdeen losfuhr. Einchecken beginnt zwei Stunden vorher und endet für Autos eine Stunde vor Ablegen und für Fuß-Passagiere eine halbe Stunde vorher. Keine Frage, wir waren vor 15 Uhr am Hafen und unter den Ersten, die aufs Schiff gingen. Wir sind halt so.
Nötig gewesen wäre es nicht, denn wir hatten eine Kabine. Die Hjaltland hat 356 Betten für Passagiere an Bord, die sich über Deck 5 verteilen, in laut Wikipedia 100 Kabinen. Einige davon sind Pet-friendly, denn man darf auch sein geliebtes Haustier mit an Bord nehmen, auch wenn genau geregelt ist, wo man damit hin darf. Man kann auch sein geliebtes Auto mitnehmen, die Hjaltland hat eine Kapazität von 125 PKW und eine Gesamt-Passagierzulassung von 600 Personen. Kurz, sie ist ein sehr großes Schiff.
Sie hat auch einen kleinen Shop an Bord, eine Bar, ein Restaurant und eine Lounge. Lounge und Bar haben bis Mitternacht geöffnet, das Restaurant nur bis 20 Uhr, da muss man sich also ranhalten, wenn man etwas zu essen haben möchte. Gefühlt war das Schiff nicht voll, aber das muss nichts heißen, denn wir haben uns die meiste Zeit in der Kabine aufgehalten. Das war einfach am gemütlichsten so.
Wir hatten bestes Wetter für die Fahrt. Blauer Himmel, kaum Wind, spiegelglattes Meer. Trotzdem bließ es einen auf dem Oberdeck beinahe weg und war zu kalt, um da auf lange Sicht zu bleiben. Außerdem machen sie es um 22 Uhr zu, so dann man sich nur noch im kleinen Raucherbereich auf Deck 6 draußen aufhalten kann.
Wir sind dann aber auch umgehend ins Bett gegangen, denn ziemlich schnell sieht man nichts mehr außer Wasser, Himmel und Wolken.
Wir haben so um 23 Uhr rum in Kirkwall angelegt und gefühlt erst um halb eins wieder abgelegt, was aber eigentlich nicht sein, kann, weil der Fahrplan sagt, dass um 23 Uhr 45 abgelegt wird, und wir pünktlich in Lerwick waren am nächsten Morgen. Aber wer weiß....
Die Nacht war ruhig, ich habe erstaunlich gut geschlafen. Wir haben im Restaurant zu Abend gegessen, das war auch lecker, aber wir haben nicht an Bord gefrühstückt, auch wenn das möglich gewesen wäre. Man darf sogar nach Anlegen eine halbe Stunde länger an Bord bleiben, um zu Ende zu frühstücken, wenn man das will. Essen ist nicht inklusive, aber durchaus bezahlbar bis günstig.
Wir waren dann aber doch recht zügig wieder von Bord, denn wir wurden von unser Mietwagenfirma erwartet, die uns den Wagen ans Terminal gebracht hatte, damit wir ihn direkt da übernehmen konnten. Bolts Car Hire scheint der dominierende Autoverleih von Shetland zu sein, denn Wagen von ihnen haben wir sehr oft irgendwo getroffen. Die Übernahme war schnell und unkompliziert und beinhaltete unseren Lieblingssatz "don't worry about scratches".
Der Mietwagen war ein Skoda CityGo, der uns sofort damit beindruckte, dass beide Koffer problemlos in den Kofferraum passten. Ein kleines Auto mit nur wenig PS, woran man sich gewöhnen musste, da Shetland doch sehr viel bergiger ist als man erwartet, aber klein war gut und das Handling war einfach. Wir sind ja auch schon seit Jahren nicht mehr Linksverkehr gefahren. Wir haben ihn Nandu getauft und sind wirklich gut mit ihm ausgekommen.
Da Shetland nur wenige Sehenswürdigkeiten hat, haben wir uns das so vorgestellt, dass Nandu beim Losfahren immer Dinge gedacht hat wie "Okay, wir fahren nach Süden, Jarlshof also." oder "Ah, heute nach Norden, das bedeutet Fähre nach Yell und Unst.". Und dass wir ihn vielleicht doch ein bisschen überrascht haben, denn wir sind auch Steine suchen gefahren, und das macht ja nicht jeder.
Insgesamt sind wir 365 Meilen (587,4 km) zusammen gefahren.
Dann ging es wieder auf die MV Hjaltland, diesmal nur bis Kirkwall, was die Hjatland in etwas über 5 Stunden schafft. Wir hatten keine Kabine, waren aber beinahe die Ersten an Bord und haben einen tollen Platz auf Deck 6 in der Bar vorne am Bug bekommen, mit einem praktischen Tisch zum Scrabble spielen. Das war nur bedingt eine gute Idee, denn auch bei ruhiger See schwankt es da vorne doch ganz schön, und auf Buchstaben zu starren ist da nicht unbedingt ratsam. Also sind wir was essen gegangen und haben uns dann auf Deck 5 auf Sessel im Gang gesetzt. Da hatte man keine Aussicht, aber es war deutlich ruhiger. Auch, was die Menschenmassen anging, denn gefühlt war die Hjaltland deutlich voller als auf der Hinfahrt.
In jedem Fall hat sich die Fahrt doch deutlich gezogen und wir waren froh, als wir in Kirkwall ankamen. Und dass wir uns ein Taxi an den Hafen bestellt hatten. Es stiegen nämlich Massen von Menschen in Kirkwall aus, inklusive die Insassen eines Reisebusses, der auch mitgefahren war, und alleine der war am Anleger schon allen und jedem im Weg. Da jetzt noch den Bus zu suchen, die richtige Haltestelle zu finden... oder auch nur ein freies Taxi... Nein. Wir hatten eins, von Orkneycabs, mit denen der Mailverkehr beeindruckend schnell und prompt war, wenn auch ein bisschen verwirrend, das hat auf uns gewartet, und wir waren zügig im Hostel und konnten ins Bett gehen. Die 10 Pfund waren bestens investiert.
Am nächsten Morgen haben wir den nächsten Mietwagen übernommen. Sally, ein knallblauer Ford Ka+ von WR Tullock, den ich spontan für einen Fiesta gehalten hätte. Aber Kas sind halt auch keine Kleinstwagen mehr. Sally hatte deutlich mehr PS als Nandu, war aber einfach zu fahren und solide in der Technik und zum Glück hatten wir uns für die 60 Pfund mehr zur Selbstbehaltsreduzierung entschieden, denn am letzten Tag, 200 m vor der Autovermietung, ist uns wer reingefahren. So wurden dann nur 700 Pfund für die beschädigte Rückgabe fällig statt 1500 Pfund. Wir wissen schon, warum wir normalerweise über ein Portal und ohne Selbstbehalt buchen, aber auf Orkney ging das nicht. Klar, dass genau dann was passiert. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Und wir waren nicht schuld.
Ansonsten hat Sally uns aber treu und brav über Mainland und Hoy getragen, in etwa 250 Meilen (402,3 km) insgesamt. Wir haben keine genaue Zahl, weil wir in all dem Chaos bei der Abgabe nicht mehr auf den Meilenstand geguckt haben.
Dann sind wir Bus gefahren. Von Kirkwall nach Stromness. 4 Pfund pro Person, also nicht grade günstig. Die Fahrt dauert in etwa eine Stunde, Haltestellen unterwegs sind nur seltenstenst erkennbar. Ich hatte das Gefühl, dass jeder, der aussteigen will, einfach mal drückt, und der Bus hält dann am nächsten Haus. Zum Glück hat Kirkwall einen deutlich erkennbaren Bushof zum Einsteigen und wir wussten, wie Stromness Hafen aussieht, denn es gibt keine Anzeigen, wo man ist. Busfahren ist immer die Königsdiziplin.
Dann ging es wieder aufs Schiff, diesmal auf die MV Hamnavoe. Auch die gehört Northlink Ferries, ist aber deutlich kleiner als die Hjaltland (19 Kabinen, 98 PKW, Maximalkapazität aber auch 600 Passagiere). Auch sie hat ein Restaurant und eine Lounge, aber keine Bar, dafür aber eine Pet-Lounge für Leute mit geliebtem Haustier. Der Außenbereich ist zwei Decks tiefer als bei der Hjaltland (keine Ahnung, ob die Hamnavoe überhaupt ein Deck 8 hat), aber dafür deutlich größer.
Die Strecke, die sie fährt, ist auch deutlich kürzer, von Stromness nach Scrabster dauert es nur anderthalb Stunden. Oder wie zu unserer Fahrt eindreiviertel Stunden, denn sie ist eine Viertelstunde früher ausgelaufen. Wahrscheinlich, weil ein doch recht starker Wind herrschte, und das die Fahrt länger dauern lässt. Es heißt, bei ruhiger See fährt die Hamnavoe sehr nah am Old Man of Hoy vorbei, an diesem Morgen hielt sie einen deutlich großen Abstand. Das Licht war absolut fantastisch, extrem klar, mit tollen Reflektionen auf den Wellen, aber ich habe nur ein einziges Foto davon, weil alles so schwankte. Und besonders viel davon gesehen habe ich auch nicht. Schade eigentlich.
Wir waren pünktlich in Scrabster, und da wartete wieder ein Taxi auf uns. Das war diesmal nicht so selbstverständlich, denn das war gar nicht so einfach.
Taxifirma 1: Wir schreiben eine Mail, bekommen keine Antwort.
Taxifirma 2: App herunterladen. App braucht einen Aktivierungscode über SMS. SMS kommt nicht, auch nicht im wiederholten Versuch. Also Mail geschrieben. Keine Antwort. Nächster Morgen, nochmal App versucht, diesmal kommt SMS, sogar in dreifacher Ausführung (inklusive der von gestern wohl...). App aktiviert, Taxi gebucht, automatische Bestätungsmail kommz. Fünf Stunden später kommt Mailantwort auf Mail vom Vortag. Antwort geschrieben, dass zwischenzeitlich App funktioniert hat. Keine Ahnung, ob und wie viele Taxis jetzt warten werden.
Als wir ankommen, warten Taxis, aber keins trägt der Logo der Firma, bei der wir gebucht haben. Der Fahrer des mittleren Taxis sieht unsere ratlosen Gesichter und fragt uns, ob wir bei Highland Taxis gebucht haben. Es ist unser Taxi, auch wenn Pentland Taxis draufsteht. Verwirrend, aber im Grunde ist es ja egal. Hauptsache Taxi und wir sind rechtzeitig am Bahnhof.
Was wir sind. Problemlos. Wie die anderen Taxis auch, denn ein Taxi ist die einzige Möglichkeit von der Frühfähre rechtzeitig zum Zug nach Inverness zu kommen, und man sollte dieses Taxi zwingend vorbestellen, denn es stehen keine einfach so rum, um mal zu sehen, ob einer eins will.
Randbemerkung: Im Grunde ist die App praktisch. Sie gibt einen Kostenvoranschlag, der auf die 10 Pence genau gestimmt hat, sie hat verkündet "Das Taxi ist unterwegs.", "Das Taxi ist da." und die Quittung ist auch innerhalb von Minuten da. Wenn man also mal wieder ein Taxi in UK braucht ist das eine echt gute Option. Man muss sie halt erstmal aktiviert bekommen.
Der Zug nach Inverness kommt aus Wick. Wieder ist er von Scotrail und er ist auch recht gut besetzt. Während der Reise wird er wie zu erwarten voller, denn wir bewegen uns ja auf die größte Stadt der Highlands zu. Die Strecke gilt als eine der schönsten in Schottland und führt gerade am Anfang über beeindruckend leere, raue Landschaft. Es gibt eine Menge Hirsche zu sehen, auch in größeren Gruppen, und sonst vor allem Heide, die sogar blüht, und ein paar Seen. Später wird es grüner und weniger leer, aber der raue Eindruck bleibt.
Auch hier hatten wir ein Anytime-Ticket, für den Fall, dass mit der Fähre etwas ist. Oder dass wir es nicht rechtzeitig zum Bahnhof schaffen. Züge fahren hier nur alle vier Stunden, aber wir hätten es dann mit dem nächsten immerhin nach Inverness geschafft.
Fahrtdauer ist etwa vier Stunden (es gibt einen Langstreckenbus, der es in 3 schafft, aber wie gesagt, bekanntermaßen schöne Zugstrecke).Wir sind pünktlich in Inverness.
Von da aus hätten wir ein Ticket mit Zugbindung kaufen können, denn das in jeder Hinsicht tolle The Royal Highland Hotel liegt keine Minute vom Bahnhof entfernt. Haben wir aber nicht. So konnten wir spontan am Morgen entscheiden, wie früh wir aufstehen oder wie lange wir frühstücken wollen, und es hätte auch noch für einen weiteren Spaziergang durch Inverness gereicht, wenn wir das gewollt hätten. Aber wir haben uns nur einen Zug ausgesucht, der für uns bequem fuhr, so dass wir so um Mittag herum in Stirling sind.
Die Züge fahren in etwa jede Stunde und die Fahrt nach Stirling dauert in etwa drei Stunden. Wieder geht es durch viel Landschaft, auch Heide ist wieder dabei, und ein sehr schönes Bergtal. Auch diese Zustrecke ist sehr schön und damit sehr zu empfehlen, wenn man etwas von der Landschaft sehen will. Sie ist abwechslungsreicher als die vom Tag davor, hat dafür aber auch nicht dieses Gefühl endloser Weite. Auf jeden Fall sind beide Fahrten sehr lohnend.
Wir haben am Ende Verspätung, ich habe nicht nachgehalten wieviel, aber es kann nicht mehr als zwanzig Minuten gewesen sein. Irgendwas am Zug war nicht okay und sie mussten es reparieren, darum haben wir in einer Station länger gehalten. Den Namen habe ich vergessen, aber sie war sehr hübsch weiß und rot und es fuhr eine Heritage Railway.
Auch Stirling hat einen sehr schönen Bahnhof, in weiß-blauer Optik, mit einer sehr schönen Brücke mit geschwungenen Treppen. Generell gibt es in Großbritannien noch eine Mege sehr schöner Bahnhöfe mit Flair. 70er Betonbauten sind eher die Ausnahme.
Auch sehr beeindruckend auf der Fahrt übrigens der Bahnhof von Perth, alleine schon durch seine Größe. Und ich glaube, es war Sandstein. Sehr schick.
In Stirling wollten wir Bus fahren, weil die Autovermietung etwas weiter draußen lag. Wir hatten die Linie nachgeschlagen und dass sie etwa alle halbe Stunde fährt und von wo. Busbahnhof! Man weiß, wo die Haltestelle ist! Und dieser hat sogar einen Ticketschalter - wo man uns allerdings zwei völlig andere Linien nennt, die völlig anders fahren und das auch erst in über eine Stunde. Sehr verwirrend. Karten gibt es nur im Bus selbst, also suchen wir an den Haltebuchten mal nach dem Bus, den wir selbst rausgesucht haben, in der Hoffnung, da mehr Informationen einholen zu können.
Wir finden ihn auch und mit ihm eine sehr freundliche Fahrerin, die uns mitteilt, dass der Bus leider kaputtgegangen ist und nicht fahren wird. Wir entscheiden spontan, die knapp zwei Meilen zu laufen. Okay, es ist warm und schwül, und wir haben Gepäck, aber auch das wird sich hinkriegen lassen. (Der Autovermieter hätte uns aber auch abgeholt, wenn wir angerufen hätten.)
Unser Vermieter diesmal ist Arnold Clark. Arnold Clark ist eine riesige Firma, die nicht nur Autos verleiht, sondern auch verkauft. Und nicht nur eine Marke. Sie haben alleine in Stirling mindestens fünf Filialen und wie immer in Geweberbegebieten gibt es keine Hausnummer. Wir haben uns auf der Karte herausgesucht, dass die Vermietung neben der Volvo-Filiale von Arnold Clark ist, also gehen wir da mal gucken. Treffen vor der Tür auch einen freundlichen Mitarbeiter und fragen ihn, wo die Autovermietung ist. Er ist sehr überrascht, dass es eine gibt, hat selbst keine Ahnung, geht aber schnell mal bei Volvo fragen. Es dauert nur eine Minute und er kann uns mitteilen, dass wir einfach nur über den Parkplatz von Volvo gehen sollen, da kommt dann noch eine Tür und da ist die Vermietung. Und genauso ist es dann auch.
Wir bekommen einen Peugeot 208 GT in knalligem metallicblau, welshalb wir ihn Blue getauft haben. Wieder ist er deutlich größer als die vorherigen Wagen, vor allem aber ist er modern. Sehr modern. Es gibt kein Schloß. Man geht mit dem Schlüssel in die Nähe des Wagens und er öffnet sich. Man geht mit dem Schlüssel weg und er schließt ab (wenigstens piept er dabei sehr laut und klappt die Außenspiegel ein, so dass man deutlich erkennen kann, dass er das tut). Er hat auch kein Zündschloß, sondern nur einen Knopf. Und keine Handbremse, sondern nur einen Knopf. Um den Wagen starten zu können, muss man mit einem Fuß auf der Kupplung stehen, um die Handbremse lösen zu können, muss man mit einem Fuß auf der Bremse stehen. Dabei haben wir dann gelernt, dass ich ohnehin sofort auf Kupplung und Bremse stehe und dass die werte Mitreisende nur die Kupplung tritt.
Auch hat Blue ein virtuelles 3D-Armaturenbrett, auf dem er in Schichten alle Informationen einblendet. Er hat ein Erkennungssystem für Geschwindigkeitsschilder, blendet das zuletzt erkannte Schild ein und wenn man die darauf angegebene Geschwindigkeit überschreitet, blinkt das Schild rot. Wenn er weiß, dass irgendwo eine Blitze steht, dann klingelt er unmittelbar vor und nach der Blitze sehr laut, was einen zu Tode erschreckt (und ich bin sicher, diese Funktion wäre in Deutschland gesetzwidrig), und auf einer A-Road klingelte er plötzlich ebenfalls sehr laut und blendete ein Symbol ein, das im Handbuch nicht zu finden war. Da es eine vierspurige A-road war, blieb uns nicht übrig, als bis zur nächsten Ausfahrt zu fahren, auf der er dann prompt wieder klingelte und das Symbol ausblendete. Also haben wir anhand des Aussehens des Symbols entschieden, dass es bestimmt was mit dem Spurassistenten zu tun hat, haben aber immer noch keine Ahnung, was an der A9 zwischen Perth und Stirling so Besonders ist, dass man diese Funktion nur da braucht.
Auf dem Motorway hat er wohl auch mitgelenkt, aber weder geklingelt noch Symbole eingeblendet.
Kurz, wir waren Blue technisch nicht gewachsen, er hat uns immer wieder mit Symbolen und Warntönen erschreckt und verwirrt, und war sicher auch nicht begeistert, dass wir mit ihm über winzige Seitenstraßen und sogar über Schotter gefahren sind, weil das nicht das ist, wofür ein GT so gemacht ist. Trotzdem hat er tapfer durchgehalten, für 295 Meilen (gut 473 km).
Wir hätten nächstes Mal aber lieber wieder was Einfacheres.
Mit Blue sind wir dann auch nach Edinburgh Airport gefahren - Warum ist auf dem South Bypass sonntags soviel los? - um ihn da bei Arnold Clark wieder abzugeben. Deren Filiale liegt direkt neben der Ausfahrt (und ich bin nach längerem Nachdenken ziemlich sicher, dass wir da auch schonmal waren), es ist also bis zum eigentlichen Flughafen noch ein Stück. Aber dafür haben sie ein kostenloses Shuttle, was auch bedeutet, dass man nicht selbst in das Chaos hineinmuss. Vorteil. Flughäfen sind ja immer eher merkwürdig mit ihren Verkehrsführungen.
Auch hier waren wir locker drei Stunden vorher da, wie verlangt - was aber nichts nutzt, denn in Edinburgh hat Eurowings keine eigenen Schalter und macht erst zwei Stunden vor Flug einen auf. Das hat dann aber gut geklappt, auch wenn wir vorab keine Bordkarte erstellen konnten, und auch wenn man die Koffer selbst aufs Gepäckband wuchten muss. Immer nur einen Koffer zwischen zwei weiße Streifen.
Sicherheitskontrolle war auch zügig, man hat mich nicht rausgezogen, und Edinburgh Airport hat auch noch immer Wasserhähne direkt hinter der Kontrolle, wo man seine Flaschen wieder auffüllen kann. Sehr schön. Uhd der Flug war auch pünktlich.
Der Flug ging übrigens nach Düsseldorf. Da war sehr viel los. Sonntagsabends um zehn... auch im Zug nach Dortmund, wo unser Hostel war, war sehr viel los. Wo wollen all diese Leute um diese Uhrzeit hin? Müssen die alle montagsmorgens nicht arbeiten?
Der Zug - RE1 nach Hamm - hatte diverse Probleme. In Leverkusen wird gebaut, da gibt es schon lange Verspätungen, weil da nur ein Gleis befahrbar ist. Also war er schonmal 20 Minuten verspätet. Im Ruhrgebiet wird nachts auch gebaut, also war die Strecke über Essen und Bochum gesperrt, der Zug wurde ab Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Herne umgeleitet. Da das aber quasi für jeden Zug gilt, war viel los und wir mussten erstmal vor Duisburg ewig warten, und später konnte der Zug nur sehr langsam fahren. Wir haben Dortmund also erreicht, aber mit einer Verspätung von 50 Minuten. Das war um die Uhrzeit schon ein bisschen nervig, auch wenn wir nichts tun mussten, als herumsitzen und warten, bis wir ankommen.
Bis zum RE1 war die Bahn der klare Sieger. Jetzt läuft es sich in etwa gleich mit dem Flugzeug. Wobei die Bahn ja immer erschwerte Bedingungen hat, denn wenn der Flieger einmal unterwegs ist, ist die Wahrscheinlichkeit, weitere Verspätung einzufliegen, gering. Mit Stops an vielen Bahnhöfen kann an jedem wieder was passieren, was mehr Verspätung verursacht.
Die Züge, die uns dann in entgegengesetzte Richtungen wieder heimgebracht haben, waren aber wieder pünktlich. Meiner hat sich auf der Strecke noch 10 Minuten Verspätung erfahren - Umleitung hinter Düsseldorf wegen Leverkusen - und der der werten Mitreisenden durchgängig pünktlich bis zum Schluss.
Im Grunde wars okay. Wenn man bedenkt, wie viele Faktoren wir diesmal drin hatten, ist es sogar erfreulich glatt und reibungslos gelaufen.