Opéra Rock von Michel Berger (Komponist) und Luc Plamondon (Texter)
offizielle DVD einer live gefilmten Aufführung aus dem Jahre 1989 (wenn ich dem Abspann glauben kann)
Es steht auch das Theater irgendwo in der Angabe, aber das habe ich wieder vergessen.
Das ist die Version, mit der ich zum ersten Mal mit der Show in Berührung gekommen bin. Nicht die, in der sich sie zum ersten Mal gesehen habe, aber die, mit der ich die ersten Songs daraus gehört und von ihrer Existenz erfahren habe. Essen 1991, nicht die franzlsische Version, aber es ist eindeutig dieselbe Inszenierung, sogar bis hin zu den Kostümen. Wobei ich natürlich nicht sagen kann, ob sie die Regie für Deutschland ein bisschen gestrafft hatten. Französische Musical-Regie basiert ja oft eher darauf, dass die Protagonisten einfach auf der Bühne herumstehen und ihren Song singen, in Deutschland wird dann noch meist etwas mehr gemacht.
Es ist also genau das, was meinem Bild der Show zugrunde liegt.
Die Inszenierung ist aus den Achtzigern und sieht auch genauso aus. Die Étoiles Noires tragen schwarzes Leder, enge Jeans, Löcher in den Klamotten und Nieten. Ziggy hat eine Glitzerjacke, eine Föhnfrisur und einen Ohrring. Stellas Kleider sehen aus wie Sahnetorten. Alle Frauen außer Sadia haben riesige toupierte Dauerwellenfrisuren. Die auf der Bühne verwendete Handkamera ist ein zeitgemäßer Camcorder mit Videocassette. Das Bühnenbild ist minimalistisch, eine Stahlaufbaute mit zwei Etagen und einem Aufzug in der Mitte, dazu diverse Tücher, ein schwenkbarer Kran mit Plattform und ein absenkbarer Stern, auf dem Stella hereinschweben kann. Das Underfground Café ist eine Absenkung vorne im Boden, so dass Mari Jeanne die ganze Zeit auf der Bühne sein kann ohne dabei im Bild zu sein. Ferner macht die DVD von Bildern der Handkamera Gebrauch, um die Bilder von Télé-Capitale etc. zu verdeutlichen und sie haben offenbar auch noch einen Effektvorhang, den sie vorne an der Bühne absenken können, um Dinge drauf zu projezieren.
Auch hier passt die Show - genau wie in der aktuellen Inszenierung - perfekt in die Zeit ihrer Aufführung, suggeriert Aktualität und klingt auch genauso. In diesem Fall also deutlich nach 80er, mit elektronischen Anklängen, auch wenn Saxophon und Klavier deutlich dominiern. Es klingt handgemachter als heute. Bodenständiger.
Die Inzenierung ist wie gesagt minimalistisch. Es gibt so gut wie keine Choreographie, meistens steht der/die Sänger*in herum oder bewegt sich von einem Bühnenende zum Anderen wie bei einem Konzert. Dafür findet deutlich Interaktion zwischen den Charakteren statt, und das ist für mich persönlich wichtig für die Emotionalität der Show, das hat mir in der Version dieses Frühjahr gefehlt.
Die zentrale Rolle - im Gegensatz zu der aktuellen Version, in der es Zéro ist - ist übrigens eindeutig Cristal. Ihre Veränderung vom nützlichen Mitglied der Gesellschaft als "Lächeln von Télé-Capitale" über das Durchbrennen mit Johnny bis hin zur radikalen Aktivistin, die bereit ist, alles für das Ziel zu opfern, selbst eben diese Beziehung, die ihr alles bedeutet. Dabei dominiert die Rolle die Show dermaßen, dass es nicht überraschend ist, dass es ihr mühelos gelingt, Sadia auzubooten. Die war übrigens in der aktuellen, kalten Inszenierung eine deutlich formidablere Gegnerin als in dieser.
Das mag auch daran liegen, dass es hier nicht Sadia ist, die Cristal erschießt. Cristal wird zwar erschossen, aber wir sehen nicht, wer der Schütze ist. Es ist auch keine Bombe zu sehen, der Turm wird nicht gesprengt, auch wenn zuvor von einer Bombe die Rede war. Johnny überlebt und wird verhaftet - es gibt zuvor eine intressante Szene, in der Cristal und Johnny offenbar uneinig sind, er versucht, sie festzuhalten, aber sie reißt sich los und rennt davon, und er rennt in die andere Richtung... ich neige dazu, das dahin zu interpretieren, dass er kalte Füße bekommen hat und beim Bombenanschlag nicht mehr mitmachen will. Das würde auch erklären, warum er nicht mit vor Ort ist und nicht mit erschossen wird.
Auch der Rest überlebt die Show, Cristal ist die einzige Tote. Zéro gewinnt die Wahl, es kommt kein Gegenspieler im Stück vor, und Stella scheint von seiner Politik auch nicht besonders entsetzt.
Das vorletzte Lied, vor "Le Monde est Stone", ist ein Terzett für Zéro, Stella und Johnny, direkt nach der Verkündung des Wahlsieges, bei dem Zéro und Stella sein "Le blues de businessman" reprisen und Johnny Cristals "J'ai besoin d'amour". Das kann ich noch am ehesten verstehen, denn er hat sie gerade erst verloren und trauert um sie, aber warum Zéro sich ausgerechnet im Moment seines größten Triumphs wieder daran erinnern sollte, das er eigentlich lieber Künstler wäre... Mal ganz abgesehen von Stella, die darüber singt, dass sie gerne Schauspieler wäre - sie ist Schauspielerin! Sie hat die Filmkarriere grade erst aufgegeben! Und die war ja offensichtlich auch nicht so die Erfüllung...
Das habe ich also nicht so ganz verstanden (abgesehen davon, dass der Blues, wie ich ja gelernt habe, der bekannteste und markanteste Song der Show ist, und es darum immer gut ist, den zu singen, weil die Leute das hören wollen). Ebenso wenig habe ich verstanden, warum eine der Étoiles Noires im zweiten Akt plötzlich einen Stoffhasen mit sich herumschleppen musste. Symbolisch?
Oh, und Ziggy will in dieser Version Rock-Schlagzeuger werden und spielt tatsächlich auch auf offener Bühne Schlagzeug. Das war ein nettes Gimmick und eine hübsche Szene für ihn und Marie Jeanne, die der Beziehung der Charaktere sehr zuträglich war.
Sehr schön. Und gute Qualität, mit den kleinen Abstrichen von typischen 80er-Jahre-Videoeffekten, damit es möglichst modern wirkt.
offizielle DVD einer live gefilmten Aufführung aus dem Jahre 1989 (wenn ich dem Abspann glauben kann)
Es steht auch das Theater irgendwo in der Angabe, aber das habe ich wieder vergessen.
Das ist die Version, mit der ich zum ersten Mal mit der Show in Berührung gekommen bin. Nicht die, in der sich sie zum ersten Mal gesehen habe, aber die, mit der ich die ersten Songs daraus gehört und von ihrer Existenz erfahren habe. Essen 1991, nicht die franzlsische Version, aber es ist eindeutig dieselbe Inszenierung, sogar bis hin zu den Kostümen. Wobei ich natürlich nicht sagen kann, ob sie die Regie für Deutschland ein bisschen gestrafft hatten. Französische Musical-Regie basiert ja oft eher darauf, dass die Protagonisten einfach auf der Bühne herumstehen und ihren Song singen, in Deutschland wird dann noch meist etwas mehr gemacht.
Es ist also genau das, was meinem Bild der Show zugrunde liegt.
Die Inszenierung ist aus den Achtzigern und sieht auch genauso aus. Die Étoiles Noires tragen schwarzes Leder, enge Jeans, Löcher in den Klamotten und Nieten. Ziggy hat eine Glitzerjacke, eine Föhnfrisur und einen Ohrring. Stellas Kleider sehen aus wie Sahnetorten. Alle Frauen außer Sadia haben riesige toupierte Dauerwellenfrisuren. Die auf der Bühne verwendete Handkamera ist ein zeitgemäßer Camcorder mit Videocassette. Das Bühnenbild ist minimalistisch, eine Stahlaufbaute mit zwei Etagen und einem Aufzug in der Mitte, dazu diverse Tücher, ein schwenkbarer Kran mit Plattform und ein absenkbarer Stern, auf dem Stella hereinschweben kann. Das Underfground Café ist eine Absenkung vorne im Boden, so dass Mari Jeanne die ganze Zeit auf der Bühne sein kann ohne dabei im Bild zu sein. Ferner macht die DVD von Bildern der Handkamera Gebrauch, um die Bilder von Télé-Capitale etc. zu verdeutlichen und sie haben offenbar auch noch einen Effektvorhang, den sie vorne an der Bühne absenken können, um Dinge drauf zu projezieren.
Auch hier passt die Show - genau wie in der aktuellen Inszenierung - perfekt in die Zeit ihrer Aufführung, suggeriert Aktualität und klingt auch genauso. In diesem Fall also deutlich nach 80er, mit elektronischen Anklängen, auch wenn Saxophon und Klavier deutlich dominiern. Es klingt handgemachter als heute. Bodenständiger.
Die Inzenierung ist wie gesagt minimalistisch. Es gibt so gut wie keine Choreographie, meistens steht der/die Sänger*in herum oder bewegt sich von einem Bühnenende zum Anderen wie bei einem Konzert. Dafür findet deutlich Interaktion zwischen den Charakteren statt, und das ist für mich persönlich wichtig für die Emotionalität der Show, das hat mir in der Version dieses Frühjahr gefehlt.
Die zentrale Rolle - im Gegensatz zu der aktuellen Version, in der es Zéro ist - ist übrigens eindeutig Cristal. Ihre Veränderung vom nützlichen Mitglied der Gesellschaft als "Lächeln von Télé-Capitale" über das Durchbrennen mit Johnny bis hin zur radikalen Aktivistin, die bereit ist, alles für das Ziel zu opfern, selbst eben diese Beziehung, die ihr alles bedeutet. Dabei dominiert die Rolle die Show dermaßen, dass es nicht überraschend ist, dass es ihr mühelos gelingt, Sadia auzubooten. Die war übrigens in der aktuellen, kalten Inszenierung eine deutlich formidablere Gegnerin als in dieser.
Das mag auch daran liegen, dass es hier nicht Sadia ist, die Cristal erschießt. Cristal wird zwar erschossen, aber wir sehen nicht, wer der Schütze ist. Es ist auch keine Bombe zu sehen, der Turm wird nicht gesprengt, auch wenn zuvor von einer Bombe die Rede war. Johnny überlebt und wird verhaftet - es gibt zuvor eine intressante Szene, in der Cristal und Johnny offenbar uneinig sind, er versucht, sie festzuhalten, aber sie reißt sich los und rennt davon, und er rennt in die andere Richtung... ich neige dazu, das dahin zu interpretieren, dass er kalte Füße bekommen hat und beim Bombenanschlag nicht mehr mitmachen will. Das würde auch erklären, warum er nicht mit vor Ort ist und nicht mit erschossen wird.
Auch der Rest überlebt die Show, Cristal ist die einzige Tote. Zéro gewinnt die Wahl, es kommt kein Gegenspieler im Stück vor, und Stella scheint von seiner Politik auch nicht besonders entsetzt.
Das vorletzte Lied, vor "Le Monde est Stone", ist ein Terzett für Zéro, Stella und Johnny, direkt nach der Verkündung des Wahlsieges, bei dem Zéro und Stella sein "Le blues de businessman" reprisen und Johnny Cristals "J'ai besoin d'amour". Das kann ich noch am ehesten verstehen, denn er hat sie gerade erst verloren und trauert um sie, aber warum Zéro sich ausgerechnet im Moment seines größten Triumphs wieder daran erinnern sollte, das er eigentlich lieber Künstler wäre... Mal ganz abgesehen von Stella, die darüber singt, dass sie gerne Schauspieler wäre - sie ist Schauspielerin! Sie hat die Filmkarriere grade erst aufgegeben! Und die war ja offensichtlich auch nicht so die Erfüllung...
Das habe ich also nicht so ganz verstanden (abgesehen davon, dass der Blues, wie ich ja gelernt habe, der bekannteste und markanteste Song der Show ist, und es darum immer gut ist, den zu singen, weil die Leute das hören wollen). Ebenso wenig habe ich verstanden, warum eine der Étoiles Noires im zweiten Akt plötzlich einen Stoffhasen mit sich herumschleppen musste. Symbolisch?
Oh, und Ziggy will in dieser Version Rock-Schlagzeuger werden und spielt tatsächlich auch auf offener Bühne Schlagzeug. Das war ein nettes Gimmick und eine hübsche Szene für ihn und Marie Jeanne, die der Beziehung der Charaktere sehr zuträglich war.
Sehr schön. Und gute Qualität, mit den kleinen Abstrichen von typischen 80er-Jahre-Videoeffekten, damit es möglichst modern wirkt.