Spaß mit der Bahn
Dec. 4th, 2023 03:42 pmAuf der Strecke zwischen Köln und Berlin
Okay, auf der Hinfahrt begann der Spaß erst ab Hamm. Bis Hamm bin ich RE gefahren, der war voll und ein paar Minuten verspätet - was sicher auch zusammenhing - aber es war halt Freitagnachmittag. Da ist es wahrscheinlich immer voll. Erst nach Dortmund wurde es deutlich leerer, aber als der Zug dann den Rest der Leute an der Endstation ausspuckte, war der Bahnsteig noch immer ganz schön voll. Man macht sich einfach keinen Begriff davon, wie viele Leute in so einen Doppelstock-RE passen, auch wenn er nicht voll wirkt.
In Hamm habe ich dann übernachtet, um mit einem frühen Zug nach Berlin zu fahren. Der sollte um kurz nach sieben fahren und um kurz nach zehn in Berlin sein. Schon eine Woche vorher bekam ich die erste Mail, dass das so nicht mehr gehen würde. Der Zug existierte zwar noch, fuhr aber schon um kurz nach sechs. Gleiche Ankunftszeit, er fuhr also eine Stunde länger. Warum auch immer... Da ich eine Woche vorher zu einem anderen Ziel Bahn gefahren bin, habe ich beim Reisezentrum Köln gefragt, ob meine Reservierung trotzdem noch gilt. Ja, tut sie. So lange der Zug dieselbe Zugnummer hat, ist die Reservierung gesichert, egal, wann und wie lange er fährt. Gut zu wissen. Und wenn klar ist, dass der Zug am Zielbahnhof mehr als 20 Minuten zu spät sein wird, darf man auch schon in einen anderen steigen, wenn der vorher kommt. Auch gut zu wissen.
Die Mail mit dem Hinweis habe ich dann wieder jeden Tag einmal bekommen, selbst am Morgen der Fahrt noch. Wie sich zeigen sollte, war das gut, denn da stand drin, dass meine Zugbindung aufgehoben ist.
Der Plan war also, den Zug um kurz nach sechs zu nehmen. Wie erwartet habe ich sehr schlecht geschlafen und darum den Zug um kurz nach 5 genommen, der da auch noch existierte. Wie gesagt, Zugbindung aufgehoben. Für den habe ich mir dann am Automaten noch schnell eine neue Reservierung gezogen. Er war zwar mit mittlerer Auslastung angegeben, aber für Langstrecke habe ich lieber etwas in der Hand. Dabei zeigte mir der Automat schon an, dass die Hälfte des Zuges keine reservierbaren Plätze hatte. Okay, ist die Hälfte halt ausgebucht. Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
Bahnsteiganzeige: beide Zugteile werden angezeigt, aber in dem einen stehen statt Nummern nur X. Sieht komisch aus. Aber morgens um fünf hab ich da auch nicht wirklich drüber nachgedacht. Vielleicht hat jemand die alle gemietet? Lufthansa?
Zug fährt ein, ein namenloser ICE. Es steigen bestimmt zwanzig Leute mit mir ein und der Zug ist auch schon mäßig voll. Erstaunlich, wie viele Leute morgens so nach Berlin wollen... Die in dem Zug müssen ja alle noch früher aufgestanden sein als wir. Aber ich finde meinen Sitzplatz und oben drüber ist Platz für den Koffer. Passt doch.
Dann kommt die Erklärung für die X auf dem anderen Zugteil: Personalmangel. Wir haben nur einen Zugbegleiter, und der kann während der Fahrt nicht den Zugteil wechseln, wenn es ein Problem geben sollte. Darum muss die eine Zughälfte geschlossen bleiben. Rätsel gelöst.
Besagter Zugbegleiter kommt dann auch umgehend vorbei und will mein Ticket sehen. Das für einen anderen Zug ist, worauf er mich dann auch hinweist. Zum Glück hat die Bahn mir morgens gegen drei noch einmal ihre Dauer-E-Mail geschickt, so dass ich die vorweisen kann, und dass meine Zugbindung aufgehoben ist. Dann will er meine Bahncard sehen. Auch die habe ich - zum Glück, denn da ist mir am Tag vorher noch aufgefallen, dass ich da noch die alte in der Tasche hatte - dabei, alles gut also. Ist mir lange nicht mehr passiert, dass jemand alles sehen wollte, auch wenn das natürlich in Ordnung geht. Steht ja überall, dass man das dabeihaben muss, und dann zeige ich es auch gerne vor. Ein bisschen hat mich gewundert, dass er den Ausweis nicht auch sehen wollte, denn das Recht hätte er ja auch noch gehabt, um sicherzustellen, dass es wirklich meine Bahncard ist.
Ab Hannover wird der Zug dann wie erwartet voll. Züge nach Berlin sind immer voll, und jetzt ist es ja auch schon fast acht Uhr früh, da kann man bequem Bahn fahren.
In Berlin fahre ich ein bisschen S-Bahn. Die gibt es weiterhin im bekannten gelb-roten Design und sie sagen "zurückbleiben, bitte" vor der Abfahrt, was bei mir immer das Lied aus "Linie 1" auslöst, aber es gibt sie jetzt in klassisch und modern. Ich fahre mit einer modernen. Die haben eine Lichtanlage über der Tür, mit grünen und roten Lichtern, damit man weiß, wann man mit dem Einsteigen aufhören muss. Und die Stimme ist eine KI. Bei den Stationsnamen fällt es nicht auf, aber sobald sie einen Satz sagt, ist es deutlich hörbar.
Richtig in die Vollen geht die Bahn aber mit der Rückfahrt. Start in Berlin Ostbahnhof. Unser ICE besteht aus zwei Zugteilen mit unterschiedlichen Nummern. Das liegt daran, dass sie gemeinsam bis Hamm fahren, dort getrennt werden und dann auf zwei unterschiedlichen Wegen nach Köln fahren. Der eine oben durchs Ruhrgebiet mit all seinen großen Städten, der andere unten durchs Bergische über Wuppertal. Darum ist der durchs Bergische eine halbe Stunde schneller in Köln und ich bin auf genau den gebucht.
Dann sagt die App, dass mein ICE ausfällt. Die Bahnhofsanzeige sagt, dass er nur bis Hamm fährt. Ich wende mich also an die Auskunft, wo sich vier Berliner Bahnanstellte langweilen, und frage, was ich am besten mache. Antwort: "Ab Hamm die Reginalbahn nehmen." Okay, aber ist sicher, dass mein Zugteil bis Hamm fährt, wenn die App sagt, dass er gar nicht fährt. Und wenn er nicht fährt, kann ich dann einfach in den anderen Zugteil einsteigen? Das führt zu einer erstaunten Suche im Computer und der neuen Information, dass der gesamte Zug kommen wird und dass auch der gesamte Zug bis Köln fahren wird, wenn auch obenrum. Okay, nehme ich. Hauptsache Köln. Schaun wir mal, was passiert, wenn der Zug nur halb kommt, steige ich eben in den anderen ein. Der Zug beginnt hier, das geht schon.
Am Gleis steht einerseits, dass mein Zug nur bis Hamm fährt und andereseits, dass der Zugteil nicht kommt. Also alles beim Alten. Dann schlagen sie an, dass der Teil, der kommt, falschherum gereiht ist. Das wäre nicht schlimm, aber mich hatte kurz davor eine Dame angesprochen, mit der ich nachgesehen habe, wo ihr Waggon stehen wird - ich gehe also nochmal hin und sage ihr, dass der Waggon wo anders stehen wird. Und dann kommt der Zug, mit beiden Teilen und genauso gereiht wie angeschlagen. Zum Glück tut er das zehn Minuten vor Abfahrt, denn jetzt muss die arme Dame schon wieder zum anderen Ende. Wenn man versucht zu helfen...
Also, Zug ist da. Der andere Teil heißt Saarbrücken. Meiner heißt Görlitz und ist, wie erwähnt, auch da. Die Waggonanzeige funktioniert, die Reservierungsanzeige nicht. Macht nichts. Ich finde Platz für meinen schweren Koffer in einem Gepäckregal schräg gegenüber von meinem Sitz. Ich versuche immer, in der Nähe eines Gepäckregals zu reservieren, wenn das geht. Diesmal ist der Plan aufgegangen. Der Platz neben mir bleibt die ganze Fahrt über leer, auch wenn der Zug bis Hannover gut gefüllt ist. Danach wird es schlagartig deutlich leerer und ab Hamm sollte unsere Hälfte ja gar nicht mehr auf der Strecke sein, da ist also nur noch die Handvoll da, die über Wuppertal nach Köln wollte. Wer nach Wuppertal oder Hagen wollte, ist in Hamm ausgestiegen, um einen anderen Zug zu nehmen.
Wir fahren pünktlich los, und gleich die erste Durchsage versichert, dass wir mit allen Wagen nach Köln fahren werden. Dass wir das aber alle über Dortmund und Düsseldorf tun werden, weil die Zugteile sich aus technischen Gründen nicht trennen lassen. Und dass alle, die nach Hagen und Wuppertal wollen, in Hamm aussteigen sollen, es werden zeitnah Anschlüsse mitgeteilt. Alles gut also. Wird schon.
Nach etwa einer halben Stunde kommt die Mitteilung, dass die Heizung im Lokführerstand nicht funktioniert. Wir werden also auf freier Stecke halten, dann wird der Lokführer vom einen Ende des sehr langen Zuges zum anderen Ende des sehr langen Zuges gehen, da in den Führerstand einsteigen und wir fahren dann umgekehrt weiter. Dafür müssen wir natürlich erstmal von der normalen Strecke runter auf ein Nebengleis, und uns dann wieder auf das normale Gleis einfädeln. Am Ende haben wir eine Verspätung von 34 Minuten, aber ich fahre jetzt vorwärts. Und wenn sie einem erklären, was sie da machen, ist es auch nur halb so schlimm.
Dafür übrigens ein großes Lob an alle Zugbegleiter auf der gesamten Strecke - wir hatten viele Probleme, aber wir waren immer bestens informiert, was gerade passierte und wie die Aussichten sind. Egal was der Grund war, bei jedem außerplanmäßigen Halt wurden wir informiert, warum er stattfindet, oft sogar schon, bevor er stattfand, und wenn Halte an Bahnhöfen länger dauerten, wussten wir auch immer, warum (egal ob wegen Zugreparatur oder Reisegruppen, die unbedingt alle über dieselbe Tür aussteigen wollen). Wenn sie länger dauerten als ein paar Minuten gab es sogar noch Folgedurchsagen über die aktuellen Fortschritte. Das fand ich sehr beruhigend, das war auszeichneter Service und hat die Fahrt sehr viel entspannter gemacht. Ich kann das schon mit "irgendwann kommt er schon an" machen, aber jederzeit informiert zu sein, ist schon was Anderes. Toll.
Toll auch die Reaktion, als kurz vor Essen klar wurde, dass der Halt Düsseldorf Flughafen entfallen wird. Es wurde mehrfach erklärt, was von Duisburg und Düsseldorf zum Fluhhafen fährt, und es war für jeden, der sich so gar nicht auskennt, mehr als ausreichend Zeit, zu reagieren. Und bis Hamm hatten sie auch die Anzeige in den Zügen im Griff, was die Zwischenhalte anging.
Der Zug hatte am Ende 65 Minuten Verspätung, plus die halbe Stunde, die meine Hälfte sonst eher da gewesen wäre, war ich also gute anderthalb Stunden später in Köln als geplant und am Ende eine Stunde später zuhause. Hätte schlimmer sein können, und dank der Zugbegleiter war es wie gesagt ein sehr entpanntes Fahren - und das Winterpanorama vor dem Fenster war auch sehr schön.
Okay, auf der Hinfahrt begann der Spaß erst ab Hamm. Bis Hamm bin ich RE gefahren, der war voll und ein paar Minuten verspätet - was sicher auch zusammenhing - aber es war halt Freitagnachmittag. Da ist es wahrscheinlich immer voll. Erst nach Dortmund wurde es deutlich leerer, aber als der Zug dann den Rest der Leute an der Endstation ausspuckte, war der Bahnsteig noch immer ganz schön voll. Man macht sich einfach keinen Begriff davon, wie viele Leute in so einen Doppelstock-RE passen, auch wenn er nicht voll wirkt.
In Hamm habe ich dann übernachtet, um mit einem frühen Zug nach Berlin zu fahren. Der sollte um kurz nach sieben fahren und um kurz nach zehn in Berlin sein. Schon eine Woche vorher bekam ich die erste Mail, dass das so nicht mehr gehen würde. Der Zug existierte zwar noch, fuhr aber schon um kurz nach sechs. Gleiche Ankunftszeit, er fuhr also eine Stunde länger. Warum auch immer... Da ich eine Woche vorher zu einem anderen Ziel Bahn gefahren bin, habe ich beim Reisezentrum Köln gefragt, ob meine Reservierung trotzdem noch gilt. Ja, tut sie. So lange der Zug dieselbe Zugnummer hat, ist die Reservierung gesichert, egal, wann und wie lange er fährt. Gut zu wissen. Und wenn klar ist, dass der Zug am Zielbahnhof mehr als 20 Minuten zu spät sein wird, darf man auch schon in einen anderen steigen, wenn der vorher kommt. Auch gut zu wissen.
Die Mail mit dem Hinweis habe ich dann wieder jeden Tag einmal bekommen, selbst am Morgen der Fahrt noch. Wie sich zeigen sollte, war das gut, denn da stand drin, dass meine Zugbindung aufgehoben ist.
Der Plan war also, den Zug um kurz nach sechs zu nehmen. Wie erwartet habe ich sehr schlecht geschlafen und darum den Zug um kurz nach 5 genommen, der da auch noch existierte. Wie gesagt, Zugbindung aufgehoben. Für den habe ich mir dann am Automaten noch schnell eine neue Reservierung gezogen. Er war zwar mit mittlerer Auslastung angegeben, aber für Langstrecke habe ich lieber etwas in der Hand. Dabei zeigte mir der Automat schon an, dass die Hälfte des Zuges keine reservierbaren Plätze hatte. Okay, ist die Hälfte halt ausgebucht. Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
Bahnsteiganzeige: beide Zugteile werden angezeigt, aber in dem einen stehen statt Nummern nur X. Sieht komisch aus. Aber morgens um fünf hab ich da auch nicht wirklich drüber nachgedacht. Vielleicht hat jemand die alle gemietet? Lufthansa?
Zug fährt ein, ein namenloser ICE. Es steigen bestimmt zwanzig Leute mit mir ein und der Zug ist auch schon mäßig voll. Erstaunlich, wie viele Leute morgens so nach Berlin wollen... Die in dem Zug müssen ja alle noch früher aufgestanden sein als wir. Aber ich finde meinen Sitzplatz und oben drüber ist Platz für den Koffer. Passt doch.
Dann kommt die Erklärung für die X auf dem anderen Zugteil: Personalmangel. Wir haben nur einen Zugbegleiter, und der kann während der Fahrt nicht den Zugteil wechseln, wenn es ein Problem geben sollte. Darum muss die eine Zughälfte geschlossen bleiben. Rätsel gelöst.
Besagter Zugbegleiter kommt dann auch umgehend vorbei und will mein Ticket sehen. Das für einen anderen Zug ist, worauf er mich dann auch hinweist. Zum Glück hat die Bahn mir morgens gegen drei noch einmal ihre Dauer-E-Mail geschickt, so dass ich die vorweisen kann, und dass meine Zugbindung aufgehoben ist. Dann will er meine Bahncard sehen. Auch die habe ich - zum Glück, denn da ist mir am Tag vorher noch aufgefallen, dass ich da noch die alte in der Tasche hatte - dabei, alles gut also. Ist mir lange nicht mehr passiert, dass jemand alles sehen wollte, auch wenn das natürlich in Ordnung geht. Steht ja überall, dass man das dabeihaben muss, und dann zeige ich es auch gerne vor. Ein bisschen hat mich gewundert, dass er den Ausweis nicht auch sehen wollte, denn das Recht hätte er ja auch noch gehabt, um sicherzustellen, dass es wirklich meine Bahncard ist.
Ab Hannover wird der Zug dann wie erwartet voll. Züge nach Berlin sind immer voll, und jetzt ist es ja auch schon fast acht Uhr früh, da kann man bequem Bahn fahren.
In Berlin fahre ich ein bisschen S-Bahn. Die gibt es weiterhin im bekannten gelb-roten Design und sie sagen "zurückbleiben, bitte" vor der Abfahrt, was bei mir immer das Lied aus "Linie 1" auslöst, aber es gibt sie jetzt in klassisch und modern. Ich fahre mit einer modernen. Die haben eine Lichtanlage über der Tür, mit grünen und roten Lichtern, damit man weiß, wann man mit dem Einsteigen aufhören muss. Und die Stimme ist eine KI. Bei den Stationsnamen fällt es nicht auf, aber sobald sie einen Satz sagt, ist es deutlich hörbar.
Richtig in die Vollen geht die Bahn aber mit der Rückfahrt. Start in Berlin Ostbahnhof. Unser ICE besteht aus zwei Zugteilen mit unterschiedlichen Nummern. Das liegt daran, dass sie gemeinsam bis Hamm fahren, dort getrennt werden und dann auf zwei unterschiedlichen Wegen nach Köln fahren. Der eine oben durchs Ruhrgebiet mit all seinen großen Städten, der andere unten durchs Bergische über Wuppertal. Darum ist der durchs Bergische eine halbe Stunde schneller in Köln und ich bin auf genau den gebucht.
Dann sagt die App, dass mein ICE ausfällt. Die Bahnhofsanzeige sagt, dass er nur bis Hamm fährt. Ich wende mich also an die Auskunft, wo sich vier Berliner Bahnanstellte langweilen, und frage, was ich am besten mache. Antwort: "Ab Hamm die Reginalbahn nehmen." Okay, aber ist sicher, dass mein Zugteil bis Hamm fährt, wenn die App sagt, dass er gar nicht fährt. Und wenn er nicht fährt, kann ich dann einfach in den anderen Zugteil einsteigen? Das führt zu einer erstaunten Suche im Computer und der neuen Information, dass der gesamte Zug kommen wird und dass auch der gesamte Zug bis Köln fahren wird, wenn auch obenrum. Okay, nehme ich. Hauptsache Köln. Schaun wir mal, was passiert, wenn der Zug nur halb kommt, steige ich eben in den anderen ein. Der Zug beginnt hier, das geht schon.
Am Gleis steht einerseits, dass mein Zug nur bis Hamm fährt und andereseits, dass der Zugteil nicht kommt. Also alles beim Alten. Dann schlagen sie an, dass der Teil, der kommt, falschherum gereiht ist. Das wäre nicht schlimm, aber mich hatte kurz davor eine Dame angesprochen, mit der ich nachgesehen habe, wo ihr Waggon stehen wird - ich gehe also nochmal hin und sage ihr, dass der Waggon wo anders stehen wird. Und dann kommt der Zug, mit beiden Teilen und genauso gereiht wie angeschlagen. Zum Glück tut er das zehn Minuten vor Abfahrt, denn jetzt muss die arme Dame schon wieder zum anderen Ende. Wenn man versucht zu helfen...
Also, Zug ist da. Der andere Teil heißt Saarbrücken. Meiner heißt Görlitz und ist, wie erwähnt, auch da. Die Waggonanzeige funktioniert, die Reservierungsanzeige nicht. Macht nichts. Ich finde Platz für meinen schweren Koffer in einem Gepäckregal schräg gegenüber von meinem Sitz. Ich versuche immer, in der Nähe eines Gepäckregals zu reservieren, wenn das geht. Diesmal ist der Plan aufgegangen. Der Platz neben mir bleibt die ganze Fahrt über leer, auch wenn der Zug bis Hannover gut gefüllt ist. Danach wird es schlagartig deutlich leerer und ab Hamm sollte unsere Hälfte ja gar nicht mehr auf der Strecke sein, da ist also nur noch die Handvoll da, die über Wuppertal nach Köln wollte. Wer nach Wuppertal oder Hagen wollte, ist in Hamm ausgestiegen, um einen anderen Zug zu nehmen.
Wir fahren pünktlich los, und gleich die erste Durchsage versichert, dass wir mit allen Wagen nach Köln fahren werden. Dass wir das aber alle über Dortmund und Düsseldorf tun werden, weil die Zugteile sich aus technischen Gründen nicht trennen lassen. Und dass alle, die nach Hagen und Wuppertal wollen, in Hamm aussteigen sollen, es werden zeitnah Anschlüsse mitgeteilt. Alles gut also. Wird schon.
Nach etwa einer halben Stunde kommt die Mitteilung, dass die Heizung im Lokführerstand nicht funktioniert. Wir werden also auf freier Stecke halten, dann wird der Lokführer vom einen Ende des sehr langen Zuges zum anderen Ende des sehr langen Zuges gehen, da in den Führerstand einsteigen und wir fahren dann umgekehrt weiter. Dafür müssen wir natürlich erstmal von der normalen Strecke runter auf ein Nebengleis, und uns dann wieder auf das normale Gleis einfädeln. Am Ende haben wir eine Verspätung von 34 Minuten, aber ich fahre jetzt vorwärts. Und wenn sie einem erklären, was sie da machen, ist es auch nur halb so schlimm.
Dafür übrigens ein großes Lob an alle Zugbegleiter auf der gesamten Strecke - wir hatten viele Probleme, aber wir waren immer bestens informiert, was gerade passierte und wie die Aussichten sind. Egal was der Grund war, bei jedem außerplanmäßigen Halt wurden wir informiert, warum er stattfindet, oft sogar schon, bevor er stattfand, und wenn Halte an Bahnhöfen länger dauerten, wussten wir auch immer, warum (egal ob wegen Zugreparatur oder Reisegruppen, die unbedingt alle über dieselbe Tür aussteigen wollen). Wenn sie länger dauerten als ein paar Minuten gab es sogar noch Folgedurchsagen über die aktuellen Fortschritte. Das fand ich sehr beruhigend, das war auszeichneter Service und hat die Fahrt sehr viel entspannter gemacht. Ich kann das schon mit "irgendwann kommt er schon an" machen, aber jederzeit informiert zu sein, ist schon was Anderes. Toll.
Toll auch die Reaktion, als kurz vor Essen klar wurde, dass der Halt Düsseldorf Flughafen entfallen wird. Es wurde mehrfach erklärt, was von Duisburg und Düsseldorf zum Fluhhafen fährt, und es war für jeden, der sich so gar nicht auskennt, mehr als ausreichend Zeit, zu reagieren. Und bis Hamm hatten sie auch die Anzeige in den Zügen im Griff, was die Zwischenhalte anging.
Der Zug hatte am Ende 65 Minuten Verspätung, plus die halbe Stunde, die meine Hälfte sonst eher da gewesen wäre, war ich also gute anderthalb Stunden später in Köln als geplant und am Ende eine Stunde später zuhause. Hätte schlimmer sein können, und dank der Zugbegleiter war es wie gesagt ein sehr entpanntes Fahren - und das Winterpanorama vor dem Fenster war auch sehr schön.