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Wolgast ist eine Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Sie hat ca 12 000 Einwohner und beeindruckende sieben Autokennzeichen (VG, ANK, GW, PW, SBG, UEM, WLG). Wie Stralsund direkt vor Rügen liegt, liegt Wolgast direkt vor Usedom. Ein kleiner Teil der Stadt liegt sogar auf Usedom, aber der Großteil lieg auf dem Festland. Daher wird Wolgast auch als "Das Tor zu Usedom" bezeichnet. Als weiteren Beinamen führt die Stadt das Wort "Herzogstadt", aber ob das "Stadt mit Tradition und Moderne" auch ein Stadtslogan ist, bin ich mir nicht sicher.

Mit Usedom verbunden ist Wolgast über eine Brücke mit einem beeindruckenden blauen Hubwerk, die auch mehrfach am Tag geöffnet wird. Ferner fährt die UBB - Wolgast hat drei Bahnhöfe - und eine Straße gibt es natürlich auch. Und bestimmt auch Busse, aber da habe ich nicht nachgeforscht.

Wolgast wurde 1123 erstmals urkundlich erwähnt, als Zoll- und Handelspunkt, es gibt verschiedene Theorien der Herleitung des Namens, die bei so unterschiedlichen Ergebnissen wie "jemand, der einen großen Freund hat" und "großer Hain" ankommen. Immerhin scheinen sie sich bei dem Wort "groß" einig zu sein.
Das Stadtwappen zeigt einen Turm, flankiert von zwei Greifen. Die Greifen verweisen auf die Herzöge von Pommern und der Turm auf eine befestigte Stadt.


Wolgast liegt an der Peenemündung, und hat seit jeher von dieser Lage profitiert und gelebt. Es war Residenzstadt der Herzöge von Pommern-Wolgast, die hier ein herrliches Renaissance-Schloß auf eine vorgelagerte Inseln bauten, von dem heute leider nichts mehr übrig ist, abgesehen von Namen wie "Schloßinsel" und "Schloßstraße". Immer noch sehen kann man große Speichergebäude im Hafen, die beeindruckende Backsteinkirche St. Petri, und eine hübsche kleine Altstadt mit Kopfsteinpflaster, gewundenen Gassen und einigen Läden, darunter ein sehr charmanter unabhänigiger Buchladen.
Auch hat Wolgast ein wunderschönes altes Backstein-Postgebäude, in dem heute ein Hostel ist, das sich passenderweise "Postel" nennt und mit Themenzimmern wirbt, die auf der Homepage sehr nett aussehen.

Städtepartnerschaften gibt es natürlich auch, mit Rantrum und Wedel in Schleswig-Holstein, Karlino in der Woiwodschaft Westpommern in Polen, Nexø auf Bornholm in Dänemark und mit Sölvesborg in Schweden.

Wolgast ist eine Art Mittelzentrum, das allerdings stark im Schatten des nahegelegenen Greifswald steht. Im Winter ist es beschaulich und verschneit auch sehr romantisch, im Sommer steppt wahrscheinlich, wie überall an der Küste, der Bär. Und wenn sie die Brücken zur Insel schließen müssen, denn dann bleibt ja alles, was nicht rüberkommt, auf dieser Seite in Wolgast hängen.

Wie alle Städte seines Alters bestand Wolgast irgendwann mal vor allem aus Fachwerk und wie bei den meisten dieser Städte gab es dann diverse Stadtbrände, mal aus Versehen, mal als Vergeltungsmaßnahme. Der verheerendste dieser Brände war in Wogasts Falle im Jahr 1713, und er ließ nur 5 Gebäude übrig. Eines davon war das Kaffeemühlenhaus.

Das Kaffemühlenhaus heißt so, weil es aussieht wie eine Kaffeemühle. Es war ein Getreidespeicher, später auch ein Wohnhaus, und heute beherbergt es das Wolgaster Stadtmuseum.

Schon alleine für das Haus selbst lohnt sich der Besuch. Der Blick vom Speicher auf Wolgast ist großartig, aber auch die Diele des Eingangsbereichs mit ihren Schnitzereien und Balkenmalereien ist sehenswert. Die Kasse ist in einem alten Kaufmansladen untergebracht, in dem auch mehere alte Kaffeemühlen stehen, als augenzwinkernde Referenz zum Haus selbst. Der alte Tanzsaal - das Haus war auch mal eine Gaststätte - dient der Präsentation von Sonderausstellungen. In unserem Fall waren das Werke lokaler Künster, bei denen erstaunlicherweise die Namen der Künstler nicht dabeistanden. Aber vielleicht waren die im Flyer, da haben wir nicht nachgesehen.

Daneben ist noch ihr Digitalraum, mit einem virtuellen Modell des Renaissance-Schlosses und einem sehr guten Film über den Croÿ-Teppich, den Philipp I. von Pommern-Wolgast 1553 in Auftrag gegeben hat, und der heute im Besitz der Uni Greifswald ist, die ihn wiederum als Dauerleigabe dem Pommerschen Landesmuseum zur Verfügung gestellt hat. Der Teppich ist also in Greifswald, aber seine Geschichte und seine Motive sind eng mit Wolgast verbunden, darum ist es sinnvoll, den Film in Wolgast zu zeigen. In Greifswald zeigen sie ihn wahrscheinlich auch. Da er wie gesagt wirklich gut ist, ist das zu begrüßen.

Im ersten Stock findet sich, was man von einem Stadtmuseum erwartet, die Geschichte der Stadt eben. Dazu haben sie verschiedenefarbige Räume, deren Wandfarbe immer etwas mit dem Thema des Raumes zu tun hat, und die schlaglichtartig wichtige Punkte beleuchten. Wolgast als Schifffahrts- und Reedereistadt, Wolgast als Herzogssitz, Wolgast und die Schweden, Wolgast und die Industrialisierung, Wolgast und das Dritte Reich (Peenemünde ist direkt um die Ecke, und war mal Wolgaster Stadtgebiet)... Es gibt alte Zeitungsausschnitte, Möbel, Handelswaren, Gedenktafeln, Kleidung und immer wieder Schiffsmodelle. Schließlich ist Wolgast eine Hafenstadt und sein Reichtum hing von seinen Schiffen ab.

Wolgast war auch eine Handwerksstadt, und dem widmet sich das zweite Obergeschoss. Alte Werbeanzeigen, eine Schusterei, ein Friseurladen, dessen Besitzer auch zahnärztlich tätig war, eine Apotheke, ein Spielzeugladen, und ein eine Knüpfwerkstatt. Teppiche in Heimarbeit herzustellen war eine geförderte Tätigkeit für die Fischerfamilien, wenn im Winter die Ausfahrt nicht möglich war. Die farbenfrohen Motive wurden dafür gerne von den Kindern designed.

Ganz oben gibt es dann besagten Ausblick über die Stadt und zwei historische Schulzimmer mit Lehrmaterialien aus verschiedenen Jahrzehnten, wsa ja auch immer spaßig ist. Hier scheinen auch Kunstseminare stattzufinden, wie ein Stapel Staffeleien verrät.

All das ist sehr hübsch und liebevoll präsentiert,dazu gibt es kostenlos zur Eintrittskarte eine handliche Broschüre mit interessanten und umfassenden Erläuterungen. Die Dame an der Kasse war sehr freundlich und mit Begeisterung bei der Sache, wir fühlten uns also auch sehr willkommen.
Ein wirklich schöner Besuch. Sehr zu empfehlen.

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