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Aachen hat fünf städtische Museen. Gemeinsam bieten sie einen Museumspass an, der "six for six" heißt - er gilt für sechs Monate und man hat damit jeweils einmal freien Eintritt in die fünf Museen plus das Rathaus mit seinen historischen Räumen.
Die fünf Museen habe ich geschafft, das Rathaus nicht (da habe ich aus meiner Kindheit noch vage Erinnerungen dran, während ich ziemlich sicher bin, in keinem der Museen je gewesen zu sein). Es macht aber nichts, wenn man nicht alle fünf schafft, denn schon mit dreien hat man den Pass wieder raus - jedes Museum kostet 6 Euro Eintritt, und der Pass nur 14 Euro.



Centre Charlemagne
Das Aachener Stadtmuseum. Direkt am Katschhof und in dieser Inkarnation noch recht neu, nämlich von 2014. Also, das Museum, nicht das Gebäude. Entsprechend ist die Ausstellung konzipiert - inklusive des furchtbaren modernen "laden Sie unsere App herunter". Habe ich nicht. Ich hasse es, ständig Apps auf meinem Handy installieren zu müssen. Aber auch ohne das kann man der Ausstellung gut folgen. Sie ist wie erwartet chronologisch geordnet, begonnen mit den heißen Quellen, mit großen Bereichen über den Dom und die Kaiserpfalz und die Kaiserkrönungen, bis hin zum Ende des 20ten Jahrhunderts. Aachen als Heilbad, Aachen als Universitätstadt, Aachen als Karlspreisstadt. Es ist gut präsentiert, mit ausreichend Texten und Hinweistafeln. Und der Souvenirshop verkauft leider keine goldbeschichteten Mosaiksteine. Oder auch nur goldfarbe-beschichtete. Sehr schade.

Couven-Museum
Das Couven-Museum ist ein typisches Aachener Stadthaus und die Dauerausstellung beschäftigt sich auch genau damit. Was so ein Stadthaus ausmacht, was seine Einrichtung ausmacht - hier habe ich an der Führung teilgenommen (2 Euro), und das war wirklich sehr interessant. Viele Dinge an Haus und Möbeln hätte ich ohne die sachkundige Anleitung weder gesehen noch verstanden, das ist also sehr zu empfehlen. Auch wenn das Haus ebenfalls ausreichend erklärende Tafeln für einen Besuch hat, wenn man das will.
Die Sonderausstellung beschäftigte sich mit Porzellan, was gut zum Teil der Dauerausstellung im Keller passt, der sich mit der Herstellung von Fliesen beschäftigt. Dazu haben sie noch eine historische Apotheke und eine historische Küche, und einen sehr hübschen Innenhof, denn das Couven-Museum besteht eigentlich aus zwei Häusern, die zu einem zusammengefasst wurden (schon als es noch bewohnt war, nicht erst als Museum).
Sehr interessant, kunstgeschichtlich und stadtgeschichtlich, und wie gesagt, tolle Führung. Sollte man auf jeden Fall mitmachen.

Suermont-Ludwig-Museum
Es gab ein Kunstsammler-Ehepaar mit Namen Ludwig, das sehr viel Kunst gesammelt hat. Sehr, sehr, sehr viel Kunst. Und dann haben sie damit Massen von Museen gestiftet. Alleine Aachen hat schon zwei, Köln hat auch eins... die Liste bei Wikipedia ist so lang, dass man sich fragt, wie einzelne Leute es schaffen können, so viel Kunst zu sammeln, dass man damit so viele Museen bestücken kann.
Wie auch immer, das Suermond-Ludwig-Museum befindet sich in einem schönen alten Gebäude, das sehr moderne Anbauten hat, also an sich schon eine interessante Mischung darstellt. Es gibt tolle Treppen, tolle Kamine und einen sehr schönen Lichthof. Die untere Etage zeigt religiöse Kunst, mit interessanten Vergleichen z.B. von Mariendarstellungen durch die Jahrhunderte. Darüber gibt es Gemälde, Wandteppiche, Statuen und Möbel aus verschiedenen Jahrhunderten, eine bürgerliche Wunderkammer, eine Sammlung moderner Kunst und einen Bereich Buntglasfenster.
Auch hier habe ich an der Führung teilgenommen (2 Euro) - das Museum hat jede Woche eine Führung, aber die Themen scheinen zu wechseln. Das Thema hier war "Tiere in der Kunst", und auch wenn ich nicht viel neues gelernt haben, war es sehr interessant, sehr kurzweilig und wir hatten eine wirklich schöne Gruppe. Das hat sich gelohnt, und da würde ich auch gerne noch mal zu anderen Führungen hingehen.
Die Sonderausstellung hieß "Heimspiel", ging über flämische Malerei und ich habe nicht viel davon gesehen, weil ich nach Rundgang durch den Rest und Führung keine Aufmerksamkeit mehr dafür hatte.

Internationales Zeitungsmuseum
Das Aachener Internationale Zeitungsmuseum ist das weltweit einzige seiner Art. Es gab auch mal eins in den USA, aber das hat sich nur wenige Jahre gehalten, weil DonaldTrump es nicht so mit seriösem Journalismus hat.
Das Museum befindet sich im ersten Stock im drittältesten Gebäude Aachens, und um das zu feiern, haben sie in den Räumen Bereiche in den Wänden freigelegt, die Bausubstanz und Träger zeigen, die die Zwischenböden halten. Die Ausstellung selbst beschäftigt sich mit einer Kurz-Übersicht über die Geschichte der Nachrichtenübermittlung, bis hin zu Radio, Fernsehn und Internet, aber vor allem damit, was Zeitungen ausmacht, warum guter Journalismus so wichtig ist, und wie Zeitungen sich durch die Jahrhunderte entwickelt, dem Zeitgeist angepasst, für oder gegen die Machthaber gearbietet und Meinungen gemacht haben, und dass und welchen Ethos eine Zeitung und ihre Mitarbeiter haben sollten. Ich liebe ja alte Werbeanzeigen, darum fand ich ihre Titelseiten-Sammlung von historischen Zeitungen verschiedener Länder besonders toll. Gestört hat mich ein bisschen, dass die Ausstellung recht laut ist, weil in jedem Raum ein Film/Tonband läuft - aber das soll sich ändern, denn das Museum wird nächstes Jahr komplett umbauen.
Pluspunkt für den kompetenten und begeisterten Herrn an der Kasse, der mir eine kompakte und interessante Einführung in das Museum und das Haus gegeben hat. Wusste noch jemand außer mir nicht, dass die Agentur Reuters in Aachen gegründet wurde, und zwar, um das Loch in der Übermittlung der Börsennachrichten zwischen Aachen und Brüssel per Brieftauben zu überbrücken?

Ludwig Forum
Wieder das Ehepaar Ludwig... Es handelt sich um ein Museum für moderne Kunst, was nicht gerade mein Thema ist. Aber wenn es eh im Pass drin ist, kann man ja mal für eine halbe Stunde durchlaufen, also habe ich genau das getan. Und das Gebäude selbst ist wirklich sehr interessant, denn es handelt sich um eine ehemalige Schirmfabrik im Bauhausstil. In der Mitte ist ein riesiger Raum für großdimensionierte Kunst, von dem verschiedene kleinere Räume abzweigen. Die Wände haben verschiedene Materialien und auch die Böden haben verschiedene Beläge - und im Keller ist ein Theater, in dem jemand eine Show mit ABBA-Musik probte. Das war schon ein bisschen schräg, da eine der aktuellen Sonderausstellungen auch eine Klanginstallation umfasst. Die ist natürlich in abgeschlossenen Räumen, in denen man sie hört, während man in jedem anderen Raum des Hauses ABBA-Hits hörte...
Eine weitere Sonderausstellung zeigte Ukrainische Kunst, und da hingen die Beschreibungen direkt neben den Werken, was ich sehr angenehm fand. Ansonsten hat das Museum die Beschreibungen immer gesammelt an einer Seitenwand des jeweiligen Raumes, da bin ich dann immer zu faul, hin- und herzugehen. Aber es gibt in jedem Fall Beschreibungen und auch längere Informationen zu den Künstlern und ihren Ideen.

Fazit: Der Pass lohnt sich. Man bekommt sehr günstig fünf sehr verschiedene Museen. Beide Führungen waren toll, ich bedaure es, es im Centre Charlemagne und dem Zeitungsmuseum nicht auch zu einer Führung geschafft zu haben. Alle Museumangestellten waren sehr freundlich, oft auch darüber hinaus wie der Herr an der Kasse des Zeitungsmuseums oder die Dame im Suermond-Ludwig-Museum, die mich ungefragt darauf aufmerksam gemacht hat, dass das oberste Stockwerk mittags schließt, ich also am besten erst das ansehe.
Sehr zu empfehlen.

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