Bahnfahren auf deutsch-französisch
Jul. 28th, 2024 08:15 pmWir sind mit der Bahn in den Urlaub gefahren. Das ist umweltfreundlicher als Fliegen und weniger stressig als Autofahren. Und weil wir nach Zentralfrankreich wollten - die Bourgogne scheint tatsächlich Zentralfrankreich zu sein - konnten wir das auch machen, ohne dabei über Paris zu fahren. Erstens ist Paris seltsam und anstrengend und zweitens sind da Olympische Spiele. Mehr als ausreichend Gründe, um eben nicht hin zu fahren.
Wir haben uns in Frankfurt getroffen. Das war sozusagen der erste Bahnhof, der für uns beide sinnvoll auf der Strecke liegt. Sich schonmal gefunden haben bedeutet, dass, was auch immer noch passieren mag, man das gemeinsam macht. Also quasi Urlaubsbeginn in Frankfurt - und natürlich hat jede ihre Zugkarte bis Strasbourg selbst gebucht. Nur so ist gesichert, dass die Bahn einen weiter befördern muss, wenn der jeweilige Zug den Anschluss nicht schafft.
Das war aber gar kein Problem. Meiner hatte ein bisschen Verspätung, weil wir im Rheintal hinter einem Güterzug herfahren mussten und der langsamer war als unser ICE Falkenberg/Elster. Ja, der ICE hatte einen Namen. Das finde ich persönlich immer nett. Woanders haben auch die S-Bahnen Namen, aber das ist in meiner Gegend eher selten. Obwohl ich heute auf der Rückfahrt eine S-Bahn in Köln gesehen habe, die Haltern am See hieß. Vielleicht wirds ja noch doch noch was.
Also, Hinfahrt. ICE nach Frankfurt, durch das schöne Mittelrheintal, und das Wetter hätte nicht besser sein können. Sonne, Wolken, alles ist schön grün, der Rhein glitzert... Alles wie auf einer Postkarte. Der Halt wegen des Güterzugs setzt direkt noch einen tollen Blick auf den Drachenfels mit seinen beiden Burgen drauf. Einfach traumhaft. Auch dafür ist die Bahn gut, dass man das tolle Panorama dann auch ausgiebig anstarren kann.
Ich bin mit ein bisschen Verspätung in Frankfurt, aber das macht nichts, denn der Zug der werten Mitreisenden kommt planmäßig etwas später als meiner. Ich habe genau Zeit, von meinem Gleis zu ihrem zu gehen und sehe ihren Zug auch schon einfahren. Perfektes Timing.
Wir haben einen Sicherheitspuffer bis zum TGV nach Strasbourg eingeplant und machen es uns gerade auf dem entsprechenden Bahnsteig gemütlich, als eine Durchsage und die Bahn-App melden, dass es Probleme in einer Baustelle zwischen Frankfurt und Mannheim gibt, und dass der TGV darum heute in Mannheim starten wird. Dazu passend bietet die App sofort drei andere Züge an, die nach Mannheim fahren, und die Bahn hält einen RE am Nebengleis fünf Minuten länger fest, so dass wir da noch reinspringen können. Umsteigezeit in Mannheim etwa 20 Minuten - als wir da ankommen, sind es noch etwa 9 Minuten, eben wegen der Baustelle und ihrer Probleme. Aber auch das reicht, zumal der TGV auch etwas später einrollt.
Und der hat technische Probleme. Zwei Waggons sind gar nicht benutzbar. Der Wagenstandsanzeiger funktioniert nicht, der Anschlag am Gleis stellt dazu noch eine andere Reihung dar als der Zug tatsächlich hat. Also steigt quasi jede/r erstmal in den falschen Wagen ein. Das wäre ja nicht so schlimm, das könnte man mit viel Herumrennen und Plätze tauschen noch klären - aber in der Mitte des Zuges ist ein Waggon gesperrt, durch den man nicht durchkann. Und wieder aussteigen und drumrumlaufen ist ja auch immer ein Risiko...
Es verteilen sich also alle so gut wie möglich irgendwo hin. Wir bekommen unsere Koffer unter und richten uns darauf ein, die anderthalb Stunden bis Strasbourg stehen zu müssen. Gibt Schlimmeres. Aber da kommt ein Zugbegleiter vorbei und schließt zwei Türen in unserem Waggon auf, hinter denen sich ein weiteres Paar Sitze verbirgt, auf die wir uns dann einfach mal setzen. Ob das erlaubt ist... wir sagen uns, dass uns schon wer wegscheuchen wird, falls die Sitze gebraucht werden. Was nicht passiert. Wir haben also für die Fahrt ein schickes Halb-Separee, was uns schon ein bisschen amüsiert.
Bevor wir dann loskommen, haben wir eine halbe Stunde Verspätung, und auf der Hälfte der Strecke wird bekanntgegeben, dass der Zug zu kaputt ist, um seine volle Strecke bis Marseille zu fahren. Darum müssen wir in Strasbourg alle aussteigen. SNCF will einen Ersatzzug zur Verfügung stellen, der am selben Bahnsteig gegenüber stehen wird.
Für uns ist das gut. Wir wollen eh in Strasbourg raus, und wenn der Zug da nicht weiterfährt, haben wir Zeit, unseren Kram in Ruhe wieder einzusammeln. Schließlich sitzen wir ja jetzt an einem ganz anderen Ende unseres Waggons als unsere Koffer stehen.
Und weil wir bewusst entschieden hatten, am ersten Tag nur bis Strasbourg zu fahren, macht uns eine halbe Stunde Verspätung nicht das Geringste aus. Es bleibt noch immer mehr als genug Zeit für einen gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt und ein Abendessen.
Am nächsten Morgen geht es dann weiter nach Besançon. Das ist dieselbe Strecke Frankfurt-Marseille und wahrscheinlich dieselbe Zuglinie, nur halt jetzt vormittags. Der TGV besteht aus zwei Hälften, eine steht schon wartend am Gleis herum. Es ist unsere, wir können also schön gemütlich einsteigen, die Koffer verstauen und auf die andere Hälfte warten. Alles entspannt, und pünktlich ist er auch. Das wiederum bedeutet, dass wir an Besançon Franche Comté TGV in Ruhe zum Zubringer-Zug zum Stadtbahnhof gehen und in den einsteigen können, bevor der losfährt. Vom TGV-Bahnhof bis Besançon Viotte sind es etwa 15 Minuten und es gibt nur einen Zwischenhalt, der nach Uni aussieht. Alles sehr bequem.
Auf dem Rückweg dann das ganze retour. Zubringerzug von Besançon Viotte nach Besançon Franche Comté TGV. Wir nehmen da ja immer gerne einen früher als wir müssen, und in diesem Falle ist das eine noch viel bessere Idee. Besançon Franche Comté TGV liegt quasi auf freiem Feld, was bedeudetet, dass da niemand herumläuft, der da nicht auch abfahren will oder grade angekommen ist. Es ist also recht leer und schön ruhig. Es gibt Massen an Sitzgelegenheiten, kostenlose Toiletten, einen kleinen Shop und Snack-Automaten, also auch die Basis-Infrastruktur. Man kann da sehr ruhig und gemütlich warten, sehr viel ruhiger und gemütlicher als in jedem anderen Großstadt-Bahnhof.
Der TGV nach Mannheim kommt pünktlich und die Homepage hatte schon angezeigt, dass er ausgebucht ist. Wir sind also nicht überrascht, dass er voll ist, aber dafür davon, dass wir unsere Koffer noch auf einem Kofferregal unterbringen können, dass quasi direkt neben unseren Sitzplätzen liegt. Die sind besetzt, aber die beiden jungen Damen stehen auf, als wir sie darum bitten. Der TGV zeigt keine Reservierungen an, also kann man ihnen nicht vorwerfen, dass sie sich da hingesetzt haben. Nur wundern, denn eine TGV-Karte beinhaltet immer eine Reservierung, also sollten sie eigentlich einen eigenen Sitzplatz haben.
Wir sind also wieder gut unterwegs, landen aber dann kurz vor Mulhouse in einer Signalstörung. Nicht nur wir, sondern auch eine ganze Reihe Züge vor und hinter uns (nicht verwunderlich, denn wenn das Signal nicht signalisiert, darf ja nichts mehr fahren). Erst schätzen sie 30 Minunten Verspätung, dann 60, am Ende sind es 77 Minuten. Auch das macht nichts. Wir haben extra in Karlsruhe keinen Anschluss gebucht, weil wir von da mit dem Deutschlandticket bequem nach Frankfurt kommen. Gerade wenn sowas passiert - es kommt immer noch ein RE. Wenn nicht der eine, dann halt der nächste. Passt schon.
Andere Leute machen das anders, und so setzt schon während des Wartens in Altkirch das Umplanen auf andere Anschlüsse ein. Eine Familie, die schon vor Besançon im TGV saß, will offenbar an diesem Tag noch bis Zerbst - ich habe eine ungefähre Idee davon, wo das liegen könnte, und dass das noch eine ganze schöne Strecke ist... Hut ab vor dem Durchhaltevermögen! Ich bin für sowas zu alt. Allenfalls ohne Umstieg, dann könnte man drüber reden.
Da eine Menge Leute umplanen, leert sich der Zug nach dem Erreichen Deutschlands sehr schnell. In Karlsruhe verlässt uns die Jugendreisegruppe, die drei Viertel des Waggons eingenommen hat, auch wenn die sehr leise waren, macht sich das deutlich bemerkbar. Auch wir wollten eigentlich in Karlsruhe raus, entscheiden aber, bis Mannheim mitzufahren, weil das für uns von da einfacher ist, einen Anschluss nach Frankfurt zu bekommen, mit all den Baustellen und Ersatzverkehren rund um Frankfurt im Moment. Wir sehen leider niemanden, den wir dafür um Erlaubnis fragen könnten, sind aber einfach mal optimistisch, dass es niemanden gestört hat. Der Zug war eh halb leer und mit jetzt noch 75 Minuten Verspätung...
In Mannheim bekommen wir dann quasi auch direkt einen Anschluss nach Frankfurt. Und lernen, dass SE offenbar nicht für Schienenersatzverkehr steht, sondern für Stadtexpress. (Schienenersatzverkehr gab es trotzdem, aber dessen Abkürzung ist SEV.) Außerdem lernen wir viel über die Lage diverser deutscher Städte. Auch das geht mit der Bahn immer gut.
Und dann die letzte Etappe, wieder jeder für sich. Der ICE der werten Mitreisenden fuhr wie angeschlagen und soweit ich weiß auch pünktlich. Mein ICE fuhr gar nicht. Das war aber nichts Neues, denn das hat die Bahn mir schon im Mai per Mail und App wiederholt mitgeteilt. Also hatte ich eigentlich vor, einen anderen ICE zu nehmen, damit nach Siegen zu fahren und von dort mit dem RE9, aber das ging leider auch nicht, weil vor Siegen Brückenarbeiten sind und darum der RE9 Siegen im Moment nicht anfährt. Vorgestern hat mir die Bahn eine neue Alternative angeboten, einen ICE nach Köln, der aber eine Stunde früher fahren sollte, und dazu hatte ich keine Lust. Darum bin ich dann Regionalbahn gefahren.
Auch hier gibt es mehrere Strecken zur Auswahl, ich habe mich für Frankfurt - Koblenz - Köln entschieden, weil in Koblenz mehr Anschlüsse nach Köln fahren. Drei verschiedene REs, und ich hatte ja auch noch das ICE-Ticket von dem Zug, der nicht fuhr, hätte also in Koblenz auch in den Fernverkehr steigen können, wenn das passender gewesen wäre. Alle Optionen offen.
Der RE2 nach Koblenz ist pünktlich, muss aber in Bingen halten und darauf warten, dass ein Fernverkehrszug ihn überholt (und das dann all die Leute die Türen wieder freimachen...), so dass wir am Ende 10 Minuten Verspätung haben. Ich habe also noch 9 Minuten zum Umsteigen, und das klappt auch, wenn es auch ein bisschen anstrengend ist, weil ich das Gleis 104 nicht auf Anhieb gefunden habe. Das passiert mir nicht nochmal, denn jetzt habe ich die Nummerierung der Gleise verstanden und werde sie behalten. Kann man ja immer mal brauchen, in Koblenz bin ich ja spätestens in vier Wochen wieder. Nützlich.
Der RE8 Rhein-Erft-Express nach Rommerskirchen ist auch pünktlich, und er fährt rechtsrheinisch. Okay... etwas Abwechslung zu all den linksrheinischen Fahrten auf der Rheinschiene, die ich dieses Jahr schon gemacht habe. Das Wetter ist nicht ganz so toll wie auf der Hinfahrt, aber noch immer schön. Ich sehe vor allem weniger davon, weil ich lese.
Umstieg in Köln - ich habe die Wahl zwischen HBF und Deutz und nehme Deutz. Da ist weniger los und auch wenn der Zug da vielleicht voll ist, steigen immer viele Leute in HBF aus und man kann dann leichter einen Sitzplatz ergattern, bevor die neuen einsteigen.
Aber das ist heute kein Problem. Die S19 ist pünktlich, mit einem komfortablen Umstiegsintervall von 20 Minuten, und sie ist bei weitem nicht voll. Auch nicht, als sie ankommt, was erstaunlich ist, weil in der Messe irgendwas zu sein scheint, denn es steigen jede Menge Leute in Gothik-Kleidung in Deutz aus den anderen Zügen aus...
Aber die wollten da ja alle raus. Und ich will aus Köln raus, also ist viel Platz in der Bahn. Trotzdem hebe ich meinen Koffer in die Überkopfablage, damit er nicht im Weg ist. Und weil die Bahn in genau dem Moment anfährt, geht das beinahe noch spektakulär schief - hätte nicht der nette Herr auf dem Nebensitz beherzt zugegriffen. Danke nochmal dafür.
Die S19 kommt pünktlich an, also ist auch der letzte Umstieg ohne jede Hektik. Absolut reibungslose Rückfahrt aus Frankfurt also, hätte nicht einfacher und stressfreier laufen können. Nächstes Mal fahre ich gleich mit dem Regionalverkehr nach Frankfurt. Dauert zwar doppelt so lange, aber das kann man ja einplanen.
Wir haben uns in Frankfurt getroffen. Das war sozusagen der erste Bahnhof, der für uns beide sinnvoll auf der Strecke liegt. Sich schonmal gefunden haben bedeutet, dass, was auch immer noch passieren mag, man das gemeinsam macht. Also quasi Urlaubsbeginn in Frankfurt - und natürlich hat jede ihre Zugkarte bis Strasbourg selbst gebucht. Nur so ist gesichert, dass die Bahn einen weiter befördern muss, wenn der jeweilige Zug den Anschluss nicht schafft.
Das war aber gar kein Problem. Meiner hatte ein bisschen Verspätung, weil wir im Rheintal hinter einem Güterzug herfahren mussten und der langsamer war als unser ICE Falkenberg/Elster. Ja, der ICE hatte einen Namen. Das finde ich persönlich immer nett. Woanders haben auch die S-Bahnen Namen, aber das ist in meiner Gegend eher selten. Obwohl ich heute auf der Rückfahrt eine S-Bahn in Köln gesehen habe, die Haltern am See hieß. Vielleicht wirds ja noch doch noch was.
Also, Hinfahrt. ICE nach Frankfurt, durch das schöne Mittelrheintal, und das Wetter hätte nicht besser sein können. Sonne, Wolken, alles ist schön grün, der Rhein glitzert... Alles wie auf einer Postkarte. Der Halt wegen des Güterzugs setzt direkt noch einen tollen Blick auf den Drachenfels mit seinen beiden Burgen drauf. Einfach traumhaft. Auch dafür ist die Bahn gut, dass man das tolle Panorama dann auch ausgiebig anstarren kann.
Ich bin mit ein bisschen Verspätung in Frankfurt, aber das macht nichts, denn der Zug der werten Mitreisenden kommt planmäßig etwas später als meiner. Ich habe genau Zeit, von meinem Gleis zu ihrem zu gehen und sehe ihren Zug auch schon einfahren. Perfektes Timing.
Wir haben einen Sicherheitspuffer bis zum TGV nach Strasbourg eingeplant und machen es uns gerade auf dem entsprechenden Bahnsteig gemütlich, als eine Durchsage und die Bahn-App melden, dass es Probleme in einer Baustelle zwischen Frankfurt und Mannheim gibt, und dass der TGV darum heute in Mannheim starten wird. Dazu passend bietet die App sofort drei andere Züge an, die nach Mannheim fahren, und die Bahn hält einen RE am Nebengleis fünf Minuten länger fest, so dass wir da noch reinspringen können. Umsteigezeit in Mannheim etwa 20 Minuten - als wir da ankommen, sind es noch etwa 9 Minuten, eben wegen der Baustelle und ihrer Probleme. Aber auch das reicht, zumal der TGV auch etwas später einrollt.
Und der hat technische Probleme. Zwei Waggons sind gar nicht benutzbar. Der Wagenstandsanzeiger funktioniert nicht, der Anschlag am Gleis stellt dazu noch eine andere Reihung dar als der Zug tatsächlich hat. Also steigt quasi jede/r erstmal in den falschen Wagen ein. Das wäre ja nicht so schlimm, das könnte man mit viel Herumrennen und Plätze tauschen noch klären - aber in der Mitte des Zuges ist ein Waggon gesperrt, durch den man nicht durchkann. Und wieder aussteigen und drumrumlaufen ist ja auch immer ein Risiko...
Es verteilen sich also alle so gut wie möglich irgendwo hin. Wir bekommen unsere Koffer unter und richten uns darauf ein, die anderthalb Stunden bis Strasbourg stehen zu müssen. Gibt Schlimmeres. Aber da kommt ein Zugbegleiter vorbei und schließt zwei Türen in unserem Waggon auf, hinter denen sich ein weiteres Paar Sitze verbirgt, auf die wir uns dann einfach mal setzen. Ob das erlaubt ist... wir sagen uns, dass uns schon wer wegscheuchen wird, falls die Sitze gebraucht werden. Was nicht passiert. Wir haben also für die Fahrt ein schickes Halb-Separee, was uns schon ein bisschen amüsiert.
Bevor wir dann loskommen, haben wir eine halbe Stunde Verspätung, und auf der Hälfte der Strecke wird bekanntgegeben, dass der Zug zu kaputt ist, um seine volle Strecke bis Marseille zu fahren. Darum müssen wir in Strasbourg alle aussteigen. SNCF will einen Ersatzzug zur Verfügung stellen, der am selben Bahnsteig gegenüber stehen wird.
Für uns ist das gut. Wir wollen eh in Strasbourg raus, und wenn der Zug da nicht weiterfährt, haben wir Zeit, unseren Kram in Ruhe wieder einzusammeln. Schließlich sitzen wir ja jetzt an einem ganz anderen Ende unseres Waggons als unsere Koffer stehen.
Und weil wir bewusst entschieden hatten, am ersten Tag nur bis Strasbourg zu fahren, macht uns eine halbe Stunde Verspätung nicht das Geringste aus. Es bleibt noch immer mehr als genug Zeit für einen gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt und ein Abendessen.
Am nächsten Morgen geht es dann weiter nach Besançon. Das ist dieselbe Strecke Frankfurt-Marseille und wahrscheinlich dieselbe Zuglinie, nur halt jetzt vormittags. Der TGV besteht aus zwei Hälften, eine steht schon wartend am Gleis herum. Es ist unsere, wir können also schön gemütlich einsteigen, die Koffer verstauen und auf die andere Hälfte warten. Alles entspannt, und pünktlich ist er auch. Das wiederum bedeutet, dass wir an Besançon Franche Comté TGV in Ruhe zum Zubringer-Zug zum Stadtbahnhof gehen und in den einsteigen können, bevor der losfährt. Vom TGV-Bahnhof bis Besançon Viotte sind es etwa 15 Minuten und es gibt nur einen Zwischenhalt, der nach Uni aussieht. Alles sehr bequem.
Auf dem Rückweg dann das ganze retour. Zubringerzug von Besançon Viotte nach Besançon Franche Comté TGV. Wir nehmen da ja immer gerne einen früher als wir müssen, und in diesem Falle ist das eine noch viel bessere Idee. Besançon Franche Comté TGV liegt quasi auf freiem Feld, was bedeudetet, dass da niemand herumläuft, der da nicht auch abfahren will oder grade angekommen ist. Es ist also recht leer und schön ruhig. Es gibt Massen an Sitzgelegenheiten, kostenlose Toiletten, einen kleinen Shop und Snack-Automaten, also auch die Basis-Infrastruktur. Man kann da sehr ruhig und gemütlich warten, sehr viel ruhiger und gemütlicher als in jedem anderen Großstadt-Bahnhof.
Der TGV nach Mannheim kommt pünktlich und die Homepage hatte schon angezeigt, dass er ausgebucht ist. Wir sind also nicht überrascht, dass er voll ist, aber dafür davon, dass wir unsere Koffer noch auf einem Kofferregal unterbringen können, dass quasi direkt neben unseren Sitzplätzen liegt. Die sind besetzt, aber die beiden jungen Damen stehen auf, als wir sie darum bitten. Der TGV zeigt keine Reservierungen an, also kann man ihnen nicht vorwerfen, dass sie sich da hingesetzt haben. Nur wundern, denn eine TGV-Karte beinhaltet immer eine Reservierung, also sollten sie eigentlich einen eigenen Sitzplatz haben.
Wir sind also wieder gut unterwegs, landen aber dann kurz vor Mulhouse in einer Signalstörung. Nicht nur wir, sondern auch eine ganze Reihe Züge vor und hinter uns (nicht verwunderlich, denn wenn das Signal nicht signalisiert, darf ja nichts mehr fahren). Erst schätzen sie 30 Minunten Verspätung, dann 60, am Ende sind es 77 Minuten. Auch das macht nichts. Wir haben extra in Karlsruhe keinen Anschluss gebucht, weil wir von da mit dem Deutschlandticket bequem nach Frankfurt kommen. Gerade wenn sowas passiert - es kommt immer noch ein RE. Wenn nicht der eine, dann halt der nächste. Passt schon.
Andere Leute machen das anders, und so setzt schon während des Wartens in Altkirch das Umplanen auf andere Anschlüsse ein. Eine Familie, die schon vor Besançon im TGV saß, will offenbar an diesem Tag noch bis Zerbst - ich habe eine ungefähre Idee davon, wo das liegen könnte, und dass das noch eine ganze schöne Strecke ist... Hut ab vor dem Durchhaltevermögen! Ich bin für sowas zu alt. Allenfalls ohne Umstieg, dann könnte man drüber reden.
Da eine Menge Leute umplanen, leert sich der Zug nach dem Erreichen Deutschlands sehr schnell. In Karlsruhe verlässt uns die Jugendreisegruppe, die drei Viertel des Waggons eingenommen hat, auch wenn die sehr leise waren, macht sich das deutlich bemerkbar. Auch wir wollten eigentlich in Karlsruhe raus, entscheiden aber, bis Mannheim mitzufahren, weil das für uns von da einfacher ist, einen Anschluss nach Frankfurt zu bekommen, mit all den Baustellen und Ersatzverkehren rund um Frankfurt im Moment. Wir sehen leider niemanden, den wir dafür um Erlaubnis fragen könnten, sind aber einfach mal optimistisch, dass es niemanden gestört hat. Der Zug war eh halb leer und mit jetzt noch 75 Minuten Verspätung...
In Mannheim bekommen wir dann quasi auch direkt einen Anschluss nach Frankfurt. Und lernen, dass SE offenbar nicht für Schienenersatzverkehr steht, sondern für Stadtexpress. (Schienenersatzverkehr gab es trotzdem, aber dessen Abkürzung ist SEV.) Außerdem lernen wir viel über die Lage diverser deutscher Städte. Auch das geht mit der Bahn immer gut.
Und dann die letzte Etappe, wieder jeder für sich. Der ICE der werten Mitreisenden fuhr wie angeschlagen und soweit ich weiß auch pünktlich. Mein ICE fuhr gar nicht. Das war aber nichts Neues, denn das hat die Bahn mir schon im Mai per Mail und App wiederholt mitgeteilt. Also hatte ich eigentlich vor, einen anderen ICE zu nehmen, damit nach Siegen zu fahren und von dort mit dem RE9, aber das ging leider auch nicht, weil vor Siegen Brückenarbeiten sind und darum der RE9 Siegen im Moment nicht anfährt. Vorgestern hat mir die Bahn eine neue Alternative angeboten, einen ICE nach Köln, der aber eine Stunde früher fahren sollte, und dazu hatte ich keine Lust. Darum bin ich dann Regionalbahn gefahren.
Auch hier gibt es mehrere Strecken zur Auswahl, ich habe mich für Frankfurt - Koblenz - Köln entschieden, weil in Koblenz mehr Anschlüsse nach Köln fahren. Drei verschiedene REs, und ich hatte ja auch noch das ICE-Ticket von dem Zug, der nicht fuhr, hätte also in Koblenz auch in den Fernverkehr steigen können, wenn das passender gewesen wäre. Alle Optionen offen.
Der RE2 nach Koblenz ist pünktlich, muss aber in Bingen halten und darauf warten, dass ein Fernverkehrszug ihn überholt (und das dann all die Leute die Türen wieder freimachen...), so dass wir am Ende 10 Minuten Verspätung haben. Ich habe also noch 9 Minuten zum Umsteigen, und das klappt auch, wenn es auch ein bisschen anstrengend ist, weil ich das Gleis 104 nicht auf Anhieb gefunden habe. Das passiert mir nicht nochmal, denn jetzt habe ich die Nummerierung der Gleise verstanden und werde sie behalten. Kann man ja immer mal brauchen, in Koblenz bin ich ja spätestens in vier Wochen wieder. Nützlich.
Der RE8 Rhein-Erft-Express nach Rommerskirchen ist auch pünktlich, und er fährt rechtsrheinisch. Okay... etwas Abwechslung zu all den linksrheinischen Fahrten auf der Rheinschiene, die ich dieses Jahr schon gemacht habe. Das Wetter ist nicht ganz so toll wie auf der Hinfahrt, aber noch immer schön. Ich sehe vor allem weniger davon, weil ich lese.
Umstieg in Köln - ich habe die Wahl zwischen HBF und Deutz und nehme Deutz. Da ist weniger los und auch wenn der Zug da vielleicht voll ist, steigen immer viele Leute in HBF aus und man kann dann leichter einen Sitzplatz ergattern, bevor die neuen einsteigen.
Aber das ist heute kein Problem. Die S19 ist pünktlich, mit einem komfortablen Umstiegsintervall von 20 Minuten, und sie ist bei weitem nicht voll. Auch nicht, als sie ankommt, was erstaunlich ist, weil in der Messe irgendwas zu sein scheint, denn es steigen jede Menge Leute in Gothik-Kleidung in Deutz aus den anderen Zügen aus...
Aber die wollten da ja alle raus. Und ich will aus Köln raus, also ist viel Platz in der Bahn. Trotzdem hebe ich meinen Koffer in die Überkopfablage, damit er nicht im Weg ist. Und weil die Bahn in genau dem Moment anfährt, geht das beinahe noch spektakulär schief - hätte nicht der nette Herr auf dem Nebensitz beherzt zugegriffen. Danke nochmal dafür.
Die S19 kommt pünktlich an, also ist auch der letzte Umstieg ohne jede Hektik. Absolut reibungslose Rückfahrt aus Frankfurt also, hätte nicht einfacher und stressfreier laufen können. Nächstes Mal fahre ich gleich mit dem Regionalverkehr nach Frankfurt. Dauert zwar doppelt so lange, aber das kann man ja einplanen.
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Date: 2024-07-29 10:14 am (UTC)no subject
Date: 2024-07-29 12:06 pm (UTC)