Kaffka, the Holy Grail & a Woman who reads
Jan. 5th, 2025 07:28 pmThe Quests of Sir Kay
von Rusty Rhoad
Kay, Seneschall von König Artus, ist ein Krieger alter Schule, der Turniere albern findet und auch nie auf Queste geht. Aber dann fängt er sich einen jungen Knappen ein und eine Queste, um einen Hund aus dem Kerker zu retten. Und wie das auf Questen so ist, man weiß nie, was passiert, wann einem der Heilige Gral in die Quere kommt oder ob man nicht sogar eine Frau findet und sich Hals über Kopf in ihre mathematischen Fähigkeiten verliebt. Und nicht zu vergessen ist auch ein seit Jahren friedliches Britannien nie so ganz sicher. Weder vor Grafen, die der guten alten Zeit hinterhertrauerten, als sie auf ihrem Gebiet wie Götter herrschten, noch vor religiösen Fanatikern und nicht zu vergessen Morgan le Fey.
Es hat alles, was man sich von einem Artusroman wünscht. Schöne Frauen, edle Recken, Turniere, fein gedrechselte Hofsprache, Eifersüchteleien... Der Stil ist modern, unterhaltsam und, da Kay der Ich-Erzähler ist, auch oft genug ironisch, es hat Humor. Es spielt mit Klischees und es ist doch herrlich altmodisch, denn wir haben gegen die Sachsen gekämpft, aber wir tragen Vollplatte, und Magie existiert. Die volle Bandbreite also. Wirklich sehr gut zu lesen, es macht Spaß. Kleine Warnung: ab und an wird es sexuell sehr deutlich.
Kommen wir zu dem, was eigentlich zählt - die Charaktere.
Wie gesagt, Kay ist der Protagonist. Er ist der fähige Seneschall, der einzige im Reich, der wirklich rechnen kann, was sofort erklärt, warum er in dem Job der Beste der Besten ist. Er hat Camelot komplett im Griff, seine Untergebenen gehen für ihn durchs Feuer und jeder weiß das und zollt ihm Achtung dafür. Auf der anderen Seite ist er aber auch der sehr mäßige Kämpfer - ich frage mich immer, warum Autor*innen das machen, aber gut... Ich kann damit leben, solange er selbst das weiß und nicht versucht, etwas anderes darzustellen, was in diesem Fall zutrifft. Kay kennt seine Stärken und Schwächen ganz genau, und er rechnet sich seine Chancen nie falsch aus. Er ist ironisch, hat einen beissenden Humor und kann auch verletztend werden, aber selbst auch einstecken. Er ist ein Ehrenmann, ehrlich, loyal, Artus' erster Ritter. Ein eher rauer Geselle, trotzdem hochgebildet. Progressiv, aber nicht so sehr, dass es im Setting unglaubwürdig wirkt. Also im Ganzen das, was ich lesen will. Sehr positiv.
Artus' ist der großartige Stratege, der idealistische König mit guten Absichten und einem Sinn für Gerechtigkeit, aber er kann auch launisch und unberechenbar sein, oder sogar kleinlich. Wie alle Menschen mit viel Macht hat ihn das in den letzten Jahren nicht unbeeinflusst gelassen. Das spielt mit rein, aber es macht ihn nur menschlich und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er ein guter König ist. Sein Verhältnis zu Kay ist brüderlich - sie sind zusammen aufgewachsen - wenn auch durch den Standesunterschied beeinträchtigt, aber sie vertrauen einander und wissen einander zu schätzen. Und sie spielen sich ab und an gegenseitig einen Streich. Das fand ich lustig. Auch hier positiv.
Von den anderen Rittern gibt es nur Schlaglichter, meistens sogar nur in Dingen, die Kay über sie sagt. Gawain wird ausschließlich erwähnt und beschrieben, als großartiger, wenn auch eher defensiver Kämpfer, Frauenversteher und romantischer Held, Tristan als grandioser Musiker und unter seiner unglücklichen Liebe zu Isolde leidend, Lancelot als unbesiegbar und nur daran interessiert, der beste Ritter aller Zeiten zu sein und an Guinevere. In dieser Reihenfolge.
Der einzige, der mehr bekommt, ist Galahad, und das ist ein sehr interessantes Porträt. Lancelots Sohn, von dem er nichts wusste, der auf einem Turnier plötzlich auftaucht und sogar besser ist als sein Vater. Dessen Jugend und Naivität dazu ausgenutzt wird, ihn zum Gralsritter zu machen - er ist nicht einmal Christ, aber jetzt, wo er er Gralsritter ist, wird er wohl nicht umhin können, sich taufen zu lassen - und der vor allem ein freundlicher, bescheidener junger Mann ist, der seinen Weg erst noch finden muss.
Interessant auch, dass Gaheris unter "the beloved Gaheris" geführt wird - ich hätte zu gerne gewusst, warum, aber das wird nicht erklärt.
Dazu gibt es noch ein sehr gutes Porträt von Morgan - okay, sie ist eine Art Antagonistin, will sich an Artus für zugegebenermaßen erfahrenes Unrecht rächen, aber das läuft eher nebenher - als unkonventioneller Zauberin, die nicht nur in arkanen Künsten geübt ist, sondern auch sonst hochgebildet, und sich einen Spaß daraus macht, Ritter der Tafelrunde in wechselnden Zusammensetzungen in ihrem Landhaus als eine Art männlichen Harem zu halten.
Die titelgebende lesende Frau heißt Elaine und ist die älteste der Schwestern, also eine Tochter von Goloris und Ygraine, und die Frau, in die Kay sich spontan verliebt, weil sie intelligent, gebildet und scharfzüngig ist. Auf jeder Ebene also eine würdige Gegnerin für Kay. Oder eine Verbündete? Bei jeder Queste muss es ja ein Happy End geben.
Und, wie das auch immer gerne gemacht wird, haben wir noch besagten Knappen dabei, Oswald mit Namen, der genau die richtige Mischung aus clever, witzig, superfähig und jung ist, um als Unterstützung, Sidekick und Held im eigenen Recht zu dienen. Terence lässt grüßen.
Es gibt auch ein Set Nebenfiguren, vom machthungrigen Priester über die dralle Schankmeid, den Spielmann und die Belegschaft von Küche und Wachstube, die alle zwar kurz skizziert sind, aber weder farblos noch beliebig wirken. Und natürlich den Antagonisten, besagten Grafen, der aber trotz aller bescheuerten Ansichten nicht grundsätzlich schlecht ist.
Was mich gestört hat, war der Zeitreisende. Ich hasse Zeitreisen, sein Auftauchen war sinnlos, überflüssig und albern. Es sei denn, er ist der Progtagonist eines der anderen Bücher des Autors und das sollte ein Cameo sein. Auch die ständige Erwähnung von Kaffka (Kaffee) hat mich vor allem genervt. Okay, Merlin hat den aus dem Mittleren Osten mitgebracht, darum kennt Kay ihn, und darum ärgert er sich ständig darüber, dass es in Britannien keinen gibt. Wahrscheinlich sollte es ein Running Gag sein.
Also - hat Spaß gemacht. Ich mochte den Tonfall, ich mochte die Charaktere, ich mochte das Setting. Klare Empfehlung.
von Rusty Rhoad
Kay, Seneschall von König Artus, ist ein Krieger alter Schule, der Turniere albern findet und auch nie auf Queste geht. Aber dann fängt er sich einen jungen Knappen ein und eine Queste, um einen Hund aus dem Kerker zu retten. Und wie das auf Questen so ist, man weiß nie, was passiert, wann einem der Heilige Gral in die Quere kommt oder ob man nicht sogar eine Frau findet und sich Hals über Kopf in ihre mathematischen Fähigkeiten verliebt. Und nicht zu vergessen ist auch ein seit Jahren friedliches Britannien nie so ganz sicher. Weder vor Grafen, die der guten alten Zeit hinterhertrauerten, als sie auf ihrem Gebiet wie Götter herrschten, noch vor religiösen Fanatikern und nicht zu vergessen Morgan le Fey.
Es hat alles, was man sich von einem Artusroman wünscht. Schöne Frauen, edle Recken, Turniere, fein gedrechselte Hofsprache, Eifersüchteleien... Der Stil ist modern, unterhaltsam und, da Kay der Ich-Erzähler ist, auch oft genug ironisch, es hat Humor. Es spielt mit Klischees und es ist doch herrlich altmodisch, denn wir haben gegen die Sachsen gekämpft, aber wir tragen Vollplatte, und Magie existiert. Die volle Bandbreite also. Wirklich sehr gut zu lesen, es macht Spaß. Kleine Warnung: ab und an wird es sexuell sehr deutlich.
Kommen wir zu dem, was eigentlich zählt - die Charaktere.
Wie gesagt, Kay ist der Protagonist. Er ist der fähige Seneschall, der einzige im Reich, der wirklich rechnen kann, was sofort erklärt, warum er in dem Job der Beste der Besten ist. Er hat Camelot komplett im Griff, seine Untergebenen gehen für ihn durchs Feuer und jeder weiß das und zollt ihm Achtung dafür. Auf der anderen Seite ist er aber auch der sehr mäßige Kämpfer - ich frage mich immer, warum Autor*innen das machen, aber gut... Ich kann damit leben, solange er selbst das weiß und nicht versucht, etwas anderes darzustellen, was in diesem Fall zutrifft. Kay kennt seine Stärken und Schwächen ganz genau, und er rechnet sich seine Chancen nie falsch aus. Er ist ironisch, hat einen beissenden Humor und kann auch verletztend werden, aber selbst auch einstecken. Er ist ein Ehrenmann, ehrlich, loyal, Artus' erster Ritter. Ein eher rauer Geselle, trotzdem hochgebildet. Progressiv, aber nicht so sehr, dass es im Setting unglaubwürdig wirkt. Also im Ganzen das, was ich lesen will. Sehr positiv.
Artus' ist der großartige Stratege, der idealistische König mit guten Absichten und einem Sinn für Gerechtigkeit, aber er kann auch launisch und unberechenbar sein, oder sogar kleinlich. Wie alle Menschen mit viel Macht hat ihn das in den letzten Jahren nicht unbeeinflusst gelassen. Das spielt mit rein, aber es macht ihn nur menschlich und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er ein guter König ist. Sein Verhältnis zu Kay ist brüderlich - sie sind zusammen aufgewachsen - wenn auch durch den Standesunterschied beeinträchtigt, aber sie vertrauen einander und wissen einander zu schätzen. Und sie spielen sich ab und an gegenseitig einen Streich. Das fand ich lustig. Auch hier positiv.
Von den anderen Rittern gibt es nur Schlaglichter, meistens sogar nur in Dingen, die Kay über sie sagt. Gawain wird ausschließlich erwähnt und beschrieben, als großartiger, wenn auch eher defensiver Kämpfer, Frauenversteher und romantischer Held, Tristan als grandioser Musiker und unter seiner unglücklichen Liebe zu Isolde leidend, Lancelot als unbesiegbar und nur daran interessiert, der beste Ritter aller Zeiten zu sein und an Guinevere. In dieser Reihenfolge.
Der einzige, der mehr bekommt, ist Galahad, und das ist ein sehr interessantes Porträt. Lancelots Sohn, von dem er nichts wusste, der auf einem Turnier plötzlich auftaucht und sogar besser ist als sein Vater. Dessen Jugend und Naivität dazu ausgenutzt wird, ihn zum Gralsritter zu machen - er ist nicht einmal Christ, aber jetzt, wo er er Gralsritter ist, wird er wohl nicht umhin können, sich taufen zu lassen - und der vor allem ein freundlicher, bescheidener junger Mann ist, der seinen Weg erst noch finden muss.
Interessant auch, dass Gaheris unter "the beloved Gaheris" geführt wird - ich hätte zu gerne gewusst, warum, aber das wird nicht erklärt.
Dazu gibt es noch ein sehr gutes Porträt von Morgan - okay, sie ist eine Art Antagonistin, will sich an Artus für zugegebenermaßen erfahrenes Unrecht rächen, aber das läuft eher nebenher - als unkonventioneller Zauberin, die nicht nur in arkanen Künsten geübt ist, sondern auch sonst hochgebildet, und sich einen Spaß daraus macht, Ritter der Tafelrunde in wechselnden Zusammensetzungen in ihrem Landhaus als eine Art männlichen Harem zu halten.
Die titelgebende lesende Frau heißt Elaine und ist die älteste der Schwestern, also eine Tochter von Goloris und Ygraine, und die Frau, in die Kay sich spontan verliebt, weil sie intelligent, gebildet und scharfzüngig ist. Auf jeder Ebene also eine würdige Gegnerin für Kay. Oder eine Verbündete? Bei jeder Queste muss es ja ein Happy End geben.
Und, wie das auch immer gerne gemacht wird, haben wir noch besagten Knappen dabei, Oswald mit Namen, der genau die richtige Mischung aus clever, witzig, superfähig und jung ist, um als Unterstützung, Sidekick und Held im eigenen Recht zu dienen. Terence lässt grüßen.
Es gibt auch ein Set Nebenfiguren, vom machthungrigen Priester über die dralle Schankmeid, den Spielmann und die Belegschaft von Küche und Wachstube, die alle zwar kurz skizziert sind, aber weder farblos noch beliebig wirken. Und natürlich den Antagonisten, besagten Grafen, der aber trotz aller bescheuerten Ansichten nicht grundsätzlich schlecht ist.
Was mich gestört hat, war der Zeitreisende. Ich hasse Zeitreisen, sein Auftauchen war sinnlos, überflüssig und albern. Es sei denn, er ist der Progtagonist eines der anderen Bücher des Autors und das sollte ein Cameo sein. Auch die ständige Erwähnung von Kaffka (Kaffee) hat mich vor allem genervt. Okay, Merlin hat den aus dem Mittleren Osten mitgebracht, darum kennt Kay ihn, und darum ärgert er sich ständig darüber, dass es in Britannien keinen gibt. Wahrscheinlich sollte es ein Running Gag sein.
Also - hat Spaß gemacht. Ich mochte den Tonfall, ich mochte die Charaktere, ich mochte das Setting. Klare Empfehlung.