blauerfalke: (geschichten)
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von Kari Sperring


Es gibt fünf Brüder im Orkney-Clan. Da ist Gawain, bekannt durch das Duell mit dem Grünen Ritter, Gareth, der sich als Küchenjunge verdingte, Agravain und Mordred, treibende Kräfte beim Aufdecken der Affäre von Lancelot und Guinvere, und Gaheris, der... ja. Gaheris halt.
Es gibt auch einen ganzen Haufen Brüder im Norgwalia-Clan. Aglovale, Donar, Tor, Parzival und Lamorak. Und beide Clans sind verfeindet, weil irgendwer viellicht den Vater der einen umgebracht hat oder vielleicht den der anderen, oder so und überhaupt. Weil halt.

Mit anderen Worten, es ist kompliziert. Es ist immer kompliziert, wenn man so viele Geschwister hat. Und die Geschwisterbeziehung vor allem zwischen den Orkneys ist auch das eigentlich Hauptthema des Buchs. Mit allen Höhen und Tiefen, die das so mit sich bringt. Das bildet eine ausgezeichnete Basis, das ist mit Sorgfalt aufgebaut und ausgeführt, und das ist das Lesen schon wert.
(Generell bekommt die Charakterführung viel Zeit, wechselnde Perspektiven garantieren verschiedene Sichtweisen, und Mrs. Sperring gibt jedem Raum und Respekt.)

Und hätte ich das Nachwort zuerst gelesen, hätte ich mir auch um den Rest keine Sorgen mehr gemacht. Die Autorin ist Historikerin mit (unter anderem) walisischen Wurzeln, und hat Universitätskurse über die Artuslegende gehalten. Das garantiert, dass sie den Stoff von allen Seiten und aus vielen Quellen kennt, die walisischen Orts- und Personennamen korrekt sind, und dass sie ihre Charakterisierungen nicht aus der Luft greift. Und da sie auch noch "The Squire's Tale" von Gerald Morris empfiehlt... Ich lese nie Nachworte vor dem Buch (und eigentlich auch ungern Vorworte), also habe ich in dem Moment quasi zu jedem Punkt, den sie anführt, nur noch genickt oder mir gedacht, dass ich das schon gedacht hatte. Auch spaßig.

Also - natürlich stimme ich nicht mit allen Charakteren 100% überein, aber es ist doch sehr nah dran. Von sämtlichen Brüdern aller Familien, über Kay, Artus, Guinevere... Kay ist mit Andrivete verheiratet, "the sanest person in Camelot", die quasi eine Zwillingsschwester meiner Kunneware ist, das war ein sehr schöner Bonus (genauso wie die Tatsache, dass Kay den Test mit dem Horn der Treue besteht). Lancelot ist nach wie vor der Beste Ritter der Welt (gefolgt von Gareth) und angemessen ernsthaft und verantwortungsbewusst (trotz des schönen Dialogs über Agravaine "Do you think he went full Lancelot?" "In which way? The sudden piety or bouts of madness?"), wenn auch nur ein Nebencharakter. Er hat auch keine Affäre mit der Königin, weil Mrs. Sperring das "overdone" findet. Und ihre Esyllt hat mir vielleicht sogar einen Denkanstoß für meine eigene Isolde gegeben (weiterer Bonus: ein positiv dargestellter Marcus). Da ich auch mit einem redeemed Medraut gut leben kann, ist die einzige Person, bei der wir vollkommen auseinaderliegen, Luned. Aber das macht ja nichts. Alle Versionen sind valid und jede/r kann sich aussuchen, was er/sie lesen will.

Darum klare Empfehlung.

Oh - um was es geht? Es sind verschiedene Geschichten. Die um Lamoraks Affere mit Morgawse, die mit deren Tod endet, der Gaheris angelastet wird, eine über eine Krise zwischen Gareth und Llions, eine um die Queste, in der Gawain eine Frau erschlägt, und die Ereignisse, die zu Camlann führen. Und zu Gaheris' Tod.

Aber eigentlich ist das ja egal. Es geht immer zuerst um die Charaktere. Darum nochmal: Klare Empfehlung! Sehr gutes Buch.

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