...aber wissen sollten
von Alice Hasters
Frau Hasters ist ein deutsche Journalistin, geboren in Köln. Sie hat einen deutschen Vater und eine amerikanische Mutter und ist daher, was man heute "mixed" nennt. Ihre Haut ist dunkel genug, dass sie auch in Deutschland eindeutig als schwarz erkannt wird, aber hell genug, dass es noch auf der "positiven Seite" wahrgenommen wird.
Alleine diese Einleitung enthält schon mehr als genug Dinge, die deutlich zeigen, was Rassismus ist. Denn Rassismus ist nicht das, das die meisten Menschen dafür halten - gerade in Deutschland gilt noch immer der Bezug "Rassist = Nazi", und das ist dem Diskurs eher hinderlich als dienlich, denn die Leute machen sofort dicht, wenn sie sich als Nazi beschimpft fühlen (abgesehen von einigen Idioten, aber darum geht es jetzt nicht), auch wenn das mit der Aussage "das war jetzt rassistisch" niemand getan hat.
Das ist das Erste, was das Buch erklärt. Rassismus hat nichts damit zu tun, ein Nazi zu sein (aber jeder Nazi ist ein Rassist), es ist nicht dasselbe wie Fremdenfeindlichkeit und es nicht einmal immer zwingend abwertend. Rassismus bedeutet, Stereotype zu verwenden, die sich auf "Rassemerkmalen" gründen. Egal, ob das dann "alle schwarzen Männer haben einen übersteigenden Sextrieb" heißt oder "alle Westafrikaner sind schnelle Läufer". Es bedeutet Vorurteile, es bedeutet Verallgemeinerung, und es bedeutet, die Unterschiede zu betonen - geschichtlich vor allem mit der Prämisse, die Ausbeutung anderer zu rechtfertigen.
Das war die eine Sache, die ich sehr interessant fand. Die grundlegende Erklärung und eben den Hinweis, dass das, was gesagt wird, nicht das ist, was gehört wird, und dass das jede Beschäftigung mit dem Thema sehr stark erschwert. Die andere Sache ist natürlich der persönliche Bericht aus Frau Hasters Leben, den sie dem Buch zugrunde legt. Ihre persönlichen Erfahrungen im Alltag, die Hintergründe dazu, welche Muster unserer Gesellschaft ihnen zugrunde liegen. Das ist auch etwas, was man sich eher selten bewusst macht, denn viele dieser Muster sind historisch begründet und mehrere hundert Jahre alt. Es kann also nicht schaden, noch einmal daran erinnert zu werden und darüber nachzudenken.
Ich kann nicht sagen, dass mich etwas von dem, was Frau Hasters berichtet, überrascht hat oder wirklich neu für mich war. (Abgesehen von der Tatsache, die mich immer wieder überrascht - dass es tatsächlich Menschen gibt, die ohne zu fragen in den Haaren von Schwarzen Frauen herumgrabbeln. Warum? Man packt niemandem einfach so in Haare, egal wem. Was soll das?) Trotzdem war es lohnend zu lesen, weil es dazu anregt, nachzudenken. Und dabei ist der Blickwinkel von jemanden, der selbst in diese Situationen kommt, natürlich unbezahlbar.
Persönlich, informativ, sehr gut geschrieben, modern. Ein sehr gut gemachter Aufruf zum Dialog - zum sachlichen Dialog, von beiden Seiten her. Nur dadurch können wir alle etwas lernen.
von Alice Hasters
Frau Hasters ist ein deutsche Journalistin, geboren in Köln. Sie hat einen deutschen Vater und eine amerikanische Mutter und ist daher, was man heute "mixed" nennt. Ihre Haut ist dunkel genug, dass sie auch in Deutschland eindeutig als schwarz erkannt wird, aber hell genug, dass es noch auf der "positiven Seite" wahrgenommen wird.
Alleine diese Einleitung enthält schon mehr als genug Dinge, die deutlich zeigen, was Rassismus ist. Denn Rassismus ist nicht das, das die meisten Menschen dafür halten - gerade in Deutschland gilt noch immer der Bezug "Rassist = Nazi", und das ist dem Diskurs eher hinderlich als dienlich, denn die Leute machen sofort dicht, wenn sie sich als Nazi beschimpft fühlen (abgesehen von einigen Idioten, aber darum geht es jetzt nicht), auch wenn das mit der Aussage "das war jetzt rassistisch" niemand getan hat.
Das ist das Erste, was das Buch erklärt. Rassismus hat nichts damit zu tun, ein Nazi zu sein (aber jeder Nazi ist ein Rassist), es ist nicht dasselbe wie Fremdenfeindlichkeit und es nicht einmal immer zwingend abwertend. Rassismus bedeutet, Stereotype zu verwenden, die sich auf "Rassemerkmalen" gründen. Egal, ob das dann "alle schwarzen Männer haben einen übersteigenden Sextrieb" heißt oder "alle Westafrikaner sind schnelle Läufer". Es bedeutet Vorurteile, es bedeutet Verallgemeinerung, und es bedeutet, die Unterschiede zu betonen - geschichtlich vor allem mit der Prämisse, die Ausbeutung anderer zu rechtfertigen.
Das war die eine Sache, die ich sehr interessant fand. Die grundlegende Erklärung und eben den Hinweis, dass das, was gesagt wird, nicht das ist, was gehört wird, und dass das jede Beschäftigung mit dem Thema sehr stark erschwert. Die andere Sache ist natürlich der persönliche Bericht aus Frau Hasters Leben, den sie dem Buch zugrunde legt. Ihre persönlichen Erfahrungen im Alltag, die Hintergründe dazu, welche Muster unserer Gesellschaft ihnen zugrunde liegen. Das ist auch etwas, was man sich eher selten bewusst macht, denn viele dieser Muster sind historisch begründet und mehrere hundert Jahre alt. Es kann also nicht schaden, noch einmal daran erinnert zu werden und darüber nachzudenken.
Ich kann nicht sagen, dass mich etwas von dem, was Frau Hasters berichtet, überrascht hat oder wirklich neu für mich war. (Abgesehen von der Tatsache, die mich immer wieder überrascht - dass es tatsächlich Menschen gibt, die ohne zu fragen in den Haaren von Schwarzen Frauen herumgrabbeln. Warum? Man packt niemandem einfach so in Haare, egal wem. Was soll das?) Trotzdem war es lohnend zu lesen, weil es dazu anregt, nachzudenken. Und dabei ist der Blickwinkel von jemanden, der selbst in diese Situationen kommt, natürlich unbezahlbar.
Persönlich, informativ, sehr gut geschrieben, modern. Ein sehr gut gemachter Aufruf zum Dialog - zum sachlichen Dialog, von beiden Seiten her. Nur dadurch können wir alle etwas lernen.