Wicked

Feb. 16th, 2025 06:02 pm
blauerfalke: (geschichten)
[personal profile] blauerfalke
Film nach einem Musical, nach einem Buch, inspiriert von einem Film, basierend auf einem Musical, inspiriert von einem Buch ("The Wizard of Oz", Frank L.Baum)

Musik und Text von Steven Schwartz, deutsch synchronisierte Version


Okay. Wie wir alle wissen, hat es mal Dorothy aus Kansas samt ihrem Hund Toto nach Oz verschlagen, wobei ihr Haus leider eine Hexe erschlagen hat. Draufhin wurde sie von Glinda, der guten Hexe des Nordens(bzw. Südens, je nach Buch) zum Zauberer von Oz geschickt, damit der sie wieder heimschickt, und der wiederum beauftragt sie, die Böse Hexe des Westens zu töten. Dorothy kippt der Hexe einen Eimer Wasser über den Kopf, die Hexe schmilzt.
Schnitt.
Oz feiert den Tod der Hexe, Glinda schwebt heran, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, jemand fragt sie, ob es stimmt, dass sie und die Hexe befreundet waren. Glinda gibt zu, sie einst gekannt zu haben.
Schnitt.

Oz hat eine Uni, an der Glinda - blond, populär, dumm - gerade anfängt. Auch anfangen tut Nessarosa, die im Rollstuhl sitzt, und wiederum eine Schwester hat, die Elphaba heißt und grün ist. Elphaba hat großes magisches Talent und wird darum von der Magielehrerin Madame Akaber immatrikuliert und kurzerhand zu Glindas Zimmergenossin erklärt. Keine von beiden ist begeistert.
Dann taucht Prinz Fiyero - brünett, populär, dumm - auf, er und Glinda werden ein Paar.
Glinda schenkt Elphaba einen scheußlichen schwarzen Spitzhut und läd sie auf eine Party ein. Dann versucht sie, einen Verehrer loszuwerden, indem sie ihm bittet, um ihrentwillen Nessarosa den Hof zu machen. Das wiederum veranlasst Elpaba dazu, Madama Akakaber zu bitten, Glinda in den Zauberunterricht aufzunehmen. Glinda erfährt davon, kurz bevor Elphaba auf die Party kommt, wo alle sie wegen ihres Aufzugs auslachen. Glinda ergreift aus schlechtem Gewissen Elphabas Partei, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Außerdem hat Oz sprechende Tiere, die genauso intelligent sind wie Menschen und eigentlich gleichberechtigt mit ihnen zusammenleben sollten. In Wirklichkeit werden diese Tiere diskriminiert und immer mehr schikaniert, und die Propaganda stellt sie als minderwertig dar. Parallel dazu verlieren immer mehr von ihnen ihre Fähigkeit zu sprechen.
Elphaba ist davon entsetzt und empört und als ihr letzter Tierprofessor mitten im Unterricht verhaftet wird, retten sie und Fiyero das Anschauungsobjekt des Nachfolgers - ein Löwenbaby - aus seiner Gefangenschaft. Fiyero fängt an, nachzudenken, was ihn von Glinda entfremdet und Elphaba näher kommen lässt.

Kurz darauf wird Elphaba zum Zauberer in die Smaragdstadt eingeladen. Sie nimmt Glinda mit und gemeinsam wollen sie sich für die Tiere verwenden - dabei stellt sich heraus, dass der Zauberer für das Ganze verantwortlich ist (eine Gesellschaft hält immer besser zusammen, wenn sie einen gemeinsamen Feind hat) und Elpaba braucht, um im mächtigen Grimmoire zu lesen, da er selbst gar nicht zaubern kann. Elphaba beweist ihre Kräfte damit, dass sie den Affen, die die Leibgarde des Zauberers bilden, Flügel wachsen lässt.
Kaum hat sie begriffen, was vor sich geht, stellt sie sich gegen den Zauberer, wird prompt zur Bösen Hexe erklärt und flieht auf einem Besen aus der Smaragdstadt, vefolgt von den Geflügelten Affen.
Glinda kann sich nicht überwinden, mit der Freundin zu gehen und bleibt zurück.

Ende Akt 1, Ende des Films. Der Film dauert mehr als doppelt so lange wie das gesamte Musical. Darum war ich sehr skeptisch, ob das noch funktioniert, wenn sie es dermaßen aufblähen. Aber, erstaunlicherweise, es funktioniert. Es gibt keine echten Längen, klar könnte man hier und da ein wenig kürzen, aber im Ganzen ist es gut ausbalanciert und hält die Spannung.

Auch sieht es beeindruckend gut aus. Die Kulissen sind spektakulär, voller Details und gut durchdacht. Es sieht nach Oz aus, darum macht es auch nichts, wenn es ab und an deutlich künstlich wirkt - vor allem in den Landschaftstotalen, je näher sie rangehen, umso besser sieht es aus - denn das tat der legendäre Film damals auch schon. Gewohnte Optik sozusagen.

Sie singen auch nur ein zusätzliches Lied, der Rest ist der Score des Musicals. Der hat Kraft, hat sich bewährt und klingt in der deutschen Version auch gesanglich ausgezeichnet. Musikalisch natürlich sowieso, da haben sie bestimmt ein entsprechendes Orchester eingesetzt. Für einen Film kann man sich das leisten. Größter Showstopper ist und bleibt "Frei und schwerelos" (Defying Gravity), Elphabas großer Song zum Ende von Akt 1, also hier der Finalsong des Films, der dann auch entsprechend im Ohr bleibt.

"Wicked" ist nichts, was große Schauspielkunst erfordert. Glinda ist ein Klischee, Fiyero ist es ebenso, auch Elphaba ist nicht viel mehr - auch wenn sich in ihre Rolle als nachdenkliche, mitfühlende aber leider grüne Außenseiterin sehr viel hineininterpretieren lässt, was auch gerne gemacht wird und sicher seine Berechtigung hat, egal ob man sich da auf Kindheitstrauma oder emotionale Schädigung durch den Vater, Rassismus, Faschismus oder was auch immer bezieht - und viele Nebenrollen werden auch bewusst als Klischee aufgebaut und verwendet. Nessarosa und ihr "Verehrer" wirken tiefergehend, sind es aber nicht, weil sie komplett auf diese Konstellation reduziert werden, und darüber hinaus gibt es dann noch den Zauberer und Madama Akaber, die vor allem darum auffallen, weil sie die beiden "großen Namen" des Films sind, nämlich Jeff Goldblum und Michelle Yeoh. Für sie habe ich eine Schwäche, und es stand auch nie im Zweifel, dass sie sich in großen Roben zu bewegen weiß und Weisheit vortäuschen kann. Passt also.

Es ist mit Sicherheit großes Kino. Es ist mit Sicherheit kein tiefgreifendes Werk (wobei das Buch von Gregory McGuire, auf dem das Musical basiert, durchaus mit einem solchen Anspruch einherkommt), aber das ist nicht zu erwarten, denn das Musical ist das auch nicht. Was das Musical aber ist, ist eine gut gemachte Show, die perfekt funktioniert, und genau das konnten sie in den Film retten. Wobei ich mich noch immer wundere, wie ihnen das bei der langen Laufzeit gelungen ist.... wie gesagt, der Film ist nur Akt 1 und mehr als doppelt so lange wie die ganze Show...

Wer die Show liebt, wird den Film lieben. Wer das klassische Oz-Feeling liebt, wahrscheinlich auch. Wer das Buch liebt, eher nicht, aber der mochte wahrscheinlich schon das Musical nicht.

Überraschend gut. Warten wir mal auf die zweite Hälfte.

Profile

blauerfalke: (Default)
blauerfalke

January 2026

S M T W T F S
     123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Most Popular Tags

Style Credit

Expand Cut Tags

No cut tags
Page generated Jan. 2nd, 2026 09:54 pm
Powered by Dreamwidth Studios