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Eine Wupperetten-Revue (Eigenwerbung)

Es spielt die Oper Wuppertal.

Die Oper Wuppertal liegt direkt am Bahnhof Wuppertal-Barmen. Das war mir bis jetzt auch nicht klar, aber nur so mal am Rande. Sie hat quasi Gleisanschluss. Und die Schwebebahn ist direkt auf der anderen Seite.

Das Thalia Theater hingegen war in Elberfeld, hatte 2000 Sitzplätze und war ein für seine Zeit typischer Theaterpalast, der vor allem Operetten, Revuen, Varieté und später auch Filme auf einer Leinwand zeigte. Heute steht an der gleichen Stelle ein Hochhaus der Stadtsparkasse, das ist architektonisch sehr schade und wird auch direkt zur Ouvertüre gezeigt - erst das Thalia, dann die Sparkasse und dann Bilder vom Bau der Sparkasse rückwärts, so dass es immer weniger wird, bis am Ende der Bilderreihe wieder das Thalia Theater zu sehen ist. Netter Kunstgriff, der auch hörbar für Erheiterung sorgte.

Das Stück selbst spielt zwischen 1929 und 1933, das gerade frisch renovierte Thalia wird vom neuen Theaterdirektor Robert Riemer wiedereröffnet, mit der Operette "Der Bettelstudent", zu der alle Beteiligten Rokkoko-Kostüme tragen. Es geht um die finanziellen Schwierigkeiten des Theaters, darum, wie man einen Spielplan umsetzt, der Gewinn macht, ohne dabei die Stars seines Ensembles zu verärgern, und später natürlich auch um die Machtergreifung und dass Riemer, der Jude ist, gezwungen wird, sein Theater abzugeben und in die USA zu emigrieren.
Dazwischen geht es auch noch um die sich anbahnende Liebe zwischen Louise und dem Reporter Peter, sowie Louises Bruder Felix, der im Ensemble des Theaters ist, und sich in eine neue Kollegin verliebt, die aber in Wahrheit die Muse Thalia in Person ist, die dem Theater helfen will, zu überleben. Am Ende des Stücks ist es klar, dass diese Aufgabe im Rahmen der politischen Zustände zu groß für eine Muse ist und Thalia muss sich verabschieden.

Das Buch ist also recht schwach, die Dialoge sind eher hölzern, und es ist zu erwarten, dass Louise nur so heißt, damit ihr Peter "Ach Louise" aus "Bezauberndes Fräulein" singen kann (auch bekannt als der Exquisa-Song aus der Werbung). Auch die Ausschnitte aus "Die lustige Witwe" finden nur statt, damit Sangmin Jeon und Margaux de Valensart ihre großartigen Stimmen unter Beweis stellen können. Wir sind im Opernhaus, und da darf man ruhig mit dem angeben, was man hat.

Auch beim Rest des Ensembles ist es nicht besonders schwer, herauszuhören, wer zum Opernsensemble gehört und wer nicht, aber das ist durch eben diese Unterschiedlichkeit im Gesang spannend und interessant. Alle Beteiligten machen ihre Sache ausgezeichnet, vor allem herausheben möchte ich Merlin Wagner als Peter und Edith Grossman als Thalia, die beide sehr charmant und liebenwürdig ihre Rollen mit großer Begeisterung spielen. Auch wenn sie aufgrund von Krankheit nicht in der Lage war, selbst zu singen (Gesang in unserer Vorstellung Anne-Christine Heymann) - auch das klappte vorzüglich und fiel nicht weiter auf. Großes Lob an alle Beteiligten.

Ein bisschen spaßig war es auch, weil das etwas ist, was ich mit der großen Kunst der Oper verbinde - vor dem Beginn kommt jemand auf die Bühne, der die Entschuldigungen diverser Darsteller/innen ausrichten lässt, dass sie heute nicht so gut bei Stimme sind. Oder auch, in diesem Falle, dass der Chor aufgrund von Krankheit stark dezimiert ist.

Geklungen hat es trotzdem wie gesagt alles sehr gut. Die Musik stammte aus diversen Operetten, zum Teil mit Wuppertal-Bezug umgedichtet, zwei oder drei Lieder habe ich sogar erkannt. Klares Highlight natürlich "Mädel, fahr mit mir Schwebebahn" (ja, das heißt wirklich so), zu dem sie diverse Schwebebahnen oben an der Bühne hin- und herfahren ließen (eine mit Elephant drin) und Frau Grossman eine begeisterte Stepeinlage hingelegt hat. Im Chor gab es sogar Leute, die Lindy Hop tanzen konnten, dass passte auch sehr gut.

Da die Oper kein Tanzensemble hat, war es im Ganzen nicht so mitreißend-swingend, wie die Ankündigung es vermuten ließ. Auch der Kulturauftrag, der die ensprechenden politischen Bezüge erfordert, stand dem schmissigen Abend deutlich entgegen, auch wenn ich verstehe, dass es sein muss (und vielleicht sogar nützlich ist, gerade jetzt). Trotzdem ist es ein charmantes Stück mit vielen netten Ideen und gut gemachten Szenen, das einen unterhaltsamen Abend garantiert.
(Es wurde in Deutsch und Englisch übertitelt, aber die Bildschirme sind sehr weit oben, die Schrift ist klein und der Kontrast weiß auf schwarz auch nicht der Beste.)

Schöne Idee, gut umgesetzt. Wupperette.

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