Hassliebe

Mar. 27th, 2025 08:47 pm
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Von Anna Rose

Frau Rose ist Russin und lebt in Deutschland. Auch ist sie Journalistin, was ihr Einblicke in die Medienlandschaft beider Länder verschafft - wer berichtet was, wie und warum. Wer wird zu welchem Thema eingeladen oder auch nicht. Denn in dem einen Land bestimmt die Quote, was die Medien veröffentlichen, und in dem anderen die Regierung. Beides ist in etwa genauso schlecht.

Ich hatte ein anderes Buch erwartet, eher eines über die deutsche Seele und die russische Seele und die kulturellen Unterschiede und dadurch verursachten Mißverständnisse - das gibt es auch immer mal wieder, aber stets in einem trockenen und harten Tonfall. Teilweise fand ich es sogar reichlich desillusioniert. Auf seine Art ist es sicher irgendwo unterhaltsam, aber in erster Linie ist es anstrengend. Nicht unbedingt nur negativ anstrengend, aber es ist keine leichte Kost.

Vor allem ist natürlich der russische Blick interessant, den Eindruck von Deutschland, der dort herrscht, und der scheint irgendwo zwischen Sehnsuchtsland, wo jeder hinwill, und bösem, mächtigen Feind, gegen den man sich wehren muss, zu liegen. Frau Rose hat sicher Recht damit, dass das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland im Augenblick sehr schlecht ist, und sicher auch damit, dass Deutschland daran nicht unschuldig ist - wobei ich ihr auch zu Gute halten muss, dass Buch zwar nach der Annektion der Krim geschrieben wurde, aber vor dem Einmarsch in die Ukraine - aber das ständige Einfordern von Verständnis für die russische Sichtweise fand ich doch recht eindimensional. Gerade dann, wenn Frau Rose für Verständnis wirbt, dass es ein Land eben nicht einfach wegstecken kann, wenn es plötzlich Gebiete abtreten muss, die ihm jahrundertelang gehörten, nur auf Grund einer politischen Entscheidung. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann war diese Entscheidung sogar von russischer Seite aus... und das in einem Buch für deutsches Publikum, das fand ich schon ein bisschen seltsam. Wenn wir jetzt wieder damit anfangen, uns darüber zu beklagen, wie unsere Grenzen aussehen und wer das Schuld ist... damit ist auch niemandem gedient. Und ich bezweifle, dass das in Russland jemand als gut und verständlich ansehen würde.

Es hat sehr interessante Abschnitte darüber, wie Russland funktioniert, es widerspricht vielem, was man zu wissen glaubt, gerade was die politische Landschaft angeht. Und es macht Angst. Wenn die einzige Lösung des Problems darin bestehen kann, dass man immer auf Russland Rücksicht nehmen muss, damit man dieses stolze Land nicht beleidigt... ja, bevormunden ist auch keine Lösung. Wie gesagt, Deutschland und "der Westen" haben sich sicher auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Aber Kooperation braucht immer beide Seiten - es ist schade, dass wir alle, egal welches Land der Welt, im Moment immer weiter von Koopertion wegsteuern. "Soll doch erstmal der Andere anfangen" - so wirds nie was. Leider.

Interessant, aber sehr bitter. Muss man aushalten können.

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