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Von Göttern, Kriegern, Feen und Druiden

keine Autorennennung, Original-Copyright liegt bei Simon & Schuster, Inc, deutsche Übersetzung von Hubert Mania, Verlag Anaconda

Bücher ohne Autorennennung finde ich suspekt. Sachbücher ohne Anhang mit Quellenangaben oder wenigstens einer Liste benutzter Literatur finde ich auch suspekt. Es muss ja nicht gleich jede Behauptung mit einer Fussnote versehen sein...

Das Buch behandelt den Ulster- und den Finn-Zyklus, sowie Teile vom Mabinogion. Es hat ein Kapitel über König Artus, das sich vor allem auf Geoffrey von Monmouth beruft, und weitere Kapitel mit Titeln wie "Die Muttergöttinnen", "Heilige Orte", "Die Druiden"... Bäume, Heilige Bestien, Keltisches Christentum... was man eben so erwartet.
Nur wenige Texte der beiden Geschichten-Sammlungen werden mit Handlung vorgestellt, ein Großteil besteht nur aus Verweisen, die schwer zu verstehen sind, wenn man nicht ohnehin schon weiß, um was es in dem Text geht. Aber wenn man das ohnehin schon weiß, kann man sich den Großteil der entsprechenden Kapitel eigentlich auch sparen.

Sprich, es ist oberflächlich. Es wiederholt sich, auch gerne mit denselben Aussagen in verschiedenen Kapiteln, und auch nicht selten im selben Absatz, in dem zwei- bis dreimal dasselbe gesagt wird, nur leicht anders formuliert. Generell ist der Stil ein wenig holprig, und stellenweise habe ich mich gefragt, was im Original stand, dass in diesem Buch Sätze stehen wie "X war von einem Speer besessen", "Y war ein Schwindler" (offensichtlich in der Bedeutung von Antagonist) oder (Titel eines Werkes) "Sir Gawain und die Unwillige Dame". Auch das Wort "Suchwanderung" habe ich noch nie zuvor gehört, aber vielleicht ist das mangelnde Kenntnis meinerseits - wahrscheinlich aus der neo-paganen Ecke, denn da kommen sicher auch die detaillierten Kenntnisse über die Lebens- und Glaubenswelt der Kelten/Druiden her, die einfach so ohne jede Quellenangabe verbreitet werden. Da würde mich sehr interessieren, aus welchen Texten genau das stammt, abgesehen von "historische Quellen" (wahlweise römische oder frühchristliche). Nicht zu vergessen, hätte ich sehr gerne die genaue Angabe des Textes, in der Gawain als der Grüne Ritter identifiziert wird - oder zumindest die anderen Texte, von denen das Buch spricht, in denen der Grüne Ritter als Wächter, Aufgabensteller oder Herausforderer auftaucht. Und wo wir dabei sind, auch gerne den, in dem steht, dass Gawain der einzige Ritter ist, der Gral zu sehen bekommt.
Dass Morgan mit Lot verheiratet ist und die Mutter von Mordred, bekommt immer noch einmal den Verweis "manchmal auch Morgaine" - eigentlich es andersrum, aber naja, gut...

Dass ich am Artus-Kapitel die meiste Kritik habe, liegt daran, dass ich mich in der Materie am besten auskenne, aber wie das immer so ist, wenn ein Kapitel eher schwach ist, frage ich mich dann, wie gut die anderen noch sind... Ich fand einiges an Symboliken und Beziehungen sehr an den Haaren herbeigezogen, und auch, dass viel zu oft die Erklärung "kultisch/sprituell" für irgendetwas gegeben wird. Und von einem Fachbuch über keltische Mythologie erwarte ich eigentlich auch, dass bei Übersetzungen die exakte Ursprungssprache angegeben wird, und nicht einfach "keltisch". Gerade wenn das Buch nicht keltisch = irisch verwendet - das tut es nicht und das ist ein Pluspunkt.

Immerhin sieht das Buch hübsch aus, das Papier ist hochwertig und Schriftsatz und -art schön. Gutes Design.

Lesen muss mans nicht.

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