blauerfalke: (geschichten)
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Band 5 der "Squire's Tales"-Reihe, und der einzige, in dem der titelgebende Squire, Terence, nicht vorkommt

von Gerald Morris

Dinadan ist ein jüngerer Sohn, und er hat kein Talent fürs Ritter sein. Lieber singt er, erzählt Geschichten und spielt auf seiner Rebec, und für all das hat er sehr viel mehr Talent. Da das aber keine erstrebenswerte Karriere für den Sohn eines Ritters ist, nichtmal für einen jüngeren Sohn, regt das seinen Vater furchtbar auf, und er schlägt ihn zum Ritter, damit Dinadan gezwungen ist, sich dieser Ehre würdig zu erweisen. Dinadan tut das, was man in diesem Fall tun muss: Er reitet davon, um Abenteuer zu suchen. Oder sowas halt. Jedenfalls davon.
Und dann wird er ständig gegen seinen Willen in die Liebesgeschichten anderer Leute verstrickt, findet aber auch echte Freunde auf seinem Weg. Und ist Freundschaft nicht die tiefste und beständigste Form von Liebe?

Mr. Morris kennt seinen Stoff, und zwar richtig gut. Darum sind mir auch dieses Mal beim Lesen wieder neue Verweise und Zitate aufgefallen, die ich beim letzten Mal entweder nicht erkannt oder nicht verstanden habe. Auch aus diesem Gesichtspunkt lohnt es sich also immer wieder, einen der insgesamt 10 Bände zu lesen. Dieser fußt auf "Culhwch ac Olwen" aus dem Mabinogion und zwei Versionen der Geschiche von Tristan und Isolde, und es gelingt Mr. Morris, die beiden sehr unterschiedlichen Geschichten - unterschiedlich sowohl von ihrer Tradition, ihrem Kontext und ihrem Inhalt - glatt und so mühelos zu verbinden, dass es den Eindruck macht, als wären sie schon immer so gedacht gewesen. Als zwei Geschichten, um den verschiedenen Wahnsinn der Liebe gegenüberzustellen, mit Freundschaft als weitere Seite und erstrebenswerter Alternative.

Wie immer ist es unterhaltsam, humorvoll und oft auch lustig - NEIN, ES IST KEINE PARODIE! - und Mr. Morris gibt sich Mühe, allen Charakteren gerecht zu werden und jedem ausreichend Raum einzuräumen. Ich sage immer, mit so vielen großen Helden auf einem Haufen ist es sehr schwer, einen herauszuheben, ohne andere dafür zu demontieren. Viele Autoren im Laufe der Jahrhunderte sind dieser Versuchung erlegen, Mr. Morris nie. Auch wenn gerade bei diesem Band der Vorwurf immer im Raum steht - schließlich sind Tristan und Isolde und ihre Liebesgeschichte romantisch und beliebt - für mich ist es weit davon entfernt. Wenn man versehentlich einen Liebestrank trinkt, dann muss das Auswirkungen auf die Psyche haben, und ich finde eher, dass andere Autoren feige sind, wenn sie das nicht zeigen.
Aber natürlich ist jede Charakterinterpretation immer persönliche Vorliebe - ich kann verstehen, wenn andere Leute es anders sehen, aber das schmälert weder Mr. Morris' detailreiche Kenntnis des Stoffs noch seine ausgezeichnete Charakterführung, oder den Einfallsreichtum, mit dem er Fragestellungen löst, die sehr leicht in Sackgassen führen können. Denn in sich ist es immer stimmig, auch dafür ein Lob.
Pluspunkte für seine Kenntnisse von Gedichten und Musikstücken aus Mittelalter und Renaissance, die er darum hier auch verwenden kann.

Ja, es sind Jugendbücher. Aber es sind gute Bücher, die viele Facetten der Artussage in sich vereinen. Darum empfehle ich die Reihe immer. Egal ob als Einstieg für Neulinge oder als gute Version für Leute, die sich auskennen. Die einen lernen wichtige Dinge des Universums kennen, die anderen können an den Details und Verweisen Spaß haben. Für jeden also etwas dabei.

Lese ich immer wieder gerne. Ich hätte auch noch ein paar Bände mehr genommen anstatt nur zehn.

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