Ungleich vereint
Apr. 25th, 2025 09:23 pmvon Steffen Mau
Noch ein Buch über die Einheit und das Verhältnis von Ost und West. Gut recherchiert, fachlich auf sehr hohem Niveau. Kein Wunder, Herr Mau ist Soziologe und Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität in Berlin. Außerdem ist er in der DDR geboren.
Es ist ein Buch, das vor allem Unterschiede aufzeigt. Unterschiede in Erfahrungen, Unterschiede in Blickwinkeln, Unterschiede in selbst gewählten Abgrenzungen. Wer ist "wir" und wer sind "die" und was bedingt, wer dazugehört und wer nicht? Und wer definiert sich wie stark über was?
Ich war zur Wende 14, ich habe zwar Erinnerungen daran, aber die sind eher vage. Ich habe mich auch sehr lange nicht damit beschäftigt, was die Wiedervereinigung für beide Gesellschaften bedeutet hat. Um ehrlich zu sein, ich verbinde damit vor allem die Tatsache, dass die CDU gesagt hat, wir wollen die Wiedervereinigung so schnell wie möglich, und das wird alles einfach so klappen, und die SPD, wir wollen die Wiedervereinigung so schnell wie möglich, aber dazu wird es Steuererhöhungen brauchen. Selbst mir als ahnungslosem Teenager war klar, wer da die Wahrheit sagt.
Aber was die DDR-Bürger oder deren Parteien und Vertreter dazu gesagt haben, wusste ich nicht.
Und natürlich habe ich auch von den Machenschaften von Treuhand und Co gehört, aber mir war nicht klar, wie sehr das heute noch nachwirkt.
Alles das wird in diesem Buch besprochen, genauso wie die noch immer deutlichen Unterschiede im alltäglichen Leben - fehlende Tarifverträge, fehlende Infrastruktur, weggebrochene Sozialräume - und der die in beiden Himmelsrichtungen geführte "Die kriegen [Ding der Wahl hier einsetzen] und wir nichts." - das Gefühl, da immer übergangen zu werden, scheint manchmal die einzige Gemeinsamkeit zu sein.
Es ist auch ein Buch, das für Verständnis wirbt und dazu einläd, sich das Problem von allen Seiten anzusehen. Und eines, das Haltungen in Frage stellt, ohne sie dabei für dumm oder lächerlich zu erklären. Es wäre alles sehr viel einfacher, wenn die Menschheit vernüftig miteinander reden und zusammenarbeiten würde, aber so läuft es leider nicht.
Herr Mau wirbt dafür, Eigenheiten zu respektieren und sie nicht an Ost-West-Rivalitäten festzumachen, damit sie einfach als regionale Variante eines Bundeslandes akzeptiert werden können. Das Bayern-Beispiel - die sind ja auch etwas seltsam da. Oder meinetwegen auch der Rheinische Karneval.
Ich finde das eine schöne Idee. Regionale Eigenheiten tragen zur Vielfalt bei - und behindern einen nicht dabei, gemeinsam am großen Ganzen zu arbeiten. So rein in der Theorie.
Nicht leicht zu lesen, aber es hilft dabei, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen. Lohnt sich.
Noch ein Buch über die Einheit und das Verhältnis von Ost und West. Gut recherchiert, fachlich auf sehr hohem Niveau. Kein Wunder, Herr Mau ist Soziologe und Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität in Berlin. Außerdem ist er in der DDR geboren.
Es ist ein Buch, das vor allem Unterschiede aufzeigt. Unterschiede in Erfahrungen, Unterschiede in Blickwinkeln, Unterschiede in selbst gewählten Abgrenzungen. Wer ist "wir" und wer sind "die" und was bedingt, wer dazugehört und wer nicht? Und wer definiert sich wie stark über was?
Ich war zur Wende 14, ich habe zwar Erinnerungen daran, aber die sind eher vage. Ich habe mich auch sehr lange nicht damit beschäftigt, was die Wiedervereinigung für beide Gesellschaften bedeutet hat. Um ehrlich zu sein, ich verbinde damit vor allem die Tatsache, dass die CDU gesagt hat, wir wollen die Wiedervereinigung so schnell wie möglich, und das wird alles einfach so klappen, und die SPD, wir wollen die Wiedervereinigung so schnell wie möglich, aber dazu wird es Steuererhöhungen brauchen. Selbst mir als ahnungslosem Teenager war klar, wer da die Wahrheit sagt.
Aber was die DDR-Bürger oder deren Parteien und Vertreter dazu gesagt haben, wusste ich nicht.
Und natürlich habe ich auch von den Machenschaften von Treuhand und Co gehört, aber mir war nicht klar, wie sehr das heute noch nachwirkt.
Alles das wird in diesem Buch besprochen, genauso wie die noch immer deutlichen Unterschiede im alltäglichen Leben - fehlende Tarifverträge, fehlende Infrastruktur, weggebrochene Sozialräume - und der die in beiden Himmelsrichtungen geführte "Die kriegen [Ding der Wahl hier einsetzen] und wir nichts." - das Gefühl, da immer übergangen zu werden, scheint manchmal die einzige Gemeinsamkeit zu sein.
Es ist auch ein Buch, das für Verständnis wirbt und dazu einläd, sich das Problem von allen Seiten anzusehen. Und eines, das Haltungen in Frage stellt, ohne sie dabei für dumm oder lächerlich zu erklären. Es wäre alles sehr viel einfacher, wenn die Menschheit vernüftig miteinander reden und zusammenarbeiten würde, aber so läuft es leider nicht.
Herr Mau wirbt dafür, Eigenheiten zu respektieren und sie nicht an Ost-West-Rivalitäten festzumachen, damit sie einfach als regionale Variante eines Bundeslandes akzeptiert werden können. Das Bayern-Beispiel - die sind ja auch etwas seltsam da. Oder meinetwegen auch der Rheinische Karneval.
Ich finde das eine schöne Idee. Regionale Eigenheiten tragen zur Vielfalt bei - und behindern einen nicht dabei, gemeinsam am großen Ganzen zu arbeiten. So rein in der Theorie.
Nicht leicht zu lesen, aber es hilft dabei, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen. Lohnt sich.