Londoners

Jun. 19th, 2025 02:58 pm
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The Days and Nights of London now - As Told by Those Who Love It, Hate It, Live It, Left It and Long for It

von Craig Taylor

Mr. Craig ist Kanadier, aber er lebt in London. Also erklärt er in der Einführung erstmal, wie es dazu kam und warum er das tut. Und dann folgen gut 400 Seiten Texte von und über Menschen, die das auch tun/taten/tun wollen/nicht mehr tun wollen. Eben das, was sie mit London verbinden. Einige Texte sind Berichte, andere in der Ich-Form der Erzähler mit oder ohne ergänzende Beschreibungen und einige sind Interviews nur in wörtlicher Rede. Die Bandbreite reicht vom CEO eines Millarden-Konzerns bis hin zum Obdachlosen, vom geborenen Londoner bis zu Menschen, die nur für ein paar Jahre zum Arbeiten da sind, und alles dazwischen. Ich glaube, das einzige, was fehlt, ist ein hoher Geistlicher egal welcher Religion...
Und jeder Text hat natürlich den Namen der betreffenden Person darüber.

Es ist bunt, es ist facettenreich, es ist menschlich. Es zeigt die Faszination der Großstadt und den Tribut, den sie fordert. Es zeigt die Glorie einer so lang zurückreichenden Geschichte und ihren Fluch. Und immer wieder kommt es auf das berühmte Zitat von Samual Jackson zurück: "When a man is tired of London he is tired of life; for there is in London all that life can afford." Egal, ob der/diejenige London hasst oder liebt - die meisten lieben es. Zumindest so grundsätzlich, auch wenn sie dann die ganze Zeit darüber sprechen, wie furchtbar es ist.

Das andere, was immer wieder betont wird, ist, unterschiedlich Londons Stadtteile sind. London ist eine Stadt, die sich ausgebreitet hat und immer mehr Dörfer eingestrudelt hat, die alle noch nicht gemerkt haben, dass sie jetzt Teil einer Stadt sind. Das ist etwas sehr Essentielles im Londoner Stadtbild, und auch etwas sehr charakteristisches für die Stadt. Es scheint auch dazu zu führen, dass viele Leute ihre "Dörfer" niemals verlassen, um in die anderen zu gehen... damit hatte ich nicht gerechnet.
Auch hatte ich nicht damit gerechnet, wie lange London noch voller Bombenruinen war. Nicht nur in den Docklands, das wusste ich, weil ich mich daran erinnern kann, dass Canary Wharf gerade fertiggestellt wurde, sondern auch weit näher am Zentrum. Immer wieder tauchen die Ruinen an der Südseite der Themse in Erzählungen auf, wenn Menschen aus den 70ern und 80ern berichten.

Einige Geschichten sind sehr typisch London, andere könnten so auch in anderen Großstädten spielen - aber das ist nicht verwunderlich, denn schließlich gibt es Dinge, in die jeder Großstadt genauso funktionieren müssen, rein von der Logistik her. Darum ist es gut, das sie drin sind, um genau das zu zeigen.

Schönes Sammelsurium, das in seinen besten Momenten viel Lokalkolorit und Flair entwickelt.

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