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Gesellschaft und Götter der Kelten (1987)

von Jean Markale

Der Autor ist Franzose, hat zu diesem und verwandten Themen diverse Bücher geschrieben und scheint sowohl als Kenner von Details zu gelten als auch umstritten zu sein, denn er ist auch Atlantis-Theoretiker. Darum erfahren wir in diesem Buch, dass die Völker an der französischen Atlantikküste keine Kelten waren, sondern Nachfahren der Altanter. Denn die Kelten fuhren nicht zur See, die Veneter aber schon, also können die Veneter keine Kelten gewesen sein.

Nicht, dass ich behaupte, dass dieser Rückschluss falsch sein muss (Atlantis oder nicht Altlantis jetzt mal außer Acht gelassen), aber zwingend korrekt ist er auch nicht. Und das trifft auch auf vieles Andere in diesem Buch zu. Rückschlüsse sind nie unlogisch oder haltlos, aber doch sehr oft sehr spekulativ, zumal der Autor trotz sehr dünner Quellenlage - die Herr Markale auch in keinem Moment leugnet - doch sehr detaillierte Aussagen über die Glaubenswelt der Kelten, die Rolle der Druiden (rein männlich, für weibliche Druiden gäbe es keinen Beleg, darum steht Druidinnen immer in Anführungszeichen) und den Aufbau der keltischen Gesellschaft und ihrer Werte macht.

Nachdem mein letztes Buch nachgewiesen hat, dass Merlin kein Druide war, weist dieses nach, dass er ein Druide war - ich muss Herrn Markale zugute halten, dass er sich in arthurischer Mythologie weit besser auskennt als Herr Herm und Herr Krause - und zeichnet am Beispiel von ihm und den Königen, denen er gedient hat, die Dualität König/Druide in der keltischen Gesellschaft nach, die seiner Meinung nach charakteristisch und absolut zwingend war. Einer kann nicht ohne den anderen existieren, und darum sind Druiden außerhalb der keltischen Gesellschaft nicht existent, können gar nicht existieren.

Wenn es um die Götterwelt geht, zitiert Herr Markale vor allem Cäsar, dann ergänzt er genaueres zu den Zuordnungen der keltischen Götter zu Cäsars Auflistung. Er erklärt die vier Elemente aus keltischer Sicht und betont, dass den Druiden klar war, dass Feuer kein Element ist, sondern eine Transformationskraft. Diese war den Kelten sehr wichtig, weshalb auch die berühmten riesigen Strohfiguren, in denen Menschen verbrannt worden sein sollen, falsch verstanden wurden, denn es handelt sich nur um Scheinopfer, mit Feuer als Transformator, aus dem die Betreffenden lebendig und eben "wiedergeboren" herauskommen. Dazu bringt er Drogen, vor allem Hanf, ins Spiel, denn die Kelten kannten sich mit Pflanzen bestens aus, und jedes Volk, das sich mit berauschenden Pflanzen auskennt, nutzt die zwangsweise zu heiligen Zeremonien. Was uns wiederum zur Verwandschaft des keltischen Glaubens mit Schamanismus bringt... Wie gesagt, nichts ist wirklich haltlos, aber auch kaum etwas belegbar.
Auch dass viele Quellenangaben für Informationen auf Herrn Markales andere Werke verweisen, finde ich etwas unprofessionell. Aber er macht wenigstens für vieles Quellenangaben, das ist lobenswert.

Auf der anderen Seite stellt Herr Markale die neo-druidischen Strömungen in einer Art Kurzübersicht dar, zeigt ihre Unterschiede auf und betont, dass die meisten davon eben keine Glaubenssysteme sind, sondern kulturelle oder philantropische Vereinigungen.
Interessant auch seine Ausführungen zum Monismus und wie man die Welt sehen könnte, wenn man es schaffen würde, die Brille unseres westlichen Dualismus abzulegen.
Und seine Kenntnisse irischer, walisischer und arthurischer Sagenwelt sind, so weit ich das beurteilen kann, ausgezeichnet.

Anmerkend wäre zu sagen, dass dieses Buch eine deutsche Übersetzung ist, und dass ich der schon nach dem Vorwort nicht mehr ganz getraut habe, denn das hat der Übersetzer laut eigener Angabe gekürzt, und alles, mit dem sich Herr Markale speziell an französische Leser gewandt hat, gestrichen. Auch die Entscheidung, die Benennung "Autre Monde" unübersetzt zu lassen, finde ich seltsam. Was hätte gegen "Anderswelt" gesprochen?

Gut zu lesen, auch interessant zu lesen, es hat sicher einige gute Ansätze und fundierte Informationen - sagen wir, es ist eine mögliche Interpretation. Nicht die einzig mögliche, aber eine mögliche. Und daran ist ja per se nichts Schlechtes.

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