Die 3 Musketiere - Das Musical
Jul. 17th, 2010 03:52 pmFreilichtbühne Tecklenburg
Die Freilichtbühne Tecklenburg ist immer eine Reise wert. Nicht nur, daß sie eine schicke Burgruine haben, in der sie spielen, jedes Mal, wenn wir hinfahren, sage ich auch, daß es sich lohnen würde, da mal ein oder zwei Tage zu bleiben, um sich auch das hübsche Örtchen näher anzusehen. Oder die Umgebung.
Und ganz unabhängig von der schönen Location lohnt es sich auch, weil Tecklenburg einfach toll darin ist, Musical zu spielen. Sie haben immer gute Leute, oft auch große Namen, und das zu moderaten Preisen. Man sollte sich allerdings ein Sitzkissen mitbringen, um es wirklich genießen zu können.
Dieses Jahr gab es etwas ganz besonderes: ein Stück, dessen Aufführungsrechte für Deutschland eigentlich bei Stage Entertainment liegen. Das ist diese große Musicalfirma, der all die großen Theater in Deutschland gehören, wo all diese teuren Stücke spielen (außer Starlight in Bochum und der Musical Dome in Köln, die gehören einer anderen Firma). Tecklenburg hat angefragt, ob sie trotzdem spielen dürfen, und Stage hat zugestimmt. Das gibt Hoffnung darauf, daß es auch eines Tages mit "Elisabeth" klappt. Die Show in Tecklenburg, das wärs wirklich.
Zurück zu diesem Jahr. "Die 3 Musketiere", ein holländisches Musical mehr oder weniger frei nach dem berühmten Roman. Wie immer hat Tecklenburg einen voll besetzten Orchestergraben, nach dessen Besetzung sich jede Long Run Show in Deutschland alle zehn Finger ablecken würde, und bis auf sehr kleine Tonprobleme für kurze Zeit im zweiten Akt war auch die Akustik perfekt wie immer. Auch daran sollten sich ein paar große Bühnen ein Beispiel nehmen - open air, und nichts scheppert, nichts kracht, bei angenehmer, gut zu hörender Lautstärke und deutlich zu verstehendem Gesang. Hut ab.
Nicht zu vergessen auch Tecklenburgs höchst ortseigener Trumph: ihre Statisterie. Eine große Menge begeisterter Laien, die jedes Jahr wieder in den Musicals mitspielen, und dabei eine richtig gute Kulisse bilden. Da ist nichts mit sinnlos herumstehen oder hölzern herumlaufen. Nicht in Tecklenburg! Jedes Mal wieder beeindruckend.
Die eigentliche Cast war wie immer zusammenengangiert, und alle haben toll gesungen, ganz wie von Tecklenburg gewohnt. Solide Leistung, von einigen auch wesentlich mehr, aber auch das erwartet man von Tecklenburg ja schon. Das Besondere eben.
Einziger Einbruch war Yngve Gasoy-Romdal in der Rolle des Kardinals. Er kann singen, gar keine Frage, und seine Aussprache ist auch sehr viel besser geworden, aber nach wie vor schafft er es einfach nicht, mich zu berühren oder auch nur irgendwie glaubhaft zu wirken. Alles, was ich ihm abgenommen habe, ist, daß der Kardinal ein Schmierlappen ist. Sehr schade, denn ich bin sicher, die Rolle hätte mehr zu bieten als das.
Stellenweise hat er auch geknödelt, wenn auch vor allem in den Sprachpassagen. Leider macht ihn mir das nicht sympatischer, denn knödeln kann ich ganz und gar nicht leiden.
Aber abgesehen von ihm... toller Abend. Thomas Hohler (d'Artagnon) war vielleicht ein bißchen zu naiv und begeistert, aber für die Nummer mit der Salbe, die seine Mutter ihm mitgegeben hat, kann er ja nichts. Er kam sympatisch rüber, und das ist für die Rolle ja am Wichtigsten.
An die Wand gespielt wurde er trotzdem locker, und zwar von Marc Clear (Athos), Jens Janke (Aramis) und Enrico de Pieri (Porthos). Absolut super, alle drei. Toll gesungen und jeder von ihnen hat seinen Charakter bis in die kleinste Nuance mit Eigenheiten ausgestattet und ihn gelebt. Bei Marc Clear und Jens Janke kann da ein bißchen Vorschußlorbeeren meinerseits mit reinspielen, weil ich sie beide schon in anderen Stücken gesehen habe und sie auch da gut waren, aber von Enrico de Pieri habe ich noch nie bewußt was gehört vorher. Ein tolles Trio, für das alleine ich mir die Show jederzeit wieder ansehen würde.

v.l.n.r.: Porthos (Enrico de Pieri), Athos (Marc Clear) und Aramis (Jens Janke) sind Rochefort (Paul Stampehl) in die Falle gegangen
c/o Freilichtbühne Tecklenburg (da gibts noch eine Menge mehr Fotos vom Stück)
Dann war da noch Paul Stampehl als Rochefort, den ich zum ersten Mal vor Jahren - Jahrzehnten? - im Tanzensemble des Aachener Stadttheaters gesehen habe, und zum letzten Mal auch schon vor Jahren in einer Show wie "Gambler"... ich fands alleine schon toll, ihn mal wieder zu sehen, weil er einfach ein richtig guter Tänzer ist. Rochefort ist keine Tanzrolle, dafür muß er fechten, und das hat Paul Stampehl auch richtig klasse getan. Das ganze Stück über, aber erst zum Schlußduell mit d'Artagnon hat er richtig gezeigt, was er kann. Sehr beeindruckend. Und toll choreographiert - wenn ich das Programmheft richtig verstanden habe, von Paul Stampehl. Noch ein Talent.
Nicht unerwähnt bleiben darf auch Femke Soetenga als Mylady de Winter. Auch sie habe ich meines Wissens noch nicht gesehen, aber sie war ein großer Volltreffer. Absolut fantastisch, und eine großartige Stimme. Toll gespielt, sie kann tanzen... es bleiben absolut keine Wünsche offen.
Auch Wietske van Tongeren als Königin Anna hat mir gefallen, Lars Kemper als König Ludwig hat ohnehim kaum Auftritte und auch nicht viel zu sagen. Lisa Antoni als Constance war rollengerecht hübsch und niedlich und hat eine schöne Stimme.
Marc Clears Inszenierung orientiert sich deutlich zu sehen an der offiziellen Stage-Inszenierung, aber das war wahrscheinlich Bedingung für die Aufführungserlaubnis, genauso wie die deutliche Ähnlichkeit bei den Kostümen zur "großen" Show. Im Ganzen war sie stimmig und hielt zusammen, nur das Liebesduett von d'Artagnon und Constance hatte mir zu viele "uhh" und "ahh", erinnerte mit ihrem Herumgerenne zu sehr an einen Popsong und dann ging auch noch mitten drin das Licht an, weil es dunkel wurde. Keine Ahnung, ob schlecht getimed oder von der Lichtregie gewollt... ich hab nur noch drauf gewartet, daß sie das Publikum zum Mitklatschen auffordern.
Ansonsten wurde die Bühne prima ausgenutzt und mit wenigen Versatzstücken wie immer viel geleistet. Und natürlich gab es in so einem Stück auch ein echtes Pferd auf der Bühne. *g*
Lieblingssatz: "Ich denke, heute ist ein wunderbarer Abend, um an die Zukunft unserer Dynastie zu denken." (Königin Anna am Ende des Stücks zu ihrem Mann)
Ich bin gespannt, was Tecklenburg nächstes Jahr so einfällt.
PS:Alle Beteiligten mußten das Stück bei ca 38 Grad Celsius Lufttemperatur spielen. Allein diese körperliche Leistung ist beachtlich.
Die Freilichtbühne Tecklenburg ist immer eine Reise wert. Nicht nur, daß sie eine schicke Burgruine haben, in der sie spielen, jedes Mal, wenn wir hinfahren, sage ich auch, daß es sich lohnen würde, da mal ein oder zwei Tage zu bleiben, um sich auch das hübsche Örtchen näher anzusehen. Oder die Umgebung.
Und ganz unabhängig von der schönen Location lohnt es sich auch, weil Tecklenburg einfach toll darin ist, Musical zu spielen. Sie haben immer gute Leute, oft auch große Namen, und das zu moderaten Preisen. Man sollte sich allerdings ein Sitzkissen mitbringen, um es wirklich genießen zu können.
Dieses Jahr gab es etwas ganz besonderes: ein Stück, dessen Aufführungsrechte für Deutschland eigentlich bei Stage Entertainment liegen. Das ist diese große Musicalfirma, der all die großen Theater in Deutschland gehören, wo all diese teuren Stücke spielen (außer Starlight in Bochum und der Musical Dome in Köln, die gehören einer anderen Firma). Tecklenburg hat angefragt, ob sie trotzdem spielen dürfen, und Stage hat zugestimmt. Das gibt Hoffnung darauf, daß es auch eines Tages mit "Elisabeth" klappt. Die Show in Tecklenburg, das wärs wirklich.
Zurück zu diesem Jahr. "Die 3 Musketiere", ein holländisches Musical mehr oder weniger frei nach dem berühmten Roman. Wie immer hat Tecklenburg einen voll besetzten Orchestergraben, nach dessen Besetzung sich jede Long Run Show in Deutschland alle zehn Finger ablecken würde, und bis auf sehr kleine Tonprobleme für kurze Zeit im zweiten Akt war auch die Akustik perfekt wie immer. Auch daran sollten sich ein paar große Bühnen ein Beispiel nehmen - open air, und nichts scheppert, nichts kracht, bei angenehmer, gut zu hörender Lautstärke und deutlich zu verstehendem Gesang. Hut ab.
Nicht zu vergessen auch Tecklenburgs höchst ortseigener Trumph: ihre Statisterie. Eine große Menge begeisterter Laien, die jedes Jahr wieder in den Musicals mitspielen, und dabei eine richtig gute Kulisse bilden. Da ist nichts mit sinnlos herumstehen oder hölzern herumlaufen. Nicht in Tecklenburg! Jedes Mal wieder beeindruckend.
Die eigentliche Cast war wie immer zusammenengangiert, und alle haben toll gesungen, ganz wie von Tecklenburg gewohnt. Solide Leistung, von einigen auch wesentlich mehr, aber auch das erwartet man von Tecklenburg ja schon. Das Besondere eben.
Einziger Einbruch war Yngve Gasoy-Romdal in der Rolle des Kardinals. Er kann singen, gar keine Frage, und seine Aussprache ist auch sehr viel besser geworden, aber nach wie vor schafft er es einfach nicht, mich zu berühren oder auch nur irgendwie glaubhaft zu wirken. Alles, was ich ihm abgenommen habe, ist, daß der Kardinal ein Schmierlappen ist. Sehr schade, denn ich bin sicher, die Rolle hätte mehr zu bieten als das.
Stellenweise hat er auch geknödelt, wenn auch vor allem in den Sprachpassagen. Leider macht ihn mir das nicht sympatischer, denn knödeln kann ich ganz und gar nicht leiden.
Aber abgesehen von ihm... toller Abend. Thomas Hohler (d'Artagnon) war vielleicht ein bißchen zu naiv und begeistert, aber für die Nummer mit der Salbe, die seine Mutter ihm mitgegeben hat, kann er ja nichts. Er kam sympatisch rüber, und das ist für die Rolle ja am Wichtigsten.
An die Wand gespielt wurde er trotzdem locker, und zwar von Marc Clear (Athos), Jens Janke (Aramis) und Enrico de Pieri (Porthos). Absolut super, alle drei. Toll gesungen und jeder von ihnen hat seinen Charakter bis in die kleinste Nuance mit Eigenheiten ausgestattet und ihn gelebt. Bei Marc Clear und Jens Janke kann da ein bißchen Vorschußlorbeeren meinerseits mit reinspielen, weil ich sie beide schon in anderen Stücken gesehen habe und sie auch da gut waren, aber von Enrico de Pieri habe ich noch nie bewußt was gehört vorher. Ein tolles Trio, für das alleine ich mir die Show jederzeit wieder ansehen würde.

v.l.n.r.: Porthos (Enrico de Pieri), Athos (Marc Clear) und Aramis (Jens Janke) sind Rochefort (Paul Stampehl) in die Falle gegangen
c/o Freilichtbühne Tecklenburg (da gibts noch eine Menge mehr Fotos vom Stück)
Dann war da noch Paul Stampehl als Rochefort, den ich zum ersten Mal vor Jahren - Jahrzehnten? - im Tanzensemble des Aachener Stadttheaters gesehen habe, und zum letzten Mal auch schon vor Jahren in einer Show wie "Gambler"... ich fands alleine schon toll, ihn mal wieder zu sehen, weil er einfach ein richtig guter Tänzer ist. Rochefort ist keine Tanzrolle, dafür muß er fechten, und das hat Paul Stampehl auch richtig klasse getan. Das ganze Stück über, aber erst zum Schlußduell mit d'Artagnon hat er richtig gezeigt, was er kann. Sehr beeindruckend. Und toll choreographiert - wenn ich das Programmheft richtig verstanden habe, von Paul Stampehl. Noch ein Talent.
Nicht unerwähnt bleiben darf auch Femke Soetenga als Mylady de Winter. Auch sie habe ich meines Wissens noch nicht gesehen, aber sie war ein großer Volltreffer. Absolut fantastisch, und eine großartige Stimme. Toll gespielt, sie kann tanzen... es bleiben absolut keine Wünsche offen.
Auch Wietske van Tongeren als Königin Anna hat mir gefallen, Lars Kemper als König Ludwig hat ohnehim kaum Auftritte und auch nicht viel zu sagen. Lisa Antoni als Constance war rollengerecht hübsch und niedlich und hat eine schöne Stimme.
Marc Clears Inszenierung orientiert sich deutlich zu sehen an der offiziellen Stage-Inszenierung, aber das war wahrscheinlich Bedingung für die Aufführungserlaubnis, genauso wie die deutliche Ähnlichkeit bei den Kostümen zur "großen" Show. Im Ganzen war sie stimmig und hielt zusammen, nur das Liebesduett von d'Artagnon und Constance hatte mir zu viele "uhh" und "ahh", erinnerte mit ihrem Herumgerenne zu sehr an einen Popsong und dann ging auch noch mitten drin das Licht an, weil es dunkel wurde. Keine Ahnung, ob schlecht getimed oder von der Lichtregie gewollt... ich hab nur noch drauf gewartet, daß sie das Publikum zum Mitklatschen auffordern.
Ansonsten wurde die Bühne prima ausgenutzt und mit wenigen Versatzstücken wie immer viel geleistet. Und natürlich gab es in so einem Stück auch ein echtes Pferd auf der Bühne. *g*
Lieblingssatz: "Ich denke, heute ist ein wunderbarer Abend, um an die Zukunft unserer Dynastie zu denken." (Königin Anna am Ende des Stücks zu ihrem Mann)
Ich bin gespannt, was Tecklenburg nächstes Jahr so einfällt.
PS:Alle Beteiligten mußten das Stück bei ca 38 Grad Celsius Lufttemperatur spielen. Allein diese körperliche Leistung ist beachtlich.