V wie Vendetta
Jul. 29th, 2011 03:12 pmvon Steven Moore nach dem Drehbuch der Wachowski Brothers (das sind die von "Matrix")
Da sieht man mal wieder, wie informiert ich bin, nämlich gar nicht. Ich weiß, daß es ein Film war, aber ich dachte immer, der würde auf irgendwas basieren. Roman, Comic... egal. Offenbar war es ein Originaldrehbuch und heute schreiben ja immer gerne Leute Bücher zum Film. Kann ich auch eher davon ausgehen, daß das Buch dem Film entspricht, als wenns der zugrunde liegende Roman wäre. Was ich eher beruhigend finde, denn den Film brauche ich dann jetzt nicht mehr zu gucken. Auch wenn ichs wahrscheinlich könnte - bis jetzt dachte ich immer, der wäre so unglaublich brutal oder dergleichen, aber das scheint ja nicht der Fall zu sein. Zumindest war das Buch nicht das, was ich nach dem Filmtrailer damals erwartet hatte.
Die Handlung kann man schnell zusammenfassen: England ist eine (gewählte) Diktatur. Das ist nach terroristischen Anschlägen mit Biowaffen (Viren) passiert, und jetzt tut die Diktatur halt, was Dikaturen so tun. Gleichschaltung, Zensur, Beseitigung Andersdenkender und ethnischer Minderheiten. Dann sprengt ein Mann mit einer Guy Fawkes-Maske Old Baileys. Und kündigt an, am nächsten 5.November die Houses of Parliament zu sprengen - dazu läd er jeden Bürger zum Zusehen ein. Einladung zur Revolte also.
Die Hauptpersonen des Buches sind besagter Terrorist, der sich V nennt, Evey, eine junge Angestellte eines Medienkonzerns, Finch, der Polizeischef, und die Spitzenmänner der Diktatur. Dazu kommt noch eine Handvoll anderer Leute, die auftreten, Perspektive kriegen und dann meistens schon wieder tot sind.
Erstaunlicherweise ergibt das alles eine ganz gut funktionierende Mischung. V ist die rätselhafte Gestalt, deren wahre Identität und Bedeutung nicht enthüllt wird. Wie im Buch gesagt, "er ist eine Idee", und ich finde, das trifft es ganz gut. Er entwickelt sich nicht, denn er hat alle Entwicklung schon hinter sich, und das macht ihn in der Tat irgendwie abstrakt. Da auch die Hintergründe für alles nur skizzenweise erklärt werden, gibt es nur Hinweise und keine Gründe für seine übernatürlich scheinenden Attribute. Ganz nach "man weiß ja nie...". Es bewahrt die Autoren davor, die Dinge wirklich begründen zu müssen, aber das ist schon okay. Die Geschichte hat immerhin schon mehr als einmal gezeigt, zu was Diktaturen fähig sind, das braucht man nicht mehr ausführlich zu erörtern, kann sich jeder selbst vorstellen.
Evey macht eine Entwicklung durch, verschwindet aber danach erstaunlicherweise vollkommen aus der Handlung und taucht erst am Schluß wieder auf, um die finale Entscheidung zu treffen. Das hat mich überrascht, weil sie vorher soviel Raum hatte, daß ich dachte, sie wäre der Rahmen des Buchs, aber das ist falsch. Sie ist die Hoffnung, denn sie zeigt, daß man sich nicht sein ganzes Leben lang verstecken muß. Angst ist mächtig, aber nicht allmächtig. Das ist ihre Botschaft.
Für die Leute wie mich gibts dann Finch, der idealistische, wenn auch schon ernüchterte und müde Bulle von altem Schlag, der dem Gesetz dient und Gerechtigkeit will, und sich dabei vom System mehr hat korrumpieren lassen, als er jemals wollte. Aber mit dem richtitgen Anstoß findet er die Kraft, sich wieder auf die eigenen Werte zu besinnen und das zu tun, was er für richtig hält. Nicht, weil es irgendwem nutzt oder ihm Ehre einbringen würde, sondern weil es darum geht. Um die Wahrheit. Finch mag ich wirklich.
Wahrscheinlich ist das Ganze also auch noch sehr symbolisch, aber das kann man gut ignorieren. Es läßt insgesamt mehr Fragen offen, als es beantwortet, aber erstaunlicherweise interessiert mich daran die "Warum gerade jetzt?"-Frage am meisten, und nicht die, die das offene Ende aufwirft. Weiter gehts ja immer irgendwie ;)
Es ist nicht dicht, aber es ist stimmig, es ist gut geschrieben und flüssig zu lesen. Nicht so spannend, daß man den ganzen Tag drüberhängen würde, aber interessant genug, um dabei zu bleiben. Es mag jetzt abwertend klingen, wenn ich "unaufgeregt" sage, vor allem, weil es doch recht duster ist und auf Suspense macht, aber das meine ich eher positiv. Unaufgeregt im Sinne von "nicht hektisch". Es drückt nicht aufs Tempo, und das finde ich sehr angenehm. Denn ins Stocken geraten tuts dabei auch nicht.
Gute Unterhaltungslektüre.
Da sieht man mal wieder, wie informiert ich bin, nämlich gar nicht. Ich weiß, daß es ein Film war, aber ich dachte immer, der würde auf irgendwas basieren. Roman, Comic... egal. Offenbar war es ein Originaldrehbuch und heute schreiben ja immer gerne Leute Bücher zum Film. Kann ich auch eher davon ausgehen, daß das Buch dem Film entspricht, als wenns der zugrunde liegende Roman wäre. Was ich eher beruhigend finde, denn den Film brauche ich dann jetzt nicht mehr zu gucken. Auch wenn ichs wahrscheinlich könnte - bis jetzt dachte ich immer, der wäre so unglaublich brutal oder dergleichen, aber das scheint ja nicht der Fall zu sein. Zumindest war das Buch nicht das, was ich nach dem Filmtrailer damals erwartet hatte.
Die Handlung kann man schnell zusammenfassen: England ist eine (gewählte) Diktatur. Das ist nach terroristischen Anschlägen mit Biowaffen (Viren) passiert, und jetzt tut die Diktatur halt, was Dikaturen so tun. Gleichschaltung, Zensur, Beseitigung Andersdenkender und ethnischer Minderheiten. Dann sprengt ein Mann mit einer Guy Fawkes-Maske Old Baileys. Und kündigt an, am nächsten 5.November die Houses of Parliament zu sprengen - dazu läd er jeden Bürger zum Zusehen ein. Einladung zur Revolte also.
Die Hauptpersonen des Buches sind besagter Terrorist, der sich V nennt, Evey, eine junge Angestellte eines Medienkonzerns, Finch, der Polizeischef, und die Spitzenmänner der Diktatur. Dazu kommt noch eine Handvoll anderer Leute, die auftreten, Perspektive kriegen und dann meistens schon wieder tot sind.
Erstaunlicherweise ergibt das alles eine ganz gut funktionierende Mischung. V ist die rätselhafte Gestalt, deren wahre Identität und Bedeutung nicht enthüllt wird. Wie im Buch gesagt, "er ist eine Idee", und ich finde, das trifft es ganz gut. Er entwickelt sich nicht, denn er hat alle Entwicklung schon hinter sich, und das macht ihn in der Tat irgendwie abstrakt. Da auch die Hintergründe für alles nur skizzenweise erklärt werden, gibt es nur Hinweise und keine Gründe für seine übernatürlich scheinenden Attribute. Ganz nach "man weiß ja nie...". Es bewahrt die Autoren davor, die Dinge wirklich begründen zu müssen, aber das ist schon okay. Die Geschichte hat immerhin schon mehr als einmal gezeigt, zu was Diktaturen fähig sind, das braucht man nicht mehr ausführlich zu erörtern, kann sich jeder selbst vorstellen.
Evey macht eine Entwicklung durch, verschwindet aber danach erstaunlicherweise vollkommen aus der Handlung und taucht erst am Schluß wieder auf, um die finale Entscheidung zu treffen. Das hat mich überrascht, weil sie vorher soviel Raum hatte, daß ich dachte, sie wäre der Rahmen des Buchs, aber das ist falsch. Sie ist die Hoffnung, denn sie zeigt, daß man sich nicht sein ganzes Leben lang verstecken muß. Angst ist mächtig, aber nicht allmächtig. Das ist ihre Botschaft.
Für die Leute wie mich gibts dann Finch, der idealistische, wenn auch schon ernüchterte und müde Bulle von altem Schlag, der dem Gesetz dient und Gerechtigkeit will, und sich dabei vom System mehr hat korrumpieren lassen, als er jemals wollte. Aber mit dem richtitgen Anstoß findet er die Kraft, sich wieder auf die eigenen Werte zu besinnen und das zu tun, was er für richtig hält. Nicht, weil es irgendwem nutzt oder ihm Ehre einbringen würde, sondern weil es darum geht. Um die Wahrheit. Finch mag ich wirklich.
Wahrscheinlich ist das Ganze also auch noch sehr symbolisch, aber das kann man gut ignorieren. Es läßt insgesamt mehr Fragen offen, als es beantwortet, aber erstaunlicherweise interessiert mich daran die "Warum gerade jetzt?"-Frage am meisten, und nicht die, die das offene Ende aufwirft. Weiter gehts ja immer irgendwie ;)
Es ist nicht dicht, aber es ist stimmig, es ist gut geschrieben und flüssig zu lesen. Nicht so spannend, daß man den ganzen Tag drüberhängen würde, aber interessant genug, um dabei zu bleiben. Es mag jetzt abwertend klingen, wenn ich "unaufgeregt" sage, vor allem, weil es doch recht duster ist und auf Suspense macht, aber das meine ich eher positiv. Unaufgeregt im Sinne von "nicht hektisch". Es drückt nicht aufs Tempo, und das finde ich sehr angenehm. Denn ins Stocken geraten tuts dabei auch nicht.
Gute Unterhaltungslektüre.
no subject
Date: 2011-07-29 01:42 pm (UTC)no subject
Date: 2011-07-29 01:50 pm (UTC)