blauerfalke: (geschichten)
[personal profile] blauerfalke
alias "Potter 7.2." oder "Potter 7.15", je nach befragtem Filmplakat. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, was das "7.15" bedeuten sollte...

Egal. Es kommt jetzt zum Showdown. Die letzten Horcruxe finden und vernichten und Voldemort töten. Die Schlacht um Hogwarts, in der Rowling laut eigener Aussahe Schrecken und Grauen eines Krieges zeigen wollte.

Zuerst mal das: das haben sie nicht geschafft. Der erste Teil der Schlacht um Hogwarts ist eine gigantische Special Effects-Orgie, die dramatisch und hektisch ist und einen in Atem hält, aber von Schrecken und Grauen ist nichts zu spüren, denn sie bleibt total oberflächlich. Es sollte toll aussehen, und das tut es. Hogwarts wird zerlegt und es gibt eine Unmenge Tote. Eine wirklich schreckliche Szene gibt es dabei nicht - Fred stirbt nicht on screen. Und das wäre wahrscheinlich ihre einzige Chance gewesen, tiefer zu gehen. Wir sehen den toten Fred, und Remus und Tonks bekommen einen beiläufigen Schwenk über ihre Leichen, genau wie im Buch. Vielleicht ist es Absicht, um den Krieg kälter erscheinen zu lassen, aber es verhindert vor allem, daß es einem wirklich unter die Haut geht.

Im Gegenzug sparen sie sich leider auch die charmanten Kleinigkeiten aus dem Buch, wie die Alraune-schleppenden Schüler mit Ohrenschützern, die laufenden Tische oder die Kristallkugel-werfende Trelawny. Aber vielleicht hatten sie Angst, daß das die Stimmung auflockern könnte...

Was den Rest angeht, sind sie nah am Buch. Beeindruckend nahe dran. Natürlich gibts Abweichungen aus dramatischen Gründen, aber insgesamt gesehen passiert genau das, was passieren soll. Und ich gebe zu, ich finde die filmische Lösung für den ersten Kuß zwischen Ron und Hermione sogar besser als die im Buch. Es ist eine Notlösung, weil sie die Buchszene nicht machen konnten, aber sie funktioniert super. Sehr gut gelöst.

Auch die Szene im Wald, in der Harry sich opfert, ist buchgetreu und wirklich gut geworden. Da wird der Film richtig stark und berührend. Die dann folgende Erklärungsszene mit Dumbledore ist sehr viel kürzer als im Buch und darum sehr viel weniger störend. Selbst die Rückblende auf Snapes Leben paßt sich gut ein. Beeindruckend auch, daß ganze Dialogzteile wörtlich übernommen wurden.
Und am erstaunlichsten finde ich, daß der Epilog sehr viel besser funktioniert als im Buch. Da fand ich ihn bestensfalls nett, schlimmstenfalls albern, aber im Film hat er eine echte, wichtige Funktion. Er ist Hoffnung. Ich schätze, das war das, was Rowling sich dabei gedacht hat, und jetzt kommt es endlich zur Geltung.

Ich habe insgesamt sehr viel weniger geheult als ich erwartet hatte. Snapes Tod hat mich genauso kalt gelassen wie im Buch, wirkt aber wenigstens nicht ganz so pathetisch - er hat andere letzte Worte bekommen. Das habe ich extra nachgeschlagen... wahrscheinlich, damit auch die, die die Bücher nicht gelesen haben, eine Ahnung davon bekommen, was er eigentlich meint.
Ihre "wem gehorcht welcher Zauberstab"-Theorie ist erstaunlicherweise auch dieselbe wie im Buch, und ich bin mitlerweile zu einer Interpretation gekommen, die mir erlaubt zu glauben, daß ich sie verstanden habe. Ob das stimmt, lasse ich jetzt mal dahingestellt. ;)

Wie immer ist ihre Darstellerriege prima, Alan Rickman bekommt die Chance, nochmal ein bißchen zu schauspielern, und sie haben alle Lehrer aus den vorigen Filmen nochmals für kurze Auftritte in der Schlacht zusammengeholt, selbst Emma Thompson. Hübsches kleines Extra.
Die Kulissen sind toll, aber nicht so beeindruckend wie im ersten Teil, weil es vor allem Hogwarts zu sehen gibt und das halt zerlegt wird. Es ist duster und wird der Sache gerecht.

Hätten sie also den ersten Teil der Schlacht nicht so glattgebügelt und hätten sie nicht mal wieder eine Grundtheorie für 30 Sekunden (wenn auch sehr hübsch anzusehenden) Film gekillt, wäre es ein richtig klasse Film geworden. So ist es noch immer ein guter Film. Nicht der Abschluß, der es hätte sein können, aber ein würdiger Abschluß.

Date: 2011-08-03 08:07 pm (UTC)
From: [identity profile] blauerfalke.livejournal.com
Eine Kollegin hat erzählt, daß bei ihr das Kino beim Epilog in brüllendes Gelächter ausgebrochen ist, weil die Schauspieler auf alt getrimmt so idiotisch aussahen - fand ich eigentlich gar nicht. Im Gegenteil, ich fands gut gemacht. 20 Jahre älter sahen sie vielleicht nicht aus, aber darum gehts ja nicht.

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