Jan. 16th, 2022

blauerfalke: (erzählen)
The Many Worlds of Neil Gaiman

von Hank Wagner, Christopher Golden und Stephen R. Bissette

Das Buch ist von 2008, also ist sein Stand der, dass Neil Gaiman gerade an "The Graveyard Book" schreibt. Darum behandelt es logischerweise auch nur das, was Mr. Gaiman bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hat, denn wie es die goldene Regel aller Kreativen ist, spricht er nicht über zukünftige Projekte, die sich bereits abzeichnen. Nur über ein paar Dinge, von denen er "hofft, sie schreiben zu können, bevor er stirbt".

Zur besseren Übersicht ist das Buch in Themenbereiche aufgeteilt. Comics, Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Songs, Filmskripts... Der Bereich über Comics ist der mit Abstand größte und davon wiederum der größte Teil (ja, Mr. Gaiman hat noch andere Comics gemacht) wird von einer detaillierten Übersicht über "Sandman" eingenommen. Ausführliche Synopsis, Einordnung des Werks in die Welt und die Regeln des Comics und seine historische Bedeutung für eben die Welt der Comics, der graphic novel, der Fantasy und überhaupt. Kurz, "Sandman" ist für die Autoren offensichlich das wichtigste Werk in Neil Gaimans Opus.

Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Ich habe keine Ahnung von Comics, sie sind nicht mein bevorzugtes Medium, ich kenne mich in ihrer Historie nicht aus, und darum werde ich alle Urteile über all das, was "Sandman" darstellt und bedeutet, einfach so hinnehmen. Das ist immer das Beste, wenn man keine Ahnung hat. In diesem Fall geht meine Ahnungslosigkeit sogar so weit, dass ich große Abschnitte des "Comics"-Bereich sehr mühselig fand, weil ich weder die besprochenen Comics kenne, noch weiß, wer die erwähnten Charaktere sind und schon gar nicht, wer diese Autoren und Künstler sind.
In den anderen Bereichen wird das einfacher, denn auch wenn ich die große Masse der Schriftsteller, die erwähnt werden, nicht gelesen habe, so kenne ich doch die meisten Namen oder ein paar Titel.

Dazu komen noch ein paar Zitate, Interviews und Ausschnitte aus Interviews, damit nicht nur die Meinungen und Erinnerungen der Autoren des Buches enthalten sind, sondern auch die von Mr. Gaiman selbst. Das ist gut gemacht, interessant und verleiht der Werkübersicht auch biographische Bezüge. Wie man es von Mr. Gaiman gewohnt ist, ist der Tonfall ruhig, geduldig, freundlich, informativ und oft auch witzig. Das macht es im Ganzen zu einem sehr positiven Buch, das - so ich mich jetzt erinnerern kann - ohne ein einziges bösen Wort über egal wen oder was auskommt. Selbst Mißstände z.B. bezüglich Copyright werden sachlich und unaufgeregt geschildert, was ich persönlich sehr angenehm finde.
Das Einzige, was ich ein bisschen störend finde, sind die doch ein bisschen zu häufigen Wiederholungen dessen, was für ein großartiger Autor und Mensch Neil Gaiman ist und wie wunderbar seine Texte, denn das erscheint mir schon ein bisschen übertrieben oft. Ich glaube, niemand, der nicht auf die eine oder andere Weise dem Werk oder Mr. Gaiman selbst positiv gegenüber eingestellt ist, würde dieses Buch auch nur anfassen. Nicht einmal, um zu erfahren, um was genau es in "Sandman" geht - dazu gibt es ein eigenes Companion Buch, auf das natürlich im Bereich "Further Reading" hingewiesen wird.

Auch ich lese gerne Werke von Mr. Gaiman. Ich habe "Sandman" gelesen und auch die meisten seiner Bücher. Ich habe Schwierigkeiten mit den meisten seiner Romanen (von denen er übrigens sehr viel weniger geschrieben hat, als ich gedacht habe), liebe aber dafür seine Kurzgeschichten (könnte ich mal wieder welche lesen). Ich bewundere ihn dafür, wie unaufgeregt, geduldig und freundlich er auf diversen Social Media-Präsenzen mit Menschen aller Art umgeht, und für sein gewaltiges Hintergrundwissen über quasi jedes literarische Genre. Es lohnt sich immer, in Mr. Gaimans Texten Verweise zu suchen, denn man wird immer belohnt.
Interessanterweise kann ich gerade mit den beiden Romanen, die jeder - auch die Autoren - für die besten und großartigsten hält - "Good Omens" und "American Gods" - am wenigsten anfangen, liebe aber dafür "Neverwhere" und "Stardust", die für andere eher "ferner liefen" sind. ("Ocean at the End of the Lane" war 2008 noch nicht geschrieben, da hätte mich interessiert, wie die Autoren das einordnen...)
Auch an "Sandman" bewundere ich vor allem die erzählerische Leistung und dass es tatsächlich möglich ist, einen Handlungsbogen über so viele Jahre, so viele Zwischeneinschübe und so viele Ausgaben hinweg aufrecht zu erhalten. Auch das enorme mythologische Wissen, das dahinter steht, ebenso wie die Kenntnis über Massen von Details des DC-Universums, um die Continuity aufrecht zu erhalten.
Das ist es, was Mr. Gaiman für mich vor allen Dingen ist: Einer der großen Geschichtenerzähler unserer Zeit, in der guten alten Tradition, die so alt ist wie die Menschheit. Und genau das ist es, was das Buch deutlich zu machen versucht, weil seine Autoren das wohl genauso sehen.

Also, mit kleinen Abstrichen stilitisch und durch Unkenntnis meinerseits ein sehr gutes und informatives Werk. Pluspunkte für den positiven Grundton, und zusätzliche Empfehlung, weil Mr. Gaiman es immer schafft, inspirierend und ermutigend zu wirken, wenn er übers Schreiben spricht.
Eine verdiente Hommage.

(Zusatzinfo: Wie auch die Autoren im Vorwort sagen: Massive Spoiler zu allem. Nur lesen, wenn einen das nicht stört oder man das entsprechende Werk schon kennt.)

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