Feb. 16th, 2025
Von Thalia geküsst
Feb. 16th, 2025 06:40 pmEine Wupperetten-Revue (Eigenwerbung)
Es spielt die Oper Wuppertal.
Die Oper Wuppertal liegt direkt am Bahnhof Wuppertal-Barmen. Das war mir bis jetzt auch nicht klar, aber nur so mal am Rande. Sie hat quasi Gleisanschluss. Und die Schwebebahn ist direkt auf der anderen Seite.
Das Thalia Theater hingegen war in Elberfeld, hatte 2000 Sitzplätze und war ein für seine Zeit typischer Theaterpalast, der vor allem Operetten, Revuen, Varieté und später auch Filme auf einer Leinwand zeigte. Heute steht an der gleichen Stelle ein Hochhaus der Stadtsparkasse, das ist architektonisch sehr schade und wird auch direkt zur Ouvertüre gezeigt - erst das Thalia, dann die Sparkasse und dann Bilder vom Bau der Sparkasse rückwärts, so dass es immer weniger wird, bis am Ende der Bilderreihe wieder das Thalia Theater zu sehen ist. Netter Kunstgriff, der auch hörbar für Erheiterung sorgte.
Das Stück selbst spielt zwischen 1929 und 1933, das gerade frisch renovierte Thalia wird vom neuen Theaterdirektor Robert Riemer wiedereröffnet, mit der Operette "Der Bettelstudent", zu der alle Beteiligten Rokkoko-Kostüme tragen. Es geht um die finanziellen Schwierigkeiten des Theaters, darum, wie man einen Spielplan umsetzt, der Gewinn macht, ohne dabei die Stars seines Ensembles zu verärgern, und später natürlich auch um die Machtergreifung und dass Riemer, der Jude ist, gezwungen wird, sein Theater abzugeben und in die USA zu emigrieren.
Dazwischen geht es auch noch um die sich anbahnende Liebe zwischen Louise und dem Reporter Peter, sowie Louises Bruder Felix, der im Ensemble des Theaters ist, und sich in eine neue Kollegin verliebt, die aber in Wahrheit die Muse Thalia in Person ist, die dem Theater helfen will, zu überleben. Am Ende des Stücks ist es klar, dass diese Aufgabe im Rahmen der politischen Zustände zu groß für eine Muse ist und Thalia muss sich verabschieden.
Das Buch ist also recht schwach, die Dialoge sind eher hölzern, und es ist zu erwarten, dass Louise nur so heißt, damit ihr Peter "Ach Louise" aus "Bezauberndes Fräulein" singen kann (auch bekannt als der Exquisa-Song aus der Werbung). Auch die Ausschnitte aus "Die lustige Witwe" finden nur statt, damit Sangmin Jeon und Margaux de Valensart ihre großartigen Stimmen unter Beweis stellen können. Wir sind im Opernhaus, und da darf man ruhig mit dem angeben, was man hat.
Auch beim Rest des Ensembles ist es nicht besonders schwer, herauszuhören, wer zum Opernsensemble gehört und wer nicht, aber das ist durch eben diese Unterschiedlichkeit im Gesang spannend und interessant. Alle Beteiligten machen ihre Sache ausgezeichnet, vor allem herausheben möchte ich Merlin Wagner als Peter und Edith Grossman als Thalia, die beide sehr charmant und liebenwürdig ihre Rollen mit großer Begeisterung spielen. Auch wenn sie aufgrund von Krankheit nicht in der Lage war, selbst zu singen (Gesang in unserer Vorstellung Anne-Christine Heymann) - auch das klappte vorzüglich und fiel nicht weiter auf. Großes Lob an alle Beteiligten.
Ein bisschen spaßig war es auch, weil das etwas ist, was ich mit der großen Kunst der Oper verbinde - vor dem Beginn kommt jemand auf die Bühne, der die Entschuldigungen diverser Darsteller/innen ausrichten lässt, dass sie heute nicht so gut bei Stimme sind. Oder auch, in diesem Falle, dass der Chor aufgrund von Krankheit stark dezimiert ist.
Geklungen hat es trotzdem wie gesagt alles sehr gut. Die Musik stammte aus diversen Operetten, zum Teil mit Wuppertal-Bezug umgedichtet, zwei oder drei Lieder habe ich sogar erkannt. Klares Highlight natürlich "Mädel, fahr mit mir Schwebebahn" (ja, das heißt wirklich so), zu dem sie diverse Schwebebahnen oben an der Bühne hin- und herfahren ließen (eine mit Elephant drin) und Frau Grossman eine begeisterte Stepeinlage hingelegt hat. Im Chor gab es sogar Leute, die Lindy Hop tanzen konnten, dass passte auch sehr gut.
Da die Oper kein Tanzensemble hat, war es im Ganzen nicht so mitreißend-swingend, wie die Ankündigung es vermuten ließ. Auch der Kulturauftrag, der die ensprechenden politischen Bezüge erfordert, stand dem schmissigen Abend deutlich entgegen, auch wenn ich verstehe, dass es sein muss (und vielleicht sogar nützlich ist, gerade jetzt). Trotzdem ist es ein charmantes Stück mit vielen netten Ideen und gut gemachten Szenen, das einen unterhaltsamen Abend garantiert.
(Es wurde in Deutsch und Englisch übertitelt, aber die Bildschirme sind sehr weit oben, die Schrift ist klein und der Kontrast weiß auf schwarz auch nicht der Beste.)
Schöne Idee, gut umgesetzt. Wupperette.
Es spielt die Oper Wuppertal.
Die Oper Wuppertal liegt direkt am Bahnhof Wuppertal-Barmen. Das war mir bis jetzt auch nicht klar, aber nur so mal am Rande. Sie hat quasi Gleisanschluss. Und die Schwebebahn ist direkt auf der anderen Seite.
Das Thalia Theater hingegen war in Elberfeld, hatte 2000 Sitzplätze und war ein für seine Zeit typischer Theaterpalast, der vor allem Operetten, Revuen, Varieté und später auch Filme auf einer Leinwand zeigte. Heute steht an der gleichen Stelle ein Hochhaus der Stadtsparkasse, das ist architektonisch sehr schade und wird auch direkt zur Ouvertüre gezeigt - erst das Thalia, dann die Sparkasse und dann Bilder vom Bau der Sparkasse rückwärts, so dass es immer weniger wird, bis am Ende der Bilderreihe wieder das Thalia Theater zu sehen ist. Netter Kunstgriff, der auch hörbar für Erheiterung sorgte.
Das Stück selbst spielt zwischen 1929 und 1933, das gerade frisch renovierte Thalia wird vom neuen Theaterdirektor Robert Riemer wiedereröffnet, mit der Operette "Der Bettelstudent", zu der alle Beteiligten Rokkoko-Kostüme tragen. Es geht um die finanziellen Schwierigkeiten des Theaters, darum, wie man einen Spielplan umsetzt, der Gewinn macht, ohne dabei die Stars seines Ensembles zu verärgern, und später natürlich auch um die Machtergreifung und dass Riemer, der Jude ist, gezwungen wird, sein Theater abzugeben und in die USA zu emigrieren.
Dazwischen geht es auch noch um die sich anbahnende Liebe zwischen Louise und dem Reporter Peter, sowie Louises Bruder Felix, der im Ensemble des Theaters ist, und sich in eine neue Kollegin verliebt, die aber in Wahrheit die Muse Thalia in Person ist, die dem Theater helfen will, zu überleben. Am Ende des Stücks ist es klar, dass diese Aufgabe im Rahmen der politischen Zustände zu groß für eine Muse ist und Thalia muss sich verabschieden.
Das Buch ist also recht schwach, die Dialoge sind eher hölzern, und es ist zu erwarten, dass Louise nur so heißt, damit ihr Peter "Ach Louise" aus "Bezauberndes Fräulein" singen kann (auch bekannt als der Exquisa-Song aus der Werbung). Auch die Ausschnitte aus "Die lustige Witwe" finden nur statt, damit Sangmin Jeon und Margaux de Valensart ihre großartigen Stimmen unter Beweis stellen können. Wir sind im Opernhaus, und da darf man ruhig mit dem angeben, was man hat.
Auch beim Rest des Ensembles ist es nicht besonders schwer, herauszuhören, wer zum Opernsensemble gehört und wer nicht, aber das ist durch eben diese Unterschiedlichkeit im Gesang spannend und interessant. Alle Beteiligten machen ihre Sache ausgezeichnet, vor allem herausheben möchte ich Merlin Wagner als Peter und Edith Grossman als Thalia, die beide sehr charmant und liebenwürdig ihre Rollen mit großer Begeisterung spielen. Auch wenn sie aufgrund von Krankheit nicht in der Lage war, selbst zu singen (Gesang in unserer Vorstellung Anne-Christine Heymann) - auch das klappte vorzüglich und fiel nicht weiter auf. Großes Lob an alle Beteiligten.
Ein bisschen spaßig war es auch, weil das etwas ist, was ich mit der großen Kunst der Oper verbinde - vor dem Beginn kommt jemand auf die Bühne, der die Entschuldigungen diverser Darsteller/innen ausrichten lässt, dass sie heute nicht so gut bei Stimme sind. Oder auch, in diesem Falle, dass der Chor aufgrund von Krankheit stark dezimiert ist.
Geklungen hat es trotzdem wie gesagt alles sehr gut. Die Musik stammte aus diversen Operetten, zum Teil mit Wuppertal-Bezug umgedichtet, zwei oder drei Lieder habe ich sogar erkannt. Klares Highlight natürlich "Mädel, fahr mit mir Schwebebahn" (ja, das heißt wirklich so), zu dem sie diverse Schwebebahnen oben an der Bühne hin- und herfahren ließen (eine mit Elephant drin) und Frau Grossman eine begeisterte Stepeinlage hingelegt hat. Im Chor gab es sogar Leute, die Lindy Hop tanzen konnten, dass passte auch sehr gut.
Da die Oper kein Tanzensemble hat, war es im Ganzen nicht so mitreißend-swingend, wie die Ankündigung es vermuten ließ. Auch der Kulturauftrag, der die ensprechenden politischen Bezüge erfordert, stand dem schmissigen Abend deutlich entgegen, auch wenn ich verstehe, dass es sein muss (und vielleicht sogar nützlich ist, gerade jetzt). Trotzdem ist es ein charmantes Stück mit vielen netten Ideen und gut gemachten Szenen, das einen unterhaltsamen Abend garantiert.
(Es wurde in Deutsch und Englisch übertitelt, aber die Bildschirme sind sehr weit oben, die Schrift ist klein und der Kontrast weiß auf schwarz auch nicht der Beste.)
Schöne Idee, gut umgesetzt. Wupperette.
Stadttheater
Feb. 16th, 2025 07:11 pmvon Fritz Raab
Ein Theater irgendwo in Süddeutschland, offenbar ein Drei-Sparten-Haus. Alle arbeiten schon lange zusammen, kennen einander, kennen die Macken, kennen die Probleme mit Spielplan, Besetzungen, Kartenverkauf. Jeder will sich profilieren, jeder will das Beste für sich rausschlagen und niemand will Skandale und Ärger hinter der Bühne. Und jede Kreativität muss immer gleich mitbedenken, was in wessen Vertrag steht, vom Dramaturgen bis hin zum Pächter der Kantine, der auch die Pausenbars betreibt, weshalb es immer eine Pause in jedem Stück geben muss.
Jetzt hat die Stadt einen neuen Kulturdezernten, darum muss der Spielplan umgestellt werden, damit zwei modernere, jüngere Stücke das Theater für die Jugend interessant machen sollen. Eins davon ist politisch brisant, was dann auch wieder zu Problemen führt, denn Skandale will man ja auch auf der Bühne nicht.
Es dreht sich also vor allem um Eifersüchteleien, politische Intrigen und private Techtelmechtel. Vor allem um das Letztere, und das fand ich dann doch recht bemüht, vorhersehbar und teilweise auch einfach nur ermüdend. Nicht mal nervig, einfach nur ermüdend.
Es gab keine einzige Figur im ganzen Roman, die Interesse bei mir geweckt hat. Es gab zwei Personen, die ich sowas wie mochte. Es war nicht langweilig zu lesen, aber es war auch nicht aufregend. Es ist genauso, wie man sich die Zustände am Theater und im Rathaus so vorstellt, und ich weiß nicht, ob das auf Tatsachen beruht oder so ist, weil das eben bei dieser Art Buch dazugehört, und im Grunde ist es mir auch eigentlich egal. Es ist das, was man "zeitgenössische Unterhaltung" nennt, ein Begriff, der genauso dahinplätschernd und nichtssagend ist wie das Buch selbst. Für eine Satire ist es nicht scharf genug, für Charakterstudien zu klischneehaft, als Zeitdokument... ja, da könnte es brauchbar sein. Abbildung eines Gesellschaftsbildes.
Kann man zwischendurch mal lesen, war unterhaltsam, hat aber keinen tieferen Eindruck hinterlassen.
Ein Theater irgendwo in Süddeutschland, offenbar ein Drei-Sparten-Haus. Alle arbeiten schon lange zusammen, kennen einander, kennen die Macken, kennen die Probleme mit Spielplan, Besetzungen, Kartenverkauf. Jeder will sich profilieren, jeder will das Beste für sich rausschlagen und niemand will Skandale und Ärger hinter der Bühne. Und jede Kreativität muss immer gleich mitbedenken, was in wessen Vertrag steht, vom Dramaturgen bis hin zum Pächter der Kantine, der auch die Pausenbars betreibt, weshalb es immer eine Pause in jedem Stück geben muss.
Jetzt hat die Stadt einen neuen Kulturdezernten, darum muss der Spielplan umgestellt werden, damit zwei modernere, jüngere Stücke das Theater für die Jugend interessant machen sollen. Eins davon ist politisch brisant, was dann auch wieder zu Problemen führt, denn Skandale will man ja auch auf der Bühne nicht.
Es dreht sich also vor allem um Eifersüchteleien, politische Intrigen und private Techtelmechtel. Vor allem um das Letztere, und das fand ich dann doch recht bemüht, vorhersehbar und teilweise auch einfach nur ermüdend. Nicht mal nervig, einfach nur ermüdend.
Es gab keine einzige Figur im ganzen Roman, die Interesse bei mir geweckt hat. Es gab zwei Personen, die ich sowas wie mochte. Es war nicht langweilig zu lesen, aber es war auch nicht aufregend. Es ist genauso, wie man sich die Zustände am Theater und im Rathaus so vorstellt, und ich weiß nicht, ob das auf Tatsachen beruht oder so ist, weil das eben bei dieser Art Buch dazugehört, und im Grunde ist es mir auch eigentlich egal. Es ist das, was man "zeitgenössische Unterhaltung" nennt, ein Begriff, der genauso dahinplätschernd und nichtssagend ist wie das Buch selbst. Für eine Satire ist es nicht scharf genug, für Charakterstudien zu klischneehaft, als Zeitdokument... ja, da könnte es brauchbar sein. Abbildung eines Gesellschaftsbildes.
Kann man zwischendurch mal lesen, war unterhaltsam, hat aber keinen tieferen Eindruck hinterlassen.
Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt
Feb. 16th, 2025 07:23 pmKurioses aus dem Cockpit
von Stephan Ort und Antje Blinda
Beide Autor/innen arbeiten für Spiegel Online. Dort haben sie einen Aufruf gestartet, man möge ihnen persönliche Erlebnisse und Anekdoten von Flugreisen schicken. Das Ergebnis ist dieses Buch.
Man bekommt genau das, was draufsteht. In zehn Kapiteln ein bisschen thematisch unterteilt, jedes mit einem einleitenden Text und jedes mit einem Kasten am Ende für einen Random Fakt wie z.B. "Ist Fliegen tatsächlich sicherer als Fahren?" oder "Was passiert eigentlich genau bei einem Druckverlust?", und dann eine Sammlung kurzer Berichte über Dinge, die passiert sind, Probleme, die aufgetreten sind, lustige Durchsagen, verlorene Gepäckstücke... was auch immer. Was halt so passiert, wenn man versucht, mit einem Flugzeug zu reisen. Oder was dann auch mal nicht passiert, auch das kommt ja immer wieder vor.
Unterhaltung für nebenbei, kann man ohne große Aufmerksamkeit mal eben durchlesen. Wenn man grade in der Stimmung dafür ist, sehr gutes Buch.
von Stephan Ort und Antje Blinda
Beide Autor/innen arbeiten für Spiegel Online. Dort haben sie einen Aufruf gestartet, man möge ihnen persönliche Erlebnisse und Anekdoten von Flugreisen schicken. Das Ergebnis ist dieses Buch.
Man bekommt genau das, was draufsteht. In zehn Kapiteln ein bisschen thematisch unterteilt, jedes mit einem einleitenden Text und jedes mit einem Kasten am Ende für einen Random Fakt wie z.B. "Ist Fliegen tatsächlich sicherer als Fahren?" oder "Was passiert eigentlich genau bei einem Druckverlust?", und dann eine Sammlung kurzer Berichte über Dinge, die passiert sind, Probleme, die aufgetreten sind, lustige Durchsagen, verlorene Gepäckstücke... was auch immer. Was halt so passiert, wenn man versucht, mit einem Flugzeug zu reisen. Oder was dann auch mal nicht passiert, auch das kommt ja immer wieder vor.
Unterhaltung für nebenbei, kann man ohne große Aufmerksamkeit mal eben durchlesen. Wenn man grade in der Stimmung dafür ist, sehr gutes Buch.
Ich bin ein Geschichtenerzähler
Feb. 16th, 2025 07:30 pmvon Otfried Preußler
Es gibt eine Gruppe von Autoren, die aus meiner Kindheit nicht wegzudenken sind. Vier davon bilden noch einmal eine eigene Gruppe, weil sie sich ähnlich sind. Nicht unbedingt in den Texten, die sie geschrieben haben, aber in der Art, in der sie geschrieben haben. In dem Anspruch an sich selbst und an ihre Geschichten, in ihrer Ansicht, dass Kinderliteratur mindestens genauso viel Sorgfalt und Ernsthaftigkeit braucht wie die für Erwachsene. Kinder sind nicht dumm, und ein gutes Kinderbuch zu schreiben ist vielleicht das Schwerste überhaupt.
Erich Kästner ist einer dieser Autoren. James Krüss und Michael Ende sind die anderen. Und eben auch Otfried Preußler.
Es gibt fünf Bücher von Herrn Preußler, die in meiner Generation wahrscheinlich jeder gelesen hat. "Die kleine Hexe", "Das kleine Gespenst", "Der kleine Wassermann", "Der Räuber Hotzenplotz" und "Krabat". "Krabat" hat davon wahrscheinlich den größten Eindruck auf mich hinterlassen, weil es dazu eine Verfilmung gab, die ich als so duster und angsteinflößend empfand, dass ich jahrelang Alpträume davon hatte. Wahrscheinlich ist sie das nicht... ich müsste mal versuchen, sie aufzutreiben...
Außerdem ist "Krabat" meine älteste Erinnerung an die Sorte Charakter, auf die ich immer abfahre, so sicher, dass Freundinnen mir Bücher mit "Da ist jemand für dich drin" empfehlen. Nein, nicht Krabat selbst. Tonda. Es ist immer der beste Freund, und er stirbt auch immer auf der Hälfte des Buches.
Dieses Buch enthält Essays und Texte, die Herr Preußler über die Jahre für verschiedene Anlässe geschrieben hat. Tagungen, Kongresse... solche Dinge wahrscheinlich. Sie wurden von seinen Töchtern ausgesucht und zusammengestellt, alle mit der entsprechenden Jahreszahl versehen, aber nicht chronologisch. Es geht um sein Leben und es geht um das Schreiben. Es geht um besagten Anspruch an Kinderliteratur und es geht um Verantwortung gegenüber den Leser/innen und den Mitmenschen generell. Es ist unaufgeregt, oft sehr persönlich, selten streng, immer berührend. Es gibt Menschen, die können einfach schreiben. Menschen, bei denen egal welcher Text eine sehr eigene Stimme hat, bei denen alles, was sie schreiben, interessant ist, und immer so klingt, als hätten sie es genau in diesem Moment nur für einen selbst geschrieben.
Otfried Preußler war einer von ihnen.
Die wichtigsten Bücher habe ich selbst im Schrank, unsere Bücherei hat keine von denen, die ich noch nie gelesen habe - und wo ist eigentlich die Räuber Hotzenplotz-Ausgabe hin?
Klare Empfehlung. Sehr lesenswert.
Es gibt eine Gruppe von Autoren, die aus meiner Kindheit nicht wegzudenken sind. Vier davon bilden noch einmal eine eigene Gruppe, weil sie sich ähnlich sind. Nicht unbedingt in den Texten, die sie geschrieben haben, aber in der Art, in der sie geschrieben haben. In dem Anspruch an sich selbst und an ihre Geschichten, in ihrer Ansicht, dass Kinderliteratur mindestens genauso viel Sorgfalt und Ernsthaftigkeit braucht wie die für Erwachsene. Kinder sind nicht dumm, und ein gutes Kinderbuch zu schreiben ist vielleicht das Schwerste überhaupt.
Erich Kästner ist einer dieser Autoren. James Krüss und Michael Ende sind die anderen. Und eben auch Otfried Preußler.
Es gibt fünf Bücher von Herrn Preußler, die in meiner Generation wahrscheinlich jeder gelesen hat. "Die kleine Hexe", "Das kleine Gespenst", "Der kleine Wassermann", "Der Räuber Hotzenplotz" und "Krabat". "Krabat" hat davon wahrscheinlich den größten Eindruck auf mich hinterlassen, weil es dazu eine Verfilmung gab, die ich als so duster und angsteinflößend empfand, dass ich jahrelang Alpträume davon hatte. Wahrscheinlich ist sie das nicht... ich müsste mal versuchen, sie aufzutreiben...
Außerdem ist "Krabat" meine älteste Erinnerung an die Sorte Charakter, auf die ich immer abfahre, so sicher, dass Freundinnen mir Bücher mit "Da ist jemand für dich drin" empfehlen. Nein, nicht Krabat selbst. Tonda. Es ist immer der beste Freund, und er stirbt auch immer auf der Hälfte des Buches.
Dieses Buch enthält Essays und Texte, die Herr Preußler über die Jahre für verschiedene Anlässe geschrieben hat. Tagungen, Kongresse... solche Dinge wahrscheinlich. Sie wurden von seinen Töchtern ausgesucht und zusammengestellt, alle mit der entsprechenden Jahreszahl versehen, aber nicht chronologisch. Es geht um sein Leben und es geht um das Schreiben. Es geht um besagten Anspruch an Kinderliteratur und es geht um Verantwortung gegenüber den Leser/innen und den Mitmenschen generell. Es ist unaufgeregt, oft sehr persönlich, selten streng, immer berührend. Es gibt Menschen, die können einfach schreiben. Menschen, bei denen egal welcher Text eine sehr eigene Stimme hat, bei denen alles, was sie schreiben, interessant ist, und immer so klingt, als hätten sie es genau in diesem Moment nur für einen selbst geschrieben.
Otfried Preußler war einer von ihnen.
Die wichtigsten Bücher habe ich selbst im Schrank, unsere Bücherei hat keine von denen, die ich noch nie gelesen habe - und wo ist eigentlich die Räuber Hotzenplotz-Ausgabe hin?
Klare Empfehlung. Sehr lesenswert.